Terrorwelle in Afghanistan und Pakistan: Über 100 Tote

Eine neue Terrorwelle radikalislamischer Extremisten hat am Mittwoch die Krisenstaaten Afghanistan und Pakistan weiter ins Chaos getrieben.
Schwere Anschläge in Pakistan
Peshawar unter Schock

Kurz nach der Ankunft von US-Außenministerin Hillary Clinton in Pakistan riss der blutigste Anschlag in dem Land seit zwei Jahren mindestens 105 Menschen in der Stadt Peshawar in den Tod. In der afghanischen Hauptstadt Kabul kamen beim bisher schwersten Angriff auf die Vereinten Nationen fünf ausländische UN-Mitarbeiter ums Leben. Damit eröffneten die Taliban nach eigenen Angaben ihre Terrorkampagne gegen die Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. November.

In Pakistan explodierte unmittelbar nach dem Eintreffen Clintons in Islamabad im 150 Kilometer entfernten Peshawar in einer belebten Geschäftsstraße eine Autobombe. Dabei gab es nach Angaben von Rettungskräften auch rund 150 Verletzte, die pakistanische Medien berichteten. Die meisten Opfer seien Kinder oder Frauen gewesen.

Nach Polizeiangaben hatten die Attentäter ein Auto mit 150 Kilogramm Sprengstoff präpariert. Ein Haus stürzte nach der Detonation ein, mehrere Läden fingen Feuer. Weitere Opfer wurden noch unter den Trümmer vermutet. Clinton nannte die Terrorangriffe “feige” und sicherte Pakistan Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. “Das ist auch unser Kampf”, sagte sie zur Rolle der USA.

In Afghanistan kamen bei dem Anschlag auf ein UN-Gästehaus und einem eineinhalbstündigen Gefecht im Stadtzentrum auch die drei Angreifer, zwei afghanische Sicherheitskräfte und ein Zivilist ums Leben. Bis auf die Nationalität eines getöteten Amerikaners blieb die Staatsangehörigkeit der anderen Opfer zunächst unklar. Nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wurden weitere neun Mitarbeiter verletzt.    

Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid sagte: ”Das ist definitiv der Beginn der Mujaheddin-Operationen gegen die Wahl.” Die Opfer beim  Sturm auf das UN-Gästehaus hätten bei der Vorbereitung der Wahl am 7. November mitgeholfen. Die UN unterstützen die Wahlvorbereitungen maßgeblich.

Präsident Hamid Karzai befahl den Sicherheitskräften, den Schutz ausländischer Einrichtungen zu verschärfen. Kurz nach dem Angriff auf das Gästehaus beschossen die Taliban das einzige Fünf-Sterne-Hotel des Landes, das Serena-Hotel in Kabul, mit Raketen. Dabei gab es nach Polizeiangaben keine Opfer. Im Jänner 2008 hatte ein  Selbstmordkommando der Taliban das Luxushotel angegriffen und mehrere Menschen getötet. 

UN-Generalsekretär Ban sprach von einer “feigen Attacke”. Es handle sich um den offensichtlichen Versuch der Taliban, die Stichwahl zu stören. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Vereinten Nationen seien neutraler Sachwalter der Interessen der gesamten Staatengemeinschaft.

“Ein Anschlag auf die Vereinten Nationen ist somit ein Angriff auf uns alle.” Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die beiden Anschläge in Kabul und Peshawar. Sie zeigten, wie richtig es sei, “auf eine Gesamtstrategie zu setzen, um die Region Afghanistan und Pakistan zu stabilisieren”.

Bereits vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 20. August hatten die Taliban ihre Angriffe in Kabul und in anderen Landesteilen verschärft. Der Wahltag selber war der Tag mit den meisten Angriffen und Anschlägen seit Beginn des internationalen Engagements in Afghanistan vor gut acht Jahren.

Die Abstimmung war von massivem Betrug überschattet worden. Nach Abzug gefälschter Stimmen hatte Karzai die absolute Mehrheit knapp verfehlt. Der Amtsinhaber muss sich daher am 7. November einer Stichwahl mit seinem wichtigsten Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, stellen.

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