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Turin liegt noch im Winterschlaf

Acht Tage vor der feierlichen Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2006 liegt Gastgeber Turin noch im vor-olympischen Winterschlaf. Satte 14 Grad plus zeigt das Thermometer in der Hauptstadt des Piemont.

Und auch für das 100 Kilometer entfernte Sestriere, wo am 12. Februar die Goldmedaille in der Königsdisziplin Herren-Abfahrt vergeben werden soll, spuckt der Computer im etwas steril wirkenden, frisch lackierten Pressezentrum geradezu lauschige 8,1 Grad Celsius aus.  Aber nicht nur die Temperaturen lassen in Turin (noch) keine Olympia-Stimmung aufkommen. In der Stadt selbst gibt es nur wenige visuelle Hinweise darauf, dass in einer Woche das größte Wintersport-Ereignis der Welt stattfindet. Quadratische rote Fähnchen mit dem “Torino 2006”-Logo zieren maximal jeden vierten Lichtmast am Corso Giulio Cesare – bei der Fußball-WM 1990 war man in Turin nicht so diskret mit dem Event vor der eigenen Tür umgegangen. Damals war die WM an jeder Ecke mit Fahnen, Maskottchen, T-Shirts oder Kitsch im “Italia 90”-Design greifbar. Olympia dagegen lässt sich bisher nur erahnen.

Genauso verhält es sich unter den Einkaufs-Arkaden an der Via Po. Dort stehen angesichts der frühlingshaften Witterung zwar schon die Tische und Stühle vor den Kaffeehäusern, am Abend aber wird sogar noch die Weihnachtsbeleuchtung bemüht. Wer hier Olympia-Souvenirs erstehen will, wird enttäuscht. Es gibt keine. Auch die Maskottchen Gliz und Neve lassen sich nicht sehen. Ein einziger Shop bemüht die Winterspiele und benützt für seinen Jeans-Ausverkauf ein Abfahrts-Logo. Motto: Bei uns rasen die Preise zu Tal wie beim Downhill.

Im Pressezentrum für die internationalen Fernsehstationen ist auch noch nicht alles bereit für die Bewerbe. In Plastik verschweißte Wellblechtafeln liegen herum. Fahrbare Baugerüste stehen da. Dafür ist das zentrale Gehirn der audiovisuellen Aufbereitung der Winterspiele fertig: In einem etwa vier Mal fünf Meter großen Raum mit der Nummer 3025 A laufen alle Signale für die Radio- und Fernsehstationen von den diversen Veranstaltungsorten zusammen. Der dafür verantwortliche Techniker Kim Edwards schätzt den Wert der aufgestellten Geräte und fingerdicken Kabelstränge auf 1,5 Millionen Euro. “Deswegen lassen wir hier nur ganz wenige Leute rein. Wenn dieser Raum ’steht’, dann steht auch Olympia”, sagt der Kanadier.

Derweilen steht draußen vor dem direkt nebenan befindlichen Hotel “Le Meridien” das Auto des italienischen Fußball-Superstars Christian Vieri im Interesse der wenigen Passanten. Ex-Juventus-Turin-Stürmer Vieri, derzeit bei AS Monaco unter Vertrag, hat in dem Komplex, der Hotels, ein Einkaufszentrum und nun für Olympia die Pressezentren beherbergt, eine Luxuswohnung gemietet.

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