Türkische Erdogan-Anhänger feierten Premier nach Davos-Auftritt

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat durch sein hitziges Wortgefecht mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres beim Weltwirtschaftsforum in Davos im eigenen Land begeisterte Reaktionen, aber auch Kritik ausgelöst. Bei seiner Rückkehr aus der Schweiz wurde Erdogan in der Nacht auf Freitag auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen von mehreren tausend Anhängern bejubelt.

Die Menge schwenkte türkische und palästinensische Fahnen und feierte Erdogan als “Eroberer von Davos”. Auch anti-israelische Sprechchöre waren zu hören. Kritiker warfen Erdogan jedoch vor, er habe der Türkei mit seinem unbeherrschten Verhalten in Davos geschadet.

Erdogan hatte in der Schweiz eine Podiumsdiskussion mit Peres zum Thema des jüngsten israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen wutentbrannt abgebrochen. Nach seiner Rückkehr beklagte er sich erneut über die kurze Redezeit, die ihm bei der Diskussion zugeteilt worden sei.

Peres hatte in der Runde am Donnerstag die israelische Offensive im Gazastreifen nachdrücklich verteidigt und dabei auch mehrmals Erdogan direkt angesprochen. Der türkische Premier bat danach den Moderator, “Washington Post”-Kolumnist David Ignatius, noch einmal das Wort ergreifen zu dürfen, und dieser antwortete angesichts der fortgeschrittenen Zeit: “Nur eine Minute.” An Peres gewandt, sagte Erdogan: “Sie töten Menschen.” Als Erdogan noch längere Ausführungen machen wollte und dies der Moderator nicht zuließ, sagte er erzürnt: “Unterbrechen Sie mich nicht”, und fügte hinzu: “Ich werde nicht mehr Davos kommen.”

Später betonte Erdogan, er sei nicht wegen des Streits mit Peres so erzürnt gewesen, sondern weil er nicht ausreichend Gelegenheit gehabt habe, auf die Äußerungen des israelischen Präsidenten einzugehen. “Ich greife in keinster Weise die israelische Bevölkerung, Präsident Peres oder das jüdische Volk an”, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, der ebenfalls an der Diskussionsrunde teilgenommen hatte, zeigte Verständnis für Erdogans Verhalten. Er habe “gesagt, was er zu sagen hatte, und ist dann gegangen. Das ist alles. Er hatte Recht.”

Nebi Maruf, der palästinensische Botschafter in Ankara, begrüßte nach einer Meldung des Nachrichtensenders CNN-Türk das Verhalten Erdogans. Es sei “sehr richtig” gewesen, dass Erdogan die Diskussion verlassen habe. Einige türkische Zeitungen kommentierten, Erdogan sei durch die Rede von Peres provoziert worden.

Doch es gab auch andere Stimmen. Der Oppositionspolitiker Onur Öymen sagte nach Zeitungsberichten, Erdogan habe ein gutes Anliegen sehr schlecht vertreten. Der Erdogan-kritische Kolumnist Oktay Eksi schrieb in der Zeitung “Hürriyet”, die ganze Welt habe erlebt, dass die Türkei einen Ministerpräsidenten habe, “der sich nicht beherrschen kann”.

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