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Tschad: Drohung mit Ausweisung

Der Tschad hat am Ostersamstag der internationale Gemeinschaft ultimativ mit der Ausweisung der Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur gedroht.

Angesichts der eskalierenden Spannungen mit dem Nachbarland Sudan hat der afrikanische Staat diese aufgefordert, ein neues Gastland für die rund 200.000 Darfur-Flüchtlinge zu suchen. „Die tschadische Regierung gibt der Weltgemeinschaft bis Ende Juni, um ein anderes Aufnahmeland zu finden“, sagte Premierminister Pascal Yaodimnadji am Samstag in N’Djamena. „Die Regierung muss feststellen, dass die Flüchtlinge besser behandelt werden als die tschadische Bevölkerung.“ Am Vortag hatte der Tschad die diplomatischen Kontakte zum Sudan abgebrochen. Präsident Idriss Deby warf dem Sudan vor, den Umsturzversuch regierungsfeindlicher Rebellen unterstützt zu haben.

Mit dem Ultimatum setzte sich Regierungschef Yeodimnadji über eine Warnung aus Washington hinweg. Die US-Regierung hatte den Tschad dringend gemahnt, die Darfur-Flüchtlinge nicht in die politische Auseinandersetzung mit dem Sudan hineinzuziehen. Eine Ausweisung der Geflohenen wäre „nicht akzeptabel“, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack am Freitag (Ortszeit) in Washington. Die Regierung des Tschad sei an internationale Verpflichtungen gebunden und müsse den Flüchtlingen Schutz gewähren. Die USA haben nach McCormacks Darstellung keine Belege dafür, dass der Sudan in die Rebellion im Tschad verwickelt ist.

In einer am Samstag in Paris veröffentlichten Erklärung bestritt die Rebellenkoalition Vereinte Front für den Wechsel (FUC) jegliche Verbindung mit dem Sudan. Die FUC sei „unabhängig von jedem anderen Land“, hieß es in dem Schreiben. Der gescheiterte Umsturzversuch vom Donnerstag wurde darin als „Volksaufstand“ bezeichnet.

In der tschadischen Hauptstadt N’Djamena kehrte zwei Tage nach dem Einfall der Rebellen wieder Ruhe ein. Auf den Straßen und Märkten der Stadt herrschte Betrieb wie an jedem Sonntag. In mehreren Kundgebungen feierte die Regierung den Sieg der Armee über die Rebellen, die als „Söldner“ bezeichnet wurden. Bei dem bewaffneten Umsturzversuch waren im Tschad nach Regierungsangaben mindestens 400 Menschen getötet worden.

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