AA

Türkischer Vater will Österreich auf 500.000 Euro klagen

In dem seit Jahren laufenden Istanbuler Sorgerechtsstreit um die inzwischen zehnjährige Yasemin will deren türkischer Vater nun die Republik Österreich auf 500.000 Euro für seine "seelischen Höllenqualen" verklagen.

Weiters will er damit seinen sechsjährigen Arbeitsausfall abgegolten und die Gerichts- und Anwaltskosten ersetzt haben. Erst am Dienstag war der Antrag der Osttiroler Mutter auf Sorgerecht von einem türkischen Familiengericht abgelehnt worden.

“Nachdem meine Tochter vor sechs Jahren unrechtmäßig außer Landes nach Österreich gebracht wurde, durfte ich sie zwei Jahre nicht sehen. Ich habe Höllenqualen erlitten”, zitierte die “Tiroler Tageszeitung” (TT) den 53-Jährigen in ihrer Freitagausgabe. Seitdem habe er nicht arbeiten können, weil er für die Verhandlungstage und die Gutachtertermine flexibel habe sein müssen. “Mein Verdienstausfall und die seelischen Schmerzen sollen entschädigt werden”, sagte der Türke.

2002 hatte seine Ex-Frau aufgrund von “Misshandlung und Unterdrückung” die Türkei mit Hilfe des österreichischen Konsulats in Istanbul verlassen. “Dieses hat fahrlässig und fehlerhaft gehandelt”, meinte Kobal. Bevor man sie “Hals über Kopf” außer Landes geschafft habe, hätte man die Aussagen der Osttirolerin überprüfen müssen. Das Konsulat könne seine Entscheidung nicht ungeschehen machen, allerdings könne “die Republik sehr wohl versuchen, sie durch eine Entschädigung wiedergutzumachen”.

Nach der Flucht der Mutter war dem in der Türkei lebenden Vater von Yasemin das Sorgerecht zugesprochen worden. Im November 2004 holten die Gerichtsbehörden das Kind schließlich ohne Wissen der Mutter am Schulweg in Lienz ab. Der Vater brachte Yasemin daraufhin in die Türkei. Seither lebt sie bei ihm und dessen Verwandten in Istanbul.

Das Oberlandesgericht Innsbruck hatte im November 2004 seine Entscheidung, das Mädchen zu ihrem Vater in die Türkei rückzuführen, verteidigt. In einer schriftlichen Erklärung hatte das OLG darauf verwiesen, dass die Justiz “in Entsprechung der völkerrechtlichen Verpflichtung Österreichs aufgrund des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung” diesen Beschluss gefasst habe.

Nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen hätte die Republik Österreich mit einer Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu rechnen gehabt, falls die rechtskräftig angeordnete Rückführung des Kindes nicht vollzogen worden wäre.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Türkischer Vater will Österreich auf 500.000 Euro klagen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen