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Tausende Moslems zu Srebrenica-Gedenkfeier

Zur Gedenkfeier am 10. Jahrestag des Massakers von Srebrenica sind Montag früh tausende Moslems in der bosnischen Stadt eingetroffen. Rund 50.000 Gäste werden erwartet.

Zehn Jahre nach dem größten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg haben 50.000 Menschen in der bosnischen Stadt Srebrenica der rund 8.000 dort ermordeten Moslems gedacht. In allen Ansprachen forderten die Redner die Verhaftung der noch immer untergetauchten Drahtzieher des Massaker – des ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic und seines Ex-Militärchefs Ratko Mladic. Beide sind untergetaucht. Der Präsident des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, Theodor Meron, forderte die serbischen Behörden auf, Karadzic und Mladic auszuliefern – „nicht nächsten, sondern diesen Monat, nicht morgen sondern heute“. Das Kriegsverbrechen in Srebrenica müsse restlos aufgeklärt werden, erklärte auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan in einer Botschaft, die verlesen wurde. „Ohne Wahrheit keine Aussöhnung“, schrieb er. Auch US-Präsident George W. Bush setzte sich in einer vorgelesenen Erklärung für die schnelle Verhaftung von Karadzic und Mladic ein.

Erstmals und trotz Kritik von Überlebenden und Angehörigen der Opfer nahm mit Boris Tadic auch ein serbischer Präsident an Gedenkfeiern für die Opfer von Srebrenica teil. Der von Sicherheitsleuten dicht Umringte verneigte sich vor den Särgen von 610 identifizierten Opfern des Massakers. Er versprach eine rasche Festnahme der als Kriegsverbrecher gesuchten Ex-Führer.

Das Massaker von Srebrenica sei „eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas seit 1945“, sagte der britische Außenminister Jack Straw. „Es ist eine Schande für die internationale Gemeinschaft, dass dieses Verbrechen unter ihren Augen stattfand“, sagte er mit Blick auf die eigentlich von niederländischen Blauhelmen zu verteidigende damals proklamierte UNO- Schutzzone. „Wir solidarisieren uns mit Ihnen“, formulierte der britische Premier Tony Blair vor dem Hintergrund der Londoner Terroranschläge in seiner Botschaft.

Die Welt habe darin versagt, die Einwohner von Srebrenica zu schützen, sagte der internationale Verwalter für Bosnien-Herzegowina, Paddy Ashdown, am Montag. „Das ist unsere größte Schande.“ Von österreichischer Seite nahm der neue Staatssekretär im Außenministerium, Hans Winkler, an den Gedenkfeiern teil.

Um 12:00 Uhr Mittag stand der Verkehr in den meisten bosnischen Regionen still; die Menschen gedachten der Opfer mit einer Schweigeminute. Die Regierung von Bosnien-Herzegowina hatte den Montag zum Staatstrauertag erklärt.

Im Anschluss an die Gedenkfeier wurden die 610 identifizierte Srebrenica-Opfer in der vor zwei Jahren errichteten Gedenkstätte Potocari vor den Toren Srebrenicas beigesetzt. Sie gehörten zu den rund 8.000 moslemischen Männern und Buben, die von bosnisch-serbischen Truppen und serbischen Milizen nach der Eroberung der Stadt am 11. Juli 1995 ermordet worden waren. Schon früher waren mehr als 1.300 Srebrenica Opfer auf diesem Friedhof bestattet worden. Bis heute wurden 5.000 Leichen in verschiedenen Massengräbern gefunden, aber erst 2.032 identifiziert.

Zuvor hatten die offiziellen Gäste aus dem Ausland ein erst kürzlich entdecktes Massengrab in der Nähe eines Lagerhauses, bei dem rund 1.000 Menschen erschossen wurden. Der Leiter der bosniakischen Vermissten-Kommission, Amor Masovic, erläuterte: „Wir reden von einer Massenhinrichtung mit Maschinengewehren.“

Srebrenica-Jahrestag – Tränengas gegen Demonstranten in Belgrad

Die rund hundert Teilnehmer einer friedlichen Kundgebung für die Opfer des Massakers in der früheren bosnischen Moslem-Enklave Srebrenica sind am Sonntagabend im Zentrum von Belgrad mit Tränengas attackiert worden. Die Polizei nahm neun mutmaßliche Täter, die die Demonstranten auch mit Rufen wie „Messer, Draht, Srebrenica“ verfolgten, fest.

Die Kundgebung war von „Frauen in Schwarz“ organisiert worden, einer der ältesten Nichtregierungsorganisationen in Serbien. Schon während der Kriege beim Zerfall Jugoslawiens in den 90er Jahren hatte die Menschenrechts-NGO regelmäßig zu Protestkundgebungen auf dem Belgrader Republikplatz aufgerufen.

Die Personen, die die Gedenkkundgebung störten, zertraten auch weiße Nelken, die für die Srebrenica-Opfer niedergelegt worden waren. Die Angehörigen einer Polizei-Sondereinheit, die die Demonstration absicherten sollten, versuchten nicht, die Rowdys daran zu hindern.

Das Massaker von Srebrenica jährt sich dieser Tage zum zehnten Mal. Bosnisch-serbische Truppen und serbische Spezialeinheiten töten in der UNO-Schutzzone damals etwa 7.800 Bosniaken. Offizielle Gedenkfeiern sind in Serbien keine geplant. Der serbische Präsident Boris Tadic nimmt am Montag an der zentralen Gedenkfeier in Srebrenica teil.

Rund 8.000 Opfer – 19 Personen angeklagt

In der ostbosnischen Gemeinde und damaligen UNO-„Schutzzone“ Srebrenica haben bosnisch-serbische Truppen ab dem 11. Juli 1995 innerhalb weniger Tage Tausende moslemische Buben und Männer getötet. Im Folgenden einige wichtige Daten zum zehnten Jahrestag der Gräueltat, die als schlimmstes Verbrechen an Zivilisten in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs gilt:

Die genaue Zahl der OPFER ist noch immer unklar. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden zwischen 7.000 und 8.000 Menschen getötet, die bosnisch-serbische Regierung berichtete von mindestens 7.779 Opfern, die bosniakische Vermissten-Kommission geht von mehr als 8.374 Getöteten aus.

42 MASSENGRÄBER wurden bis dato entdeckt. Experten schätzen, es könnten noch bis zu 22 Massengräber in der Gegend um Srebrenica geben. Bisher wurden 2.070 Opfer identifiziert. In mehr als 7.000 Säcken liegen noch Leichenteile. Ihre Zuordnung ist schwierig: Die Leichen wurden von Baggern in Massengräber geschaufelt und dabei zerstückelt. Zudem wurden Leichen später umgelagert und auf kleinere Gräber verteilt, um das Verbrechen zu verschleiern.

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat im Zusammenhang mit dem Massaker 19 Menschen ANGEKLAGT. Sechs wurden verurteilt, zehn stehen derzeit vor Gericht oder warten auf ihren Prozess. Drei sind noch auf freiem Fuß – darunter der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein Militärchef Ratko Mladic. Sie gelten als Hauptverantwortliche der Gräueltaten in Srebrenica.

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