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"Tod in Venedig": Tenor Alan Oke im Gespräch

Bregenz - Der britische Tenor Alan Oke ist der Darsteller des Gustav von Aschenbach in der Hausoper der Bregenzer Festspiele "Tod in Venedig". Die NEUE traf ihn zum Gespräch.

NEUE: Herr Oke, waren Sie überrascht über Ihren wirklich fulminanten Erfolg, den Sie in Aldeburgh mit Ihrer Deutung des Aschenbach errungen haben?

Alan Oke: Ich war überrascht über das Ausmaß des Erfolgs, aber ich hatte schon während der Aufführung das Gefühl, dass alles sehr gut lief.

NEUE: Sie waren ebenfalls sehr erfolgreich an der English National Opera mit „Satyagraha“ von Phil Glass, wo Sie Ghandi verkörperten.

Die Oper ist, nicht zuletzt wegen der Musik, wie Meditation. Sie zeigt Ghandi in seinen jüngeren Jahren in Südafrika, wo er zum ersten Mal seine Ideen der Gewaltlosigkeit formulierte. Satyagraha bedeutet etwa „Durch Wahrheit überzeugend“. Das besondere des Werkes ist, dass der Text nichts mit der Handlung zu tun hat, der Text kommt ausschließlich aus der Mahabarata, der heiligen Hinduschrift. Wir mussten also ganz etwas Anderes tun als der Text meint. Das war ein gutes Training für „Tod in Venedig“, denn auch hier schauspielern wir nicht im herkömmlichen Sinn. Da ist auch alles sehr zurückgenommen und klar, nur gegen Schluss wird Aschenbach aufgeregt.

NEUE: Darstellerisch sind also Ghandi und Aschenbach gleichermaßen herausfordernd?

Für mich ist das jede Rolle. Ich war nie der Sänger, der mit einer Rolle gereist ist und in verschiedene Inszenierungen gesprungen ist. Ich habe immer geprobt und damit die jeweilige Inszenierung gut kennengelernt. Ich will wissen, wer ich auf der Bühne bin. Zur Zeit habe ich übrigens Thomas Manns Novelle auf dem Nachttisch.

NEUE: Was für ein Charakter ist Aschenbach für Sie?

Er ist zunächst ein überaus korrekter Mensch, wie Thomas Mann es vermutlich auch war. Sein Rang in der Gesellschaft ist ihm enorm wichtig, er hat sozusagen sechs gespitzte Bleistifte auf seinem Schreibtisch. Dann fällt ihm diese Reise nach Venedig sozusagen auf den Kopf, er wird mehr und mehr hineingezogen in diese für ihn bis dahin undenkbare Lebenshaltung, in diese Obsession, und schließlich wird sie zur Krankheit. Eigentlich begeht er Selbstmord, denn er könnte ja abreisen. Er weiß genau, wohin sein Dableiben führt. Er macht auch einen nur halbherzigen Versuch, es der polnischen Familie zu sagen, weil er will, dass auch diese bleibt.

NEUE: Warum spricht er nie mit Tadzio?

Teils weil er den Anstand wahren will, teils weil er die Illusion nicht zerstören will. Durch ein Gespräch wäre der Zauber dieser Beziehung dahin. Die Idee Brittens, Tadzio von einem Tänzer inmitten anderer Jungen darstellen zu lassen, ist eine unglaublich feinsinnige Idee, ganz große Kunst. Das Stück geht letztlich auch um die Kunst in ihrer hohen Ausprägung.

NEUE: Als keine simple homoerotische Geschichte?

Sicher nicht. Aschenbach wird von Schönheit angezogen. Das ist zufällig der Junge, es könnte alles Andere sein, eine Statue sogar. Dass es ein Junge ist, macht es speziell für das Publikum pikant. Natürlich gibt es diese latente Homosexualität, die es in Thomas Manns Leben gab und übrigens auch bei Dirk Bogarde, dem Darsteller des Aschenbach in Lucino Viscontis Film. Thomas Mann hatte ja wirklich diese Begegnung mit einem Jungen in Venedig. Es gibt ein Buch, das das Leben dieses Jungen verfolgt. Es ist von Gilbert Adair und heißt „The real Tadzio“.

NEUE: Dann gibt es bei Britten noch die beiden Götterfi – guren Apollo und Dionysos. Der Apollo war bei Britten nur als Stimme aus dem Off konzipiert, in Ihrer Produktion ist er eine Bühnenfigur.

Ich denke, eine Stimme aus dem Off singen zu lassen, ist eher altmodisch. Heute tritt Apollo meist auf. Das ist gut so, besonders in der einen Szene, wo er in Aschenbachs Traumbild mit Dionysos ringt.

NEUE: Die Musik dieser Oper ist etwas ganz Besonderes. Da gibt es diese fernöstlichen Gamelanklänge…

Ich weiß nicht, warum Britten speziell in dieser Oper so viel Gamelan verwendet hat. Vielleicht weil die Cholera aus dem Osten kommt? Oder vielleicht weil Venedig schon einen sehr orientalischen Charakter hat?

NEUE: Äund die Passagen, die nur mit Klavier begleitet sind.

Es sind Aschenbachs Selbstgespräche. Sie sind rhythmisch nicht fixiert, nur in der Tonhöhe. Das ist fast so frei wie Sprache.

NEUE: Sie sind zum ersten Mal in Bregenz. Gefällt es Ihnen?

Ja, denn ich liebe die Natur, das Wandern in den Hügeln. Vor allem mag ich das Wasser, schließlich bin ich im Sternzeichen Fisch.

VON ANNA MIKA

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