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Teamchef taktisch inkompetent?

Österreichs Teamverteidiger Emanuel Pogatetz hat am Freitag mit scharfer Kritik an Teamchef Josef Hickersberger aufhorchen lassen. Er hält Hickersberger im taktischen Bereich nicht für ausreichend kompetent.

Der Middlesbrough-Legionär stellte das taktische Verständnis des Teamchefs in Frage, kritisierte gleichzeitig auch die Strukturen im ÖFB und nahm dafür auch in Kauf, dass er bei der Heim-EURO 2008 wohl nicht im Kader stehen wird. Den 23-Jährigen ärgerten die Aussagen von “Hicke” nach der blamablen 0:1-Niederlage gegen Venezuela im Rahmen des Vierländer-Turniers in der Schweiz. “Mich hat gestört, dass er gesagt hat, die Mannschaft ist schlecht und er kann nichts machen. Wenn er den Spielern die Schuld gibt, muss ich sagen, dass es eigentlich umgekehrt ist.”

Der Steirer hält Hickersberger im taktischen Bereich nicht für ausreichend kompetent. “Fast alle Teamspieler sind bei ihren Klubs Leistungsträger und spielen dann im Team drei Klassen schlechter. Das liegt daran, dass bei einem Verein jeder weiß, was er zu tun hat. Im Nationalteam gehen wir ohne taktische Vorgaben ins Spiel, wie ein Schüler, der für eine Schularbeit nichts gelernt hat”, sagte Pogatetz. “Wenn man vor dem Spiel eine Besprechung macht, einem die besten Spieler des Gegners vorgestellt werden und danach gesagt wird, dass die eigentlich gar nicht mitspielen, dann fragt man sich schon, was das soll”, so Pogatetz. “Der Einzige im ÖFB-Trainerstab, der von Taktik wirklich eine Ahnung hat, ist Willi Ruttensteiner. Ich verstehe nicht, warum es nicht eine Verteilung der taktischen Aufgaben geben könnte, zum Beispiel, dass Andi Herzog mit der Offensive trainiert und Peter Persidis mit der Defensive.” Außerdem forderte Pogatetz die Einstellung eines Mental-Trainers, wie es zuvor schon der mittlerweile nicht mehr im ÖFB-Kader aufscheinende Paul Scharner verlangt hatte. “Die Mannschaft steht unter großem Druck, die Heim-EM ist auch eine hohe Belastung. Und es gibt keinen, der uns auf diese große Aufgabe vorbereitet.” Das Problem im ÖFB-Team sei nicht, dass die Führungsspieler fehlen. Kapitän Andreas Ivanschitz zählt Pogatetz nicht zu den markanten Persönlichkeiten. “Er hat momentan Probleme und ist derzeit sicher kein Kapitän. Da gehören andere her, zu denen man aufschaut, wie zum Beispiel Martin Stranzl, der die Dinge so anspricht, wie sie sind.”

Sollte im ÖFB nicht bald ein Umdenken einsetzen, sieht Pogatetz für die Zukunft schwarz. “Wenn wir so weitermachen, bekommen wir gegen Liechtenstein Probleme und scheiden bei der Europameisterschaft in der Gruppenphase aus”, prognostizierte der 22-fache Teamspieler. Er sich auch der Konsequenzen seiner Aussagen bewusst. “Ich glaube einfach, es ist notwendig, dass Einer diese Dinge anspricht. Ich bin bei der EURO ohnehin die ersten beiden Spiele gesperrt, also muss halt ich die Krot fressen”, sagte Pogatetz. “Mir ist es lieber, ich bin bei der EURO nicht dabei, als wir machen so weiter wie bisher. Wenn das für mich Folgen hat, akzeptiere ich sie. Wenn es das Nationalteam nur einen Schritt nach vorne bringt, hat es sich ausgezahlt”, so Pogatetz. Weiters betonte der 23-Jährige, er habe kein persönliches Problem mit Hickersberger.

“Ich bin sehr überrascht”
Josef Hickersberger nahm zu den Vorwürfen in einer Aussendung Stellung und zeigte sich überrascht: “Ich bin sehr überrascht, dass Pogatetz solche Aussagen trifft, da er in den vergangenen zehn Tagen in der Schweiz nicht einmal eine Andeutung in diese Richtung machte. Natürlich gab es auch für die beiden Spiele im Rahmen des Vier-Länderturniers in der Schweiz klare Vorgaben”, betonte Hickersberger. “Dass Auslandsprofis und Nationalspieler die Grundprinzipien der taktischen Ausrichtung bei einem 4-4-2-System aber kennen, habe ich – zumindest bis jetzt – als selbstverständlich vorausgesetzt.”

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