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Türkei: Atmet auf

Zwei Wochen vor Beginn der Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei hätten sich viele Türken ein "zweites Schröder-Wunder" gewünscht. Das gelang dem "Türkei-Freund" Schröder bei der Bundestagswahl nur zum Teil.

Dennoch kann der EU-Anwärter Türkei angesichts des vorläufigen Patts in Deutschland erst einmal aufatmen. Hatten die Türken doch befürchtet, dass ihnen nach einem klaren Wahlsieg von CDU-Chefin Angela Merkel der Gegenwind aus der Europäischen Union noch rauer ins Gesicht wehen würde.

Das Wahlergebnis sei ebenso überraschend wie erfreulich für den Beitrittsprozess der Türkei, freute sich am Montag Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der Schröder zu seinem „erfolgreichen Wahlkampf“ gratulierte. Aus dem Ergebnis sollten all diejenigen Politiker lernen, die die Türkei mit einer privilegierten Partnerschaft an Stelle einer Vollmitgliedschaft abspeisen wollten.

Mit Genugtuung registrierten türkische Zeitungen, dass das Eintreten der CDU-Chefin gegen eine türkische EU-Mitgliedschaft Merkel keine Wählerstimmen eingebracht habe. Unter der Schlagzeile „Schock für Merkel“ gab sich die auflagenstärkste Zeitung „Hürriyet“ zuversichtlich, dass „die Wahrscheinlichkeit einer Neujustierung der (deutschen) EU-Politik zum Nachteil der Türkei“ ausgeräumt sei.

Zwar gehen selbst türkische Kommentatoren nicht so weit, nach dem Wählervotum in Deutschland auf eine Trendwende in der europäischen Türkei-Debatte zu hoffen. Trotzdem: Anders als in Frankreich oder den Niederlanden, wo die EU-Verfassung auch in einer Abwehrreaktion gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei zu Fall gebracht wurde, seien die deutschen Wähler diesem Trend nicht gefolgt.

Die „Niederlage“ Merkels dürften vor allem Politiker in Frankreich und Österreich bedauern, die auf einen Sieg der CDU-Chefin gesetzt hätten, um das Konzept einer privilegierten Partnerschaft für die Beitrittsgespräche mit Ankara festzuschreiben, kommentierte die türkische Zeitung „Zaman“.

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