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Tschechien: Dolly will doch in die Politik

Ex-Pornostar Dolly Buster will nun doch bei der Europawahl im Juni kandidieren. Sie habe erneut ein Angebot der tschechischen Partei „Nezavisle Iniciativy“ angenommen.

Der neue Vertrag mit der Partei sei für beide Seiten akzeptabel. Eine im Jänner angekündigte Kandidatur der gebürtigen Tschechin für die NEI-Partei war zuvor gescheitert.

Als Buster bei einem Wahlkampfauftritt in der Bergarbeiterstadt Ostrava in eine Kohlegrube fahren sollte, brach sie die Aktion vor laufender Kamera plötzlich ab und nahm ihre Kandidatur zurück. Medienberichten zufolge gab sie später als Grund an, dass die Partei verlangt hätte, dass sie ihr Mandat im Falle eines Wahlerfolges an NEI-Chef Richard Knot abgibt.

Um den neuen Vertrag mit der Partei kümmert sich nun ihr Anwalt. „Ich kann jetzt den Wählern versprechen, dass ich mich im Falle eines Erfolges für sie einsetzen werde“, sagte Buster. Politische Inhalte seien für sie nicht so wichtig: Sie brauche diese „unorganisierte“ Partei lediglich dazu, um überhaupt für die Europawahl kandidieren zu können.

Einzige Schwierigkeit sei, dass sie in Tschechien nicht mit ihrem Künstlernamen, sondern mit ihrem bürgerlichen Namen Nora Baumgartner antreten müsse, den leider keiner kenne. Deswegen mache sie momentan sehr viel Werbung, um zu zeigen, wer hinter dem Namen steht. Und der hat Wirkungskraft: Laut Buster sind bei einer tschechischen Radioumfrage von 300 befragten Hörern 71 Prozent für sie gewesen. Der politischen Konkurrenz sei das gar nicht recht: Während die anderen Politiker die exotische Nebenbuhlerin bisher belächelt hätten, stelle sie mittlerweile eine erstzunehmende Gegnerin dar.

Buster ist der Meinung, dass ihr seitens der Politik „Steine in den Weg gelegt“ wurden. Nach ihrer Aussage hat die tschechische Ausländerpolizei die Unterlagen für das von ihr dringend benötigte Visum „verschwinden lassen“. Ohne Hilfe der tschechischen Botschaft hätte sie nie das notwendige Visum erhalten. Auch in Polit-Talks werde häufig abfällig über sie geredet. Das Ergebnis sei allerdings positiv: Sie hätte noch mehr Symphatisanten bekommen. In der ZDF-Sendung „Mona Lisa“ sagte sie kürzlich: „Ich bin von mir überzeugt. Und ich bin der Meinung, dass es durchaus noch Menschen gibt, die noch nicht von mir überzeugt sind, jedenfalls von mir als Politikerin“.

Politisches Vorbild für die FDP-Anhängerin ist Parteichef Guido Westerwelle. „Die FDP ist die einzige Partei, die Klartext redet, aber total missverstanden wird“, sagte sie der AP. Für die Bundestagswahl 2002 hatte sie in einem Spot für die 18-Prozent-Kampagne der Liberalen mit tiefem Ausschnitt am Rednerpult des Bundestages gesagt: „Denken Sie auch drei Mal am Tag an Sex? Dann bitte auch an 18“. Der Spot wurde nie ausgestrahlt.

Der NEI-Partei kann das egal sein: Die 1990 ursprünglich unter dem Namen „Unabhängige erotische Initiative“ gegründete Partei hat zwar später das Wort „erotisch“ aus ihrem Namen gestrichen, forciert aber weiterhin das Thema Sex in ihrem Programm – bislang erfolglos: Die Partei blieb immer weit unter der Fünf-Prozent-Marke.

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