Tex Rubinowitz erhält Ingeborg-Bachmann-Preis 2014

Und das, obwohl Humor normalerweise nicht sticht: Tex Rubinowitz erhält den Ingeborg-Bachmann-Preis 2014.
Und das, obwohl Humor normalerweise nicht sticht: Tex Rubinowitz erhält den Ingeborg-Bachmann-Preis 2014. ©APA
Klagenfurt. Der in Österreich lebende Autor und Zeichner Tex Rubinowitz gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2014. Die renommierte Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.

In der öffentlichen Jurysitzung zum Abschluss der 38. Tage der deutschsprachigen Literatur setzte er sich am Sonntagvormittag im ORF-Theater in Klagenfurt im Stechen gegen den Schweizer Michael Fehr durch.

Rennen bis zum Schluss offen

Unter den – nach krankheitsbedingtem Ausfall von Karen Köhler – 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatte sich nach den Lesungen kein eindeutiger Favorit herauskristallisiert. Auf die Shortlist schafften es schließlich neben Rubinowitz Michael Fehr, Katharina Gericke, Anne-Kathrin Heier, der aus Sri Lanka stammende Senthuran Varatharajah sowie Gertraud Klemm und Roman Marchel aus Österreich. Im Vorjahr gewann Katja Petrowskaja mit “Vielleicht Esther” den Bachmann-Preis.

Humor ist normalerweise nicht Trumpf

Humor ist normalerweise ein Ausschließungsgrund dafür, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erfolgreich zu sein. Der am 5. Dezember 1961 in Hannover geborene Rubinowitz hat diese ungeschriebene Regel durchbrochen und sich mit einem Text voll Pointen zum Bachmann-Preisträger gemacht.

Tex Rubinowitz: Ein Deutscher in Wien

Eigentlich heißt er ja Dirk Wesenberg. Er verbrachte seine Jugend in Lüneburg, brach 1978 die Schule ab und arbeitete anschließend in verschiedenen Berufen, jobbte in einer Molkerei, absolvierte seien Militärdienst und übersiedelte 1984 nach Wien. Sein Kunststudium bei Oswald Oberhuber dauerte seinen Angaben zufolge genau eine Woche. Dann begann er, für den “Falter” zu zeichnen. Als Cartoonist ist er bis heute tätig, seine schriftstellerischen Ambitionen sind indes weniger bekannt.

Zuletzt trat er mit seinem Reisebuch “Rumgurken” und seinen Listen “Die sieben Plurale von Rhabarber” in Erscheinung. “Es ist wunderbar, dass ich dort sein kann”, meinte er über den Bachmann-Wettbewerb im APA-Gespräch vor dem Wettbewerb. Am Tag vor der Preisverleihung stapelte er noch tief und meinte, Humor werde üblicherweise in Klagenfurt nicht belohnt, es sei ihm auch nicht wichtig, ob er einen Preis bekomme.

“Klagenfurter interessieren sich mehr für GTIs”

Das Wettlesen in Klagenfurt hat er seit Jahren begleitet, gemeinsam mit seinen Kollegen vom Kollektiv “Höfliche Paparazzi”. Dass er zum Wettlesen nach Klagenfurt gekommen ist, war ein wenig Zufall, so stellt er es jedenfalls dar. Sein Text über eine erste Liebe zu einem Mädchen aus Litauen, das Probleme mit Sex hat und an Batterien lutscht, könnte, so kündigte er an, Teil eines Romans werden. Träume habe er längst aufgegeben, daher habe er auch keinen langfristigen Plan für eine Karriere als Schriftsteller.

Der Bachmann-Preis ist für Rubinowitz jedenfalls etwas ganz Besonderes, seine Analyse fiel schon im Vorfeld wie immer ironisch-humorig aus: “Klagenfurt ist in dieser Zeit in einem komischen Literaturausnahmezustand, der von den Klagenfurtern selbst gar nicht mitbekommen wird. Die interessieren sich halt für den ‘Iron Man’ oder das GTI-Treffen”, schmunzelte der Autor.

“Und dann landen dort diese Stubenhocker, die blassen Typen, die wie ferngesteuert durch Klagenfurt wandeln und – wenn sie aus Norddeutschland kommen – vielleicht nicht mal die Sprache verstehen und dann ganz verblüfft sind, wie hübsch dieser Ort ist.” Zudem bekomme man bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur “hoch konzentrierte Literatur” serviert. “Das ist richtige Arbeit. Die Juroren sind danach immer ganz erschöpft.”

Nach dem Bachmann-Preis für Rubinowitz hat es am Sonntag noch eine weitere Auszeichnung für eine österreichische Teilnehmerin gegeben. Die in Niederösterreich lebende Wienerin Gertraud Klemm holte sich für “Ujjayi” den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. Dieser bedingt zudem eine Einladung, 2015 als Stadtschreiberin den Sommer in Klagenfurt zu verbringen.

Michael Fehr, der Rubinowitz im Stechen um den Bachmann-Preis unterlegen war, gewann den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis für seinen Text “Simeliberg”. Der in Sri Lanka geborene Senthuran Varatharajah wurde für seinen ersten literarischen Versuch – er hat noch keinen Text veröffentlicht – mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet (7.500 Euro). Mr. Heyn´s Ernst-Willner-Preis geht an Katharina Gericke. Die in Berlin lebende Autorin bekommt 5.000 Euro. Sie war auf Einladung von Juryvorsitzendem Burkhard Spinnen nach Klagenfurt gekommen. Spinnen, der seit 2008 den Juryvorsitz innegehabt hatte, gab nach der Preisverleihung seinen Rückzug aus der Jury bekannt. “Er wird uns fehlen”, war der einhellige Tenor im Publikum.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Kultur
  • Tex Rubinowitz erhält Ingeborg-Bachmann-Preis 2014
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen