Tschetschenen-Mord: Opfer fühlte sich bedroht

Der in Wien ermordete Tschetschene Umar I. hat sich bedroht gefühlt. Seit Ende Dezember liegen dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) entsprechende Informationen vor. Von einem Mord mit politischem Hintergrund will offiziell aber niemand sprechen. Gerüchte über Geheimdienstumfeld von Tschetschenen |

All diese Dinge können stimmen, Beweise gibt es nicht. Nichts davon können wir bestätigen”, sagte Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Maßnahmen zum Schutz des 26-jährigen Opfers seien vom LVT als nicht notwendig erachtet worden.

 ”Das Opfer habe sich beobachtet gefühlt, das war’s”, betonte Jarosch. Anders als sonst bei Mordfällen üblich, werden die Ermittlungen dennoch federführend vom LVT und nicht vom Landeskriminalamt geführt. Das liege daran, dass “der Mord in Zusammenhang mit seinen früheren politischen Tätigkeiten stehen könnte”, begründete Walter Nevoral vom LVT. Um welche Aktivitäten es sich dabei handle, wurde nicht verraten. Seit Dienstag sind bereits Hausdurchsuchungen durchgeführt worden.

“Es gibt einen E-Mailverkehr von Ende Dezember bis Jänner des Flüchtlingshelfers des Getöteten mit unserer Dienststelle, wo eine vage Bedrohungslage angedeutet wird, die aus damaliger Sicht keine Sofortmaßnahmen notwendig machten”, sagte Nevoral. Bereits im Sommer 2008 wandte sich der Ermordete an die Behörden: Er sei genötigt worden, seine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zurückzuziehen. Darin soll es laut Medienberichten um Folter in Tschetschenien gehen. Bei der damaligen Beschwerde habe es keinen Strafbestand gegeben, betonte Jarosch.

Der Tschetschene wurde am Dienstag auf offener Straße von drei Projektilen getroffen, das habe laut Gerhard Haimeder vom Landeskriminalamt (LKA) die Obduktion des Toten ergeben. Einschüsse gab es im Oberkörper, an einem Arm und einem Bein. Es hat keine Kopfschüsse gegeben, die auf eine “Hinrichtung” schließen lassen, sagte Haimeder. Die Täter sollen zu zweit gewesen sein, nur einer war mit einer länglichen silbergrauen Pistole bewaffnet.

Bei der Flucht versuchten die Unbekannten, Autos aufzuhalten, und stiegen schließlich in einen grünen Volvo, der später auf einem Parkplatz im angrenzenden Bezirk Donaustadt in der Nähe eines Penny-Marktes in der Donaustadtstraße/Erzherzog-Karl-Straße entdeckt wurde. Polizisten wurden auf das Fahrzeug aufmerksam, da es nachlässig geparkt war und trotz Kälte ein Seitenfenster offenstand. Über den Volvo-Besitzer kamen die Ermittler auf einen mittlerweile festgenommenen verdächtigen tschetschenischen Asylwerber, der sich Otto Kaltenbrunner nennt. Die Polizei veröffentlichte den Namen mit der Bitte um Hinweise.

Der am Dienstagnachmittag auf einem Parkplatz im Raum St. Pölten gefasste Mann gebe an, nichts mit der Tat zu tun zu haben, so Nevoral. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verdächtige als Chauffeur der beiden flüchtigen Mörder fungiert habe. Noch am Donnerstag sei der 40-Jährige in die Justizanstalt Josefstadt überstellt worden.

Umar I. hat bereits seit dreieinhalb bis vier Jahren als politischer Flüchtling in Österreich gelebt. Für die Witwe des Ermordeten und deren Kinder wurden nun laut dem LVT Schutzmaßnahmen getroffen.

Das LVT bittet unter der Telefonnummer 01-31310-74035 um Informationen. Besonders wichtig sind für die Ermittler weitere Erkenntnisse zu dem verhafteten Tschetschenen mit dem angenommenen Namen Otto Kaltenbrunner, seinen grünen Volvo sowie weitere verdächtigen Personen. Hinweise werden auf Wunsch vertraulich behandelt.

Die beiden Flüchtigen seien zwischen 20 und 30 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß und von durchtrainierter Statur. Einer war mit einer Tarnjacke, dunkler Hose, weißen Sportschuhen und einer Wollhaube bekleidet. Er hatte eine auffällige Narbe oder ein Muttermal oder eine Blutkruste am Nasenrücken, berichteten Zeugen. Der zweite Täter trug eine dunkle Jacke, eine graue Mehrzweckhose und ebenfalls eine Wollhaube. Ob er bewaffnet war oder nicht, darüber waren sich die Zeugen nicht einig, merkte Nevoral an.

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