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Tschad: Gefechte in Hauptstadt

In dem durch die Auswirkungen des Bürgerkrieges im benachbarten Sudan destabilisierten zentralafrikanischen Staat Tschad wurde ein Putschversuch von Rebellen niedergeschlagen.

Regierungstruppen haben nach Darstellung von Präsident Idriss Déby einen Angriff von Aufständischen auf die Hauptstadt N’Djamena in dreistündigen Gefechten abgewehrt. Die Lage sei „unter Kontrolle“, sagte Deby am Donnerstag dem französischen Auslandssender RFI. Die Rebellen der im vergangenen Dezember im Grenzgebiet zum Sudan gegründeten und von Hauptmann Mahamat Nour Abdelkerim angeführten „Einheitsfront für den demokratischen Wandel“ (FUC) seien vollkommen aufgerieben worden. N’Djamena beschuldigt die FUC, vom Nachbarland Sudan gesteuert zu werden. Kämpfe wurden aus der Stadt Adre nahe der sudanesischen Grenze gemeldet.

Die Rebellen seien vom Sudan angeheuerte Söldner, sagte Deby. Man werde Beweise dafür sammeln, dass die sudanesische Regierung hinter dem Angriff stehe. N’Djamena hatte den Nachbarstaat bereits im Vorjahr beschuldigt, eine Aggression vorzubereiten, und die Staatengemeinschaft um Hilfe ersucht. „In seiner Logik, den Tschad zu zerstören“, würde das Regime von General Omar Hassan al-Bashir in Khartum „Söldner und Abenteurer“ rekrutieren und „die ganze Region in Brand setzen“, hatte die tschadische Regierung erklärt. Durch das Wüten von regimetreuen sudanesisch-arabischen Janjaweed-Reitermilizen in der Provinz Darfur war eine Flüchtlingswelle unvorstellbaren Ausmaßes ausgelöst worden. 250.000 Sudanesen flüchteten nach UNO-Angaben in den Tschad. Im Februar war durch libysche Vermittlung eine in Tripolis unterzeichnete Friedensvereinbarung zwischen dem Tschad und dem Sudan erzielt worden. Beide Seiten verpflichteten sich darin, den Rebellen des jeweils anderen Landes keinen Schutz zu gewähren.

Die Europäische Union verurteilte in einer in Wien veröffentlichten Erklärung der österreichischen Ratspräsidentschaft „jede versuchte Machtergreifung durch gewaltsame Mittel“. „Mit größter Schärfe“ verurteilt wurde auch das jüngste Eindringen bewaffneter Rebellen in das Flüchtlingslager Goz Amer nahe der sudanesischen Grenze. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) sprach von einer äußerste Besorgnis erregenden Lage.

Sprecher der gegen Khartum kämpfenden Darfur-Widerstandsgruppen erklärten in Kairo, das sudanesische Regime habe den Sturz der Regierung in N’Djamena geplant, um den Aufstand in der eigenen Provinz zerschlagen zu können. „Für Khartum sind Darfur und der Tschad eine Front“, erklärte Ahmed Hussein von der Darfur-Bewegung „Gerechtigkeit und Gleichheit“. Die FUC verwahrte sich gegen den Vorwurf, ihr einziges Ziel sei es, „Débys blutige Tyrannei zu beenden“, hieß es seitens der Aufständischen.

Das französische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die Lage sei „sehr beunruhigend“ und verändere sich laufend. Am Mittwochabend hatten französische Truppen in der Nähe von Regierungsgebäuden in N’Djamena Stellung bezogen. Der französische Generalstab zeigte sich über die Lage besorgt. In die Kämpfe seien die 1200 in der ehemaligen Kolonie stationierten französischen Soldaten aber nicht verwickelt, verlautete aus Pariser Militärkreisen. Sie würden die „rechtmäßig gewählte Regierung“ vereinbarungsgemäß mit Erkenntnissen aus Aufklärungsflügen versorgen. Im Tschad sollen am 3. Mai Präsidentenwahlen stattfinden. Mehrere tschadische Generäle sollen in den vergangenen Monaten zur FUC übergelaufen sein. Im März gab es Gerüchte über einen Putschversuch. FUC-Rebellen hatten am Dienstag die rund 400 Kilometer östlich von N’Djamena gelegene Stadt Mongo angegriffen. Ihnen haben sich Überläufer aus der tschadischen Armee angeschlossen.

Der Wüstenstaat Tschad, eines der ärmsten Länder der Welt, ist seit drei Jahren Erdölproduzent. Erdöl steht bei den Exporteinnahmen des Landes inzwischen an erster Stelle.

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