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"Tod Amerika", ade?

Debatte um Antiamerikanismus im Iran nach den moderaten Tönen von Präsident Hassan Rohani.
Debatte um Antiamerikanismus im Iran nach den moderaten Tönen von Präsident Hassan Rohani. ©AP
Jahrzehntelang war es der krönende Abschluss von Freitagsgebeten im Iran: "Tod Amerika", "Tod Israel". Sogar in der Schule lernten die Kinder, Unterrichtsstunden mit diesen Sprüchen zu beenden. Doch nun wird der Antiamerikanismus vom Präsidenten Hassan Rohani und seinem politischen Ziehvater Ayatollah Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani infrage gestellt. Die Hardliner toben, sie verlieren ein Feindbild.

Was vor einem halben Jahr noch unmöglich schien, wird nun heiß diskutiert: Soll es weiterhin den Slogan “Tod Amerika” als einen der roten Leitfäden der Islamischen Republik geben oder nicht? Auf den Wänden der Universitäten und vielen Hausern in der iranischen Hauptstadt Teheran sind Parolen wie diese nach wie vor omnipräsent. Noch im März dieses Jahres schloss das Geistliche Oberhaupt des schiitischen Gottesstaates, Ayatollah Ali Khamenei, jeglichen Dialog mit Washington aus und nannte die Amerikaner das “Epizentrum” der Feindseligkeiten gegen sein Land. Somit folgte er der Staatsdoktrin des Revolutionsgründers Ruhollah Khomeini, wonach die USA der “große Teufel” und Israel der “kleine Teufel” seien.

Vorsichtige Annäherung

Nun lassen Rohani und Rafsanjani nach der vorsichtigen Annäherungspolitik an Europa und an die USA damit aufhorchen, den verdammenden Beigeschmack im Umgang mit “dem großen Satan” langsam verschwinden lassen zu wollen. “Wir müssen keine scharfe Rhetorik verwenden, denn das bringt nur Probleme mit sich, wie die Vergangenheit gezeigt hat”, verkünden Rohani und Rafsandjani seit August bei fast jedem größeren öffentlichen Auftritt.

Bevölkerung jubelt

Khamenei ist da noch skeptisch und zweifelt, ob man Washington trauen könne. Die Hardliner, wie etwa die Revolutionsgarden, pflichten ihm bei. Doch die iranische Bevölkerung jubelt, denn westlich eingestellt und pro-amerikanisch waren die Perser schon immer. So leben allein im US-Bundesstaat Kalifornien mehr als eine Million Exilperser.

Umfragen zum Kuschelkurs

Rohani will sein Vorhaben vom Volk bestätigt sehen und hat Umfragen über die Zustimmung zum neuen Kuschelkurs mit Washington durchführen lassen. Das Ergebnis bestätigt, dass die Perser absolut nichts gegen eine Annäherung haben. Im Gegenteil: Bei seinem jüngsten USA-Besuch anlässlich der UNO-Generalversammlung wurde Rohani von einigen US-Persern gebeten, dafür zu sorgen, dass die seit 34 Jahren eingestellten Direktflüge zwischen dem Iran und den USA wieder aufgenommen werden.

Rohani hat auch in diese Richtung bereits Gespräche geführt und will diesen Wunsch bald realisieren. Die Vorzeichen, der politische Ton und die diplomatische Charmeoffensive müssen nur noch dem Druck der Hardliner standhalten. Dann könnte es wirklich bald “Tod Amerika, ade” heißen.

(APA)

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