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Texas setzt Hinrichtungen fort

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Ungeachtet einer gerade vom US-Verfassungsgericht zur Entscheidung angenommenen Beschwerde richtet Texas zum Tode Verurteilte weiter mit der Giftspritze hin. In Huntsville wurde am Dienstag der 49-jährige Michael Richard mit der umstrittenen Methode getötet.

Neun Minuten nach der Injektion wurde der wegen eines 1986 begangenen Mordes verurteilte Richard für tot erklärt. In dem US-Bundesstaat mit den meisten Hinrichtungen steht am Donnerstag die 27. Hinrichtung des Jahres an.

Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte wenige Stunden zuvor einen Einspruch gegen Hinrichtungen mit der Giftspritze zur Beratung angenommen. Das Verfassungsgericht nahm die Beschwerde von zwei Todeskandidaten aus Kentucky an, die mit der Hinrichtungsmethode die Verfassung verletzt sehen. Sie erklärten, der verabreichte Giftcocktail aus drei Medikamenten bedeute eine grausame Bestrafung und verstoße deshalb gegen die Verfassung.

Alle 37 US-Staaten, die Hinrichtungen mit der Giftspritze durchführen, verwenden die gleiche Substanz. Sie besteht aus einem Narkosemittel, einem Muskel-Entspannungsmittel und einem Wirkstoff, der das Herz aussetzen lässt. Kritiker der Todesstrafe erklären, wenn der Verurteilte nicht ausreichend betäubt werde, erleide er schreckliche Schmerzen, ohne schreien zu können.

Es ist das erste Mal seit 1879, dass das Oberste Gericht einen Einspruch gegen eine Hinrichtungsmethode zur Entscheidung angenommen hat. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA 1976 wurden dort 1.099 Menschen exekutiert, 928 von ihnen mit der Giftspritze. Sie kommt seit 25 Jahren zum Einsatz.

Italien hat sich unterdessen für ein weltweites Moratorium der Todesstrafe eingesetzt. In dieser Zeit sollte ihre vollständige Abschaffung geprüft werden, sagte der italienische Ministerpräsident Romano Prodi in der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Die Verabschiedung einer solchen Resolution würde politische Weitsicht zeigen, erklärte Prodi: „Es würde demonstrieren, dass die Menschheit nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Ethik Fortschritt erzielen kann.“

Prodi verwies auf einen wachsenden weltweiten Trend gegen die Todesstrafe. Er hoffe auf eine Zukunft, in der sich die Gesellschaft vom Gedanken der Rache befreit habe. Der italienische Außenamtssprecher Pasquale Ferrara sagte, rund 95 der 192 UN-Mitgliedstaaten hätten ihre Unterstützung für Prodis Vorschlag bekundet. Zur Verabschiedung einer Resolution wird die Zustimmung von zwei Dritteln der UN-Mitglieder in der Vollversammlung benötigt. Widerstand gegen ein Moratorium dürfte vor allem von Staaten wie den USA, Iran, Saudi-Arabien und China kommen. Prodi sagte, er hoffe auf eine Abstimmung spätestens im November.

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