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Türkei: Verschwörungstheorien zu Osamas Tod

Nach dem Tod von Osama bin Laden schießen in der Türkei die Verschwörungstheorien nur so aus dem Boden. Lebt Osama doch noch?
In diesem Haus starb Bin Laden
Grafik: Das Leben des Terrorchefs
US-Patrioten feiern bin Ladens Tod
Osama bin Laden lebte komfortabel
US-Freudentaumel: "Wir haben ihn"
"Gerechtigkeit wurde Genüge getan"
Video: Obamas TV-Ansprache
Bilder: Freudenfeiern in den USA
Bin Laden-Foto ist eine Montage
Bilder: Das war Osama bin Laden
Grafik: Die Al-Kaida-Führungsriege
UNO-Sicherheitsrat "begrüßt" Tod

Die Staatsspitze in Ankara mag den Tod des Al-Kaida-Chefs Bin Laden als warnendes Beispiel für alle Terroristen begrüßen. Doch auf der Straße und im Internet werden ganz andere Versionen gehandelt. Die einen sagen,  Bin Laden lebe noch, die anderen behaupten, er sei zwar tot, aber eines natürlichen Todes gestorben. Hinter all dem steht vor allem eines, sagen Beobachter: eine starke Abneigung den USA gegenüber – die Türken trauen den Amerikanern so ziemlich alles zu.

Kein Foto von der Leiche von Bin Laden

“Ich glaube das nicht”, sagt Mehmet Yildirim. Als Inhaber eines Zeitungsstands in Istanbul hat Yildirim an diesem Dienstag viele Blätter mit dem Foto des Al-Kaida-Gründers Bin Laden vor sich liegen. Viele Fotos – aber keines von der Leiche Bin Laden. Das macht Yildirim ebenso stutzig wie die offiziellen Angaben über die ungewöhnliche See-Bestattung für den Terrorchef. “Die sagen, sie hätten die Leiche ins Meer geworfen. Ich glaube das nicht”, bekräftigt Yildirim. “Irgendetwas steckt da dahinter.”

Mit seiner Meinung, dass an der amerikanischen Version der Ereignisse einiges faul ist, steht Yildirim keinesfalls allein in der Türkei. Yalcin Topcu, der Vorsitzende der kleinen Rechtspartei BBP (Partei der Großen Union), verkündet nach seiner Rückkehr von einem mehrtägigen Besuch in Pakistan,  Bin Laden sei nicht am vergangenen Wochenende von US-Elitesoldaten erschossen worden. Der Terrorchef Bin Laden sei vielmehr schon vergangene Woche in Pakistan friedlich an Krebs gestorben.

Bin Laden schon im Jahr 2007 gestorben?

Auf türkischen Internetseiten kursiert die Legende,  Bin Laden habe sogar schon im Dezember 2007 in Afghanistan infolge eines Nierenleidens das Zeitliche gesegnet. Die USA hätten den Tod von Bin Laden aus propagandistischen Gründen lange geheim gehalten und zusammen mit den Briten die allermeisten Tonband-Botschaften des Topterroristen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 selbst angefertigt. “Das Hauptquartier von Al-Kaida liegt im Pentagon”, schreibt der Leser einer Internetzeitung.

Ob  Bin Laden nun schon lange tot ist oder erst seit dem vergangenen Sonntag – für die türkischen Verschwörungstheoretiker steht fest, dass alles einem perfiden Plan der USA entspricht.  Bin Laden sei für die Amerikaner lange als Feindbild für den Krieg gegen den angeblich terroristischen Islam wichtig gewesen, kommentiert die islamistische Tageszeitung “Yeni Vakit”. Doch nun habe Washington den Al-Kaida-Chef  Bin Laden beseitigen lassen, um zu verhindern, dass er zum Helden der Volksaufstände im Nahen Osten wird.

Verschwörungstheorien nicht nur zu  Bin Laden

Verschwörungstheorien liegen den Türken im Blut, besonders wenn es um Politik, die USA oder Israel geht. Angesichts der WikiLeaks-Enthüllungen im vergangenen Jahr gaben türkische Regierungspolitiker zu Protokoll, die wenig schmeichelhaften Schilderungen amerikanischer Diplomaten über die Türken seien Teil eines Komplotts der Israelis. Ein nationalistischer Buchautor behauptete, der fromm-muslimische Premier Recep Tayyip Erdogan sei in Wirklichkeit ein Krypto-Jude – und landete damit einen Bestseller.

Begünstigt werden die Verschwörungstheorien dadurch, dass im blutigen Alltag der Türkei hin und wieder tatsächlich filmreife Komplotte ans Tageslicht kommen. So verübten Agenten eines Militärgeheimdienstes vor einigen Jahren einen tödlichen Bombenanschlag auf einen kurdischen Buchladen, um Unruhen in der Kurdenregion zu provozieren. Die Armee soll einen Staatsstreich gegen Erdogan geplant haben. Solche Ereignisse haben die Folge, dass manche Türken der offiziellen Darstellung wichtiger Ereignisse grundsätzlich keinen Glauben mehr schenken. Noch heute gebe es Leute, die sicher seien, dass der vor elf Jahren von der Istanbuler Polizei vor laufenden Kameras getötete islamistische Extremist Hüseyin Velioglu am Leben sei, sagt der Autor Faik Bulut im Nachrichtensender CNN-Türk.

Hinzu kommt: “Kein Mensch traut den USA”, wie es Bulut ausdrückt. Nach einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Umfrage denken zwei von drei Türken schlecht über Amerika. Die Kommandoaktion gegen  Bin Laden wird daran wenig ändern. “Die USA haben das von ihnen selbst geschaffene Monster vernichtet,” kommentiert eine Zeitung den Tod des Terrorchefs Bin Laden… (APA)

 

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