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Tourismus: Buchungsplattformen als kostenintensive Werbeplattformen

Die Onlinebuchung des Winterurlaubs nimmt an Bedeutung zu.
Die Onlinebuchung des Winterurlaubs nimmt an Bedeutung zu. ©Bilderbox, VOL.AT/Steurer
Hotelbuchungen über darauf spezialisierte Plattformen werden immer wichtiger, auch in Vorarlberg. Diese haben Vor- und Nachteile, sind aber nicht so dominant wie oft befürchtet.

Hotelbuchungsplattformen erfreuen sich großer Beliebtheit, bieten sie doch einen schnellen und einfachen Überblick über Angebot und Preise von Gaststätten im Urlaubsort. Inzwischen werde jede vierte Buchung in Österreich über solche Plattformen getätigt. Diese verlangen von den Hotels als Gegenleistung für die Buchung Provisionen. Hinzu kommt, dass sie die Kontrolle des Hoteliers über einen Teil seiner Zimmer gewissermaßen einschränken.

Montafon mit eigener Plattform

Dies hat aber auch Vorteile für die Hotellerie: “Buchungsplattformen sind eine optimale Ergänzung zu den eigenen Kanälen und gerade für kleine Vermieter wie ein großes internationales Schaufenster”, bestätigt Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus. Montafon Tourismus bietet daher auf ihrer Webseite eine eigene Buchungsplattform an. Über die Meta-Suche finde man auch alle Montafoner Gastgeber, die auf der eigenen Webseite und den großen Portalen gelistet werden.

Marktbeherrschende Situation

Dieses Schaufenster kommt durchaus auch mit Nachteilen. Nicht nur, dass die internationalen Player oft hohe Provisionen für die Platzierungen verlangen. Die Beschwerdeliste des Deutschen Hotelverbands ist lang: Der Online-Markt wird von drei Anbietern dominiert, die Hotels ihre Konditionen aufdrücken können. Durch “Dimming” (Ausblenden von Fotos und Bewertungen) würden Hotels bestraft, wenn sie anderen Plattformen bessere Angebote eingeräumt haben. Und durch vertraglich versicherten Bestpreisgarantien verhindern die Plattformen, dass die Hotels auf ihrer eigenen Seite bessere Angebote haben wie auf der Online-Plattform.

Freiere Preisgestaltung ohne Bestpreisgarantie

Zumindest die Bestpreisgarantie ist in Österreich vor einem Jahr gesetzlich verboten wurden. Eine Beschwerde von Booking.com und Expedia wurde im Oktober vom Verfassungsgericht abgewiesen. Dies hat sich auch auf die Preisgestaltung ausgewirkt, weiß Bitschnau. “Die meisten Gastgeber verrechnen seit dem Aus der Bestpreisklausel die Provisionen der Anbieter direkt an den Gast weiter in dem sie die Preise auf den Buchungsplattformen entsprechend anpassen – ähnlich einer Systemgebühr bei Online-Eventtickets.”

Plattformen als Werbeträger

Ähnlich sieht es Elmar Herburger des Gasthof Mohren in Rankweil, seines Zeichens Obmann der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Die Buchungsplattformen verlangen zwar durchaus hohe Provisionsgebühren, seien aber gerade für kleinere Gastwirte und Hoteliers ein wichtiges Transportmittel, um internationales Publikum zu erreichen. “Seit die Bestpreisklausel fiel, kann man einen Teil der Provision über die Preise auffangen”, begrüße man den damaligen Entscheid des Gesetzgebers.

Direkte Online-Buchungsmöglichkeit wird wichtiger

Zwar würden an die 20 Prozent der Buchungen über entsprechende Plattformen stattfinden, dies betreffe jedoch vor allem Geschäfts- und Kurzreisen. Wert müsse man daher gerade jetzt auf die Buchbarkeit über die eigene Webseite legen, sind sich Herburger und Bitschnau einig. Schließlich würden sich Feriengäste oft in den Online-Reisebüros informieren, über die Hälfte buche dann aber direkt über die Webseite des Hotels. Und welchen Einfluss die Digitalisierung, sprich der zunehmenden Zahl der Hotelhomepages mit Buchungsfunktion, auf die großen Plattformen noch hat, wird sich zeigen.

 

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