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Sieben Tote bei Anschlag in London - IS reklamiert Attacke für sich

©Police officers and members of the emergency services attend to a person injured in an apparent terror attack on London Bridge in central London on June 3, 2017. Armed police fired shots after reports of stabbings and a van hitting pedestrians on London Bridge on Saturday in an incident reminiscent of a terror attack in March just days ahead of a general election. / AFP PHOTO / DANIEL SORABJI
Bei Anschlägen in London sind am Samstagabend in London mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt worden. Ein Lieferwagen ist am Samstagabend auf der London Bridge im Herzen der britischen Hauptstadt in eine Menschenmenge gefahren. Anschließend stachen die Angreifer in einem nahen Ausgehviertel wahllos auf Nachtschwärmer ein. Die Polizei erschoss drei Angreifer.
Terror-Alarm in London

Die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) hat den Terroranschlag in London für sich reklamiert. Kämpfer des Islamischen Staates hätten die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amaq am Sonntagabend in einem Bekenntnis im Internet.

»ZDF heute Sechs Tote, 48 Verletzte: Was wir bisher über die Terroranschläge in dieser Nacht in London wissen.«

Bei dem Zwischenfall mit dem Kleinlastwagen auf der London Bridge hat es laut Polizei “mehr als einen Toten” gegeben. Im Bereich Borough Market nahe der London Bridge sind CNN zufolge zwei Männer in ein Restaurant eingedrungen und haben auf eine Kellnerin und einen Mann eingestochen. Der Sender beruft sich auf einen Zeugen.

Laut Angaben der Notarztdienste wurden 48 Verletzte in fünf Krankenhäuser der Stadt eingeliefert worden. Mehrere weitere Personen mit leichteren Verletzungen wurden demnach vor Ort medizinisch versorgt.

Dritter Vorfall kein Anschlag

Zunächst war vermutet worden, dass es auch im Stadtteil Vauxhall einen Angriff gab. Dabei handelte es sich aber um eine Messerstecherei, die nichts mit den Terrorrattacken im Zentrum zu tun habe, teilte Scotland Yard mit. Die vorübergehend geschlossene U-Bahnstation Vauxhall wurde wieder geöffnet.

Premierministerin Theresa May sprach am frühen Morgen von einem möglichen Terrorakt. Sie berief Medienberichten zufolge für Sonntag früh eine Sondersitzung des Cobra-Komitees, des höchsten britischen Sicherheitsgremiums, ein. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer “gezielten und feigen Attacke” auf unschuldige Londoner und Besucher.

»tagesschau “Es gibt keine Rechtfertigungen für die Taten dieser Terroristen. Wir werden sie nicht gewinnen lassen!” – Londons Bürgermeister Sadiq Khan nach den Attacken der vergangenen Nacht.«

“Schwierige und traumatische Umstände”

Die britische Innenministerin Amber Rudd bezeichnete die Anschläge in London als “entsetzlich”. Diese hätten sich gegen Menschen gerichtet, die sich mit ihren Freunden und Familien amüsiert hätten, sagte Rudd in der Nacht zum Sonntag. Sie sei in Gedanken bei den Opfern und allen Betroffenen.

Unter diesen “schwierigen und traumatischen Umständen” sei sie vor allem der Polizei und den Sicherheitskräften für ihren schnellen Einsatz dankbar, so die Innenministerin.

Britischer Wahlkampf ausgesetzt

Britische Politiker setzen nach den Anschlägen ihren Wahlkampf einem Fernsehsender zufolge am Sonntag auf nationaler Ebene aus. Lokal gehe die Kampagne vor der Abstimmung am Donnerstag aber weiter, schreibt der Politik-Journalist der Sendergruppe ITV, Robert Peston, auf Twitter.

Die Londoner Polizei wird als Reaktion auf die Terrorattacken ihre Präsenz in der britischen Hauptstadt in den nächsten Tagen verstärken. Das sagte Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley am frühen Sonntagmorgen in London.

Polizist verletzt

Bei der Terrorattacke in London ist auch ein Polizist schwer verletzt worden. Ein der Attentäter habe ihn mit einem Messer ins Gesicht gestochen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Sonntag. Der für den Schienenverkehr zuständige Polizist sei nach Hilferufen zum Tatort geeilt. Er habe auch Verletzungen am Bein erlitten. Sein Zustand soll aber nicht lebensbedrohlich sein.

Der britische Muslimenverband MAB verurteilte die Terrorattacken in London. “Als Mitglieder der Britischen Gesellschaft müssen wir weiterhin alle Terrorakte verurteilen”, sagte der MAB-Vorsitzende Omer El-Hamdoonin am Sonntag früh. “Wir dürfen diesen Kriminellen nicht erlauben, Hass und Angst zu verbreiten. Wir müssen ihre Versuche vereiteln, uns zu spalten.”

Weltweite Solidarität

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Großbritannien Deutschlands Solidarität zu. “Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit”, erklärte Merkel am Sonntag. “Ich bekräftige für Deutschland: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens.” Sie bekundete den Opfern und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich stehe angesichts dieser “neuerlichen Tragödie mehr denn je an der Seite des Vereinigten Königreichs”. Seine Gedanken seien bei den Opfern und deren Angehörigen.

US-Präsident Donald Trump nahm die Anschläge in London zum Anlass, um für sein umstrittenes Einreiseverbot zu werben. “Wir müssen klug, wachsam und hart sein. Die Gerichte müssen uns unsere Rechte zurückgeben. Wir brauchen das Einreiseverbot als extra Sicherheitsmaßnahme”, twitterte Trump am Samstag kurz nach den ersten Meldungen über gewaltsame Vorfälle in der britischen Hauptstadt.

Van der Bellen: “Grausamer Angriff”

Er sagte Großbritannien die Unterstützung der USA zu. “Wir sind bei euch. Gott segne euch.” Das Außenministerium rief Amerikaner in Großbritannien auf, die Anweisungen der dortigen Behörden zu befolgen und vorsichtig zu sein.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilte den Anschlag in London scharf. Der Anschlag sei “ein grausamer Angriff auf friedlich flanierende Menschen. Diese gemeinen und hinterhältigen Taten sind aufs Schärfste zu verteilen. Unsere Solidarität gilt in diesen Stunden dem Vereinigten Königreich. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen, ihren Freundinnen und Freunden.”

Den Verletzten wünschte er rasche Genesung. Gemeinsam müsse man “mit aller Entschiedenheit jede Form von Terrorismus unter Einhaltung unserer Grundrechte bekämpfen”, so der Bundespräsident in einer Aussendung.

(APA/dpa/ag.)

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