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Terror im Urlaubsparadies: IS-Anhänger bekennen sich zu Blutbad in Tunesien

Nach Anschlag auf Hotel in Sousse: Leere Strände an tunesischer Mittelmeerküste
Nach Anschlag auf Hotel in Sousse: Leere Strände an tunesischer Mittelmeerküste ©EPA
Nach dem blutigen Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel in Tunesien ergreifen viele Urlauber die Flucht. An den Strand, an dem am Vortag noch Hochbetrieb herrschte, trauen sich nur noch wenige. Der Anschlag, zu dem sich die  Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte, hatte mindestens 39 Menschen das Leben gekostet. Amateur-Aufnahmen zeigen den Schusswechsel der Sicherheitskräfte im Hotel Imperial Marhaba.

Der IS-Kämpfer habe sein Ziel trotz Sicherheitsvorkehrungen in dem Touristenort Sousse erreicht, hieß es in einer auf Twitter veröffentlichten Mitteilung. 40 “Ungläubige” seien dabei getötet worden.

Anschlag fordert 39 Tote

Bei dem Anschlag starben nach Angaben der Regierung Bürger mehrerer europäischer Länder. Die Mehrzahl der bestätigten 39 Todesopfer des Angreifers sei britischer Staatsbürgerschaft, sagte Regierungschef Habib Essid Samstag früh. “Danach kommen Deutsche und Belgier und dann weitere Nationalitäten.”

Auch Franzosen seien unter den Toten. Die Behörden in Dublin bestätigten den Tod einer Irin. Österreicher sind offenbar keine betroffen. Weder unter den 39 Toten noch unter den 39 Verletzten befänden sich österreichische Staatsbürger, sagte Außenministeriumssprecher Martin Weiss am Samstag gegenüber der APA. Dies habe Österreichs Botschafter in Tunesien, Gerhard Weinberger, mitgeteilt.

Waffe in Sonnenschirm versteckt

Ein Attentäter war am Freitag in das besonders bei europäischen Touristen beliebte Hotel Riu Imperial Marhaba in Port El Kantaoui bei Sousse eingedrungen. Nach Angaben der Behörden hatte er in einem Sonnenschirm eine Waffe versteckt, mit der er dann unter anderem am Strand das Feuer eröffnete. Der Angreifer wurde schließlich getötet.

Amateuraufnahmen zeigen Angriff auf Hotel:

Tunesien schließt nach Anschlag Moscheen

Tunis will entschlossen gegen Extremisten vorgehen: Nach einer nächtlichen Sitzung des nationalen Sicherheitsrates kündigte Premier Essid am frühen Samstagmorgen eine Reihe von Maßnahmen an. “Die Heimat wird bedroht, der Staat wird bedroht”, sagte er. “Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist, den Krieg zu gewinnen.”

Zu den vom Rat beschlossenen Maßnahmen gehört die Schließung von bis zu 80 Moscheen. “Es gibt weiterhin Moscheen, die ihre Propaganda und ihr Gift zum Terrorismus verbreiten”, wurde Essid von örtlichen Medien zitiert. Diese Moscheen sollten schon innerhalb der nächsten Tage geschlossen werden.

Daneben sollten Vereine und Parteien, die “außerhalb des Verfassungsrahmens stehen”, genauer überprüft und dann entweder verwarnt oder aufgelöst werden. Hierbei solle vor allem die Finanzierung überprüft werden.

Ein Augenzeuge berichtet:

Verstärkter militärischer Schutz für Touristen

Um Touristen vor möglichen weiteren Anschlägen zu schützen, kündigte Essid einen verstärkten militärischen Schutz verschiedener Einrichtungen an. Um dies zu ermöglichen, sollten Reservisten einberufen werden.

Tunesischer Student für Blutbad in Hotel verantwortlich

Der Angriff in Sousse – 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis – geht nach Angaben von Essid auf das Konto eines tunesischen Studenten. Er wurde von Sicherheitskräften getötet. Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am belebten Strand. Dort lagen auch nach Stunden noch Leichen von Urlaubern, von Handtüchern bedeckt.

Touristen verlassen Tunesien

Nach dem Anschlag haben sich zahlreiche Touristen zur Heimreise entschieden. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, bildeten sich auf dem Flughafen Hammamet am Samstag lange Schlangen. Viele meinten, sie brächen ihren Aufenthalt aus Furcht vor Anschlägen ab.

Wiener Außenministerium ruft Reisende zur Vorsicht auf

Das österreichische Außenministerium hat Tunesien-Reisende nach dem Anschlag im Badeort Sousse zur Vorsicht aufgerufen: “Es wird dringend empfohlen, sich über die Sicherheitslage vor Ort genauestens informiert zu halten und den Anweisungen der Hotels, Reiseveranstalter und der Sicherheitsorgane unbedingt Folge zu leisten.”

Dies teilte das Ministerium am Freitag auf seiner Webseite mit. Das Ministerium macht ebenda auch auf die Möglichkeit zur Reiseregistrierung für alle Urlauber aufmerksam. Diese erlaubt es, im Krisenfall leichter mit Urlaubern Kontakt zu halten.

Reisewarnung für Tunesien

Für Tunesien gilt aber wie bereits bisher nur eine Reisewarnung für die Saharagebiete, wo es immer wieder zur Entführung von Ausländern kommt. Im Rest des Landes – darunter auch den beliebten Badeorte an der Küste – gebe es ein “erhöhtes Sicherheitsrisiko”, von Reisen wird aber nicht grundsätzlich abgeraten.

Mehr Reiseinformationen finden Tunesien-Reisende hier.

Reiseanbieter holen Touristen nach Hause

Verschiedene Reiseanbieter begannen bereits damit, die ersten Urlauber aus der Region zurückzuholen. Britische Tourismuskonzerne stellten am Samstag mindestens zehn Flugzeuge bereit, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen. Reisebüros wie Thomson oder Thomas Cook stellten es Urlaubern in dem nordafrikanischen Land frei, ihren Urlaub kostenlos zu stornieren.

Der tunesische Premierminister Habib Essid hatte zuvor erklärt, “die Mehrheit” der mindestens 39 Toten bei einem Anschlag auf ein Touristenhotel in dem Urlauberort Sousse am Freitag komme aus Großbritannien. Das britische Außenministerium bestätigte zunächst nur den Tod von fünf Briten. Nach Angaben des irischen Außenministeriums ist auch eine Frau aus Irland unter den Todesopfern.

Laut den tunesischen Behörden wurden bisher zehn der Toten identifiziert. Es handle sich um acht Briten, eine Belgierin und einen Deutschen. Österreicher sind weder unter den Toten noch unter den Verletzten, wie Außenministeriumssprecher Martin Weiss am Samstag gegenüber der APA sagte.

Der deutsche Reisekonzern Tui teilte mit, bereits in der Nacht auf Samstag seien 80 seiner Gäste ausgeflogen worden. Weitere 120 sollten am Wochenende folgen – darunter auch einige Urlauber, deren Rückreise ohnehin planmäßig stattfinden sollte. Insgesamt zählt Tui am Ort des Anschlags rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt nach eigenen Angaben 260 Gäste in vier Hotels. In ganz Tunesien machen derzeit etwa 3.800 Menschen Urlaub mit Tui.

Der Reisekonzern schickte ein Krisenteam aus 19 speziell geschulten Experten nach Sousse, darunter Psychologen. Zur Zahl der deutschen Opfer unter den Getöteten konnte der Sprecher am Samstag noch nichts sagen.

Tui -Urlauber, die Tunesien gebucht haben, können ihre Reise umbuchen oder stornieren. Nach Angaben des Sprechers hatten von diesem Angebot jedoch bis Samstagvormittag erst etwa 300 Gäste Gebrauch gemacht. “Der Großteil hält, zumindest nach jetzigem Stand, an seinen Reiseplänen fest.”

Tag des Terrors: Anschläge in Kuwait und Frankreich

Neben dem Anschlag in Tunesien war es am Freitag auch in Kuwait und Frankreich zu mutmaßlich islamistischen Anschlägen mit vielen Toten gekommen. Arabische Medien sprachen am Samstag von einem “schwarzen Freitag des Terrorismus”. Unter anderem schrieb die libanesische Zeitung “An-Nahar”, dass “die Welt von drei Anschlägen geschockt” sei.

Zusammenhang zwischen Anschlägen unklar

Ob die drei Anschläge in Zusammenhang stehen, war zunächst unklar. Am Montag nächster Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz “Islamischer Staat” ein Kalifat ausgerufen hat.

Nahost-Experte: “Es ist eine Kriegserklärung an uns im Westen”

Der Nahost-Experte Michael Lüders sieht in den Terroranschlägen in Frankreich, Tunesien und Kuwait eine Kriegserklärung der Terrormiliz Islamischer Staat an den Westen. Der IS versuche beispielsweise, die Wirtschaft in Tunesien zu treffen, sagte Lüders am Samstag dem WDR5-Morgenecho.

“Der Tourismus in Tunesien wird für die nächsten zwei bis drei Jahre einbrechen. Es ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor des Landes”, sagte Lüders. Wenn es nicht gelinge, die hohe Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen in Tunesien zu senken, könne die Lage sehr gefährlich werden. Lüders machte den tunesischen Behörden auch Vorwürfe. Sie hätten nicht genug getan, um die Hotelanlagen zu schützen.

Außerdem versuche der IS, Schiiten und Sunniten gegeneinander aufzuhetzen, sagte Lüders. “Das Ziel des IS ist es, nunmehr auch Saudi-Arabien und die kleineren Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Die Botschaft ist klar: “Es ist eine Kriegserklärung an uns im Westen”.” (red/APA)

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