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TV-Bösewicht Hagman wird 75

"Dallas“, die erfolgreichste Fernsehserie der 80er, spielt heute in Washington. Schauplatz ist ein weiß gestrichenes Anwesen, alles dreht sich um Geld, Macht, Öl, und einen skrupelloser Texaner.

So sieht es jedenfalls Larry Hagman, der als Fiesling J.R. TV-Geschichte schrieb wie sonst nur Kojak und Lassie. Der Mann mit dem gemeinen Lacher, der am Donnerstag (21. September) 75 Jahre alt wird, sagt über Bush: „Er führt das Land in den Faschismus.“

Bis zu 13 Jahre lang haben die Ewings von der Southfork Ranch die Amerikaner und dann auch die Österreicher und noch 55 andere Nationen durchs Leben begleitet. Man kannte sich aus bei ihnen, man wusste, wo der Whisky stand, und bemerkte, wenn J.R. einen neuen Morgenmantel hatte. Und natürlich kannte man die weit verzweigte Familie. Da war Sue Ellen, die erste „desperate housewife“, deren Gesicht zwischen drei Ausdrücken wechselte: glücklich betrunken, unglücklich betrunken, stockbetrunken. Pamela, der auch beim vielen Weinen nie das Make-up verlief. Bobby, der zwischenzeitlich verstarb und dann eine Staffel weiter doch wieder unter der Dusche stand (alles war nur ein Traum).

Und natürlich J.R., der Bösewicht mit dem Bubigesicht. Obwohl, im Rückblick wirkt er ja geradezu harmlos. Es fängt damit an, dass heute jede Zahnarztpraxis über mehr Chrom verfügt als sein Chefbüro. Seine Geschäftspraktiken erschüttern nach dem Enron-Skandal auch niemanden mehr, und immerhin ließ J.R. für sein Öl noch nicht einmal Blut fließen – er zog es vor, seine Gegner wirtschaftlich zu ruinieren.

Die Ewings haben vielleicht nicht nur Fernsehgeschichte geschrieben. Der rumänische Diktator Ceausescu ließ „Dallas“ im Staatsfernsehen zeigen, um dem Volk das korrupte Amerika vorzuführen. Ein schwerer Fehler. Larry Hagman hat später mal einen Rumänen getroffen, der ihm unter Tränen mit den Worten dankte: „J.R., du hast uns gerettet!“ Hagmans Erklärung: „Die Leute sahen die Autos, Kleider, die schönen Frauen. Sie wollten das auch. Und so haben sie Ceausescu aus seinem Palast gezerrt und erschossen. Here we go!“

Hagman spricht gern über Politik, und sei es nur, um klarzustellen, dass er kein Gefolgsmann von Bush ist, auch wenn er aus Texas kommt, gern Cowboyhüte trägt und wie der Präsident mal ein Alkoholproblem hatte. Hagman ist ein Linker – schon immer gewesen: Seit der Vietnam-Zeit Mitglied einer Antikriegspartei, plädiert er für die Legalisierung von Haschisch („Wir haben immer gern Marihuana geraucht“) und fordert die Verurteilung des Ex-Außenministers Henry Kissinger als Kriegsverbrecher.

Auch sonst ist er meinungsstark. Über Bush: „Gefährlich und dumm.“ Über die amerikanische Demokratie: „Seit dem 11. September 2001 hat sich Amerika in Sachen Ideologie und Gehirnwäsche zu einem Land entwickelt, das einem totalitären Staat in der Prägung der ehemaligen Sowjetunion sehr ähnelt.“ Über die Zivilisation an sich: „Im Laufe der nächsten zehn Jahre wird alles im Chaos enden.“

Ja, die Welt hat sich geändert seit den überschaubaren 80er Jahren, als jeder Dienstagabend mit den Ewings zu Ende ging und es keinen größeren Bösewicht gab als J.R. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es so viele Fanclubs und Wiederholungen gibt und jetzt sogar ein neuer Kinofilm mit John Travolta als J.R. gedreht werden soll. Ob das letzte allerdings eine gute Idee ist? „Dallas“ im 21. Jahrhundert – das ist so anachronistisch wie Schulterpolster und Zauberwürfel.

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