Taube Ohren öffnen

©VOL Live/Roland Paulitsch
Dank Ernst Wirthensohn wird für das Thaler Euthanasieopfer Erich Forster eine Gedenk­tafel errichtet

Ernst Wirthensohn ist Erich Forster nie begegnet. Trotzdem besteht zwischen den zwei Menschen aus Thal eine besondere Verbindung. „Seine Geschichte hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen“, erklärt Wirthensohn, wieso er nicht locker gelassen hat, bis dem NS-Euthanasieopfer genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Heimatgemeinde studiert

Wirthensohn hat in Innsbruck Geschichte studiert. Seine Abschlussarbeit schrieb er über seine Heimatgemeinde Thal. „Ich habe alles Mögliche zusammengetragen“, erzählt er. Aus dem Material entstand auch zwei Jahre später ein Heimatbuch und schließlich das Gemeindearchiv. Ein Name kam in Wirthensohns Recherchen immer wieder vor: Erich Forster. „Die Geschichte seiner Deportation.“ Forster war ein taubstummer Thaler und diese Behinderung bedeutete in der NS-Zeit sein Todesurteil.

Von der Mutter geprägt

„Meine vor zwei Jahren verstorbene Mama war eine begnadete Geschichtenerzählerin. Das ist sicher auch der Grund, wieso ich Geschichte studiert habe. Sie hat mir immer wieder von Erich Forster erzählt. Als sie noch ein Kind war, ist er fast jeden Tag auf ihren Bauernhof gekommen. Er hat an der Rotach Sandstein geholt und zu Pulver gemahlen. Früher hat man damit geputzt“, erzählt Wirthensohn, Geschichtslehrer am BG Blumenstraße.

Heute vor 70 Jahren ermordet

Forster wurde heute vor 70 Jahren, am 17. März 1941, in den Zug gesetzt. Ziel war die Tötungsstelle Schloss Hartheim. „Wir nehmen an, dass es auch sein Todestag war. Die meisten kamen noch am gleichen Tag in die Gaskammern“, erzählt Wirthensohn. Er hat 2005 im Thaler Jahresbericht, gemeinsam mit dem Historiker Elmar Haller, einen Bericht über Forster verfasst. „Es gab kaum Reaktionen, wie das bei solchen Dingen üblich ist. Die Leute reden nicht gern darüber.“ Aber er gab nicht auf und hat jetzt dank mehreren Unterstützern ein Ziel erreicht: Am Sonntag wird eine Gedenktafel am Südeingang der Pfarrkirche angebracht. In kurzen Sätzen wird Forsters Lebenslauf erzählt. Dazwischen befinden sich Piktogramme, die Thaler Volksschüler gezeichnet haben. „Forster hat nie eine Schule besucht, er konnte nicht lesen“, erklärt Wirthensohn die Zeichen. Auch die Jüngeren wolle man damit ansprechen. Im letzten Sommer hat sich Wirthensohn selbst auf die letzten Spuren Forsters begeben. Er ist mit dem Zug nach Hartheim gefahren. „Ich habe alle Schauplätze besucht und versucht, es nachzuvollziehen.“ Beeindruckt hat den Thaler vor allem, wie die Geschichte dort aufgearbeitet wurde. „Es gibt eine würdevolle Gedenkstätte. Und es wurde ein großes Heim für Menschen mit Behinderung geschaffen“, erzählt er. In Vorarlberg sei man oft nicht so weit. „Ich spüre immer noch Gegenwind. Es gibt nur vereinzelt Gedenkstätten, dabei gab es überall Euthanasieopfer.“ Es sei noch nicht zu spät, die Geschichte aufzuarbeiten. „Denn wenn man nichts tut, lässt sie die Gesellschaft nicht in Ruhe. Sie plagt sie weiter.“

(VN)

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