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Tarek Aziz - Das verstummte Sprachrohr Saddam Husseins

Er war die Stimme Saddam Husseins im Ausland und dem früheren irakischen Machthaber bedingungslos ergeben: Mit dem Ex-Vizepremier und langjährigen ehemaligen Außenminister Tarek Aziz sollte am Montag eines der prominentesten Mitglieder der irakischen Baath-Führung in Bagdad vor Gericht gestellt werden.

Jahrelang übermittelte der gewandte 72-Jährige in fließendem Englisch die Botschaften des irakischen Machthabers an die Welt. Zwei Monate nach der US-Invasion hatte sich Aziz im April 2003 den US-Truppen gestellt. Nach fünf Jahren in US-Gefangenschaft muss er sich nun wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Tarek Aziz wurde 1936 in der nordirakischen Stadt Mossul in eine Familie chaldäischer Christen geboren. Saddam Hussein kannte er bereits seit den 1950er Jahren und ist somit einer seiner Mitstreiter der ersten Stunde. Seit 1963 gehörte Aziz zur Führung der panarabischen sozialistischen Baath-Partei, in der er zunächst für Propaganda und Organisation zuständig war. Nach der Machtübernahme durch die Partei 1968 leitete der Mann mit der markanten Brille und einer Zigarre als Erkennungszeichen zunächst das Baath-Organ “Al-Thawra”. Von 1974 bis 1977 war er Informationsminister. 1979, als Saddam Hussein den Präsidenten General Ahmed Hassan al-Bakr ablöste, wurde Aziz Mitglied des obersten Entscheidungsgremiums, des Revolutionären Kommandorates.

Während des Krieges gegen das Nachbarland Iran spielte Aziz, seit 1983 Außenminister, eine entscheidende Rolle, wenn es darum ging, von westlicher Seite politische und militärische Unterstützung zu gewinnen. Nach dem acht Jahre währenden Krieg vertrat er sein Land bei den Friedensverhandlungen mit Teheran, die unter der Schirmherrschaft der UNO standen. 1990 stattete der irakische Chefdiplomat dem Iran einen historischen Besuch ab. Ein Jahr später wurde Aziz stellvertretender Regierungschef. Schlagzeilen machte er, als er sich kurz vor dem Golfkrieg 1991 bei einem Treffen in Genf weigerte, von US-Außenminister James Baker einen Brief des damaligen US-Präsidenten George Bush an Saddam Hussein entgegenzunehmen.

Auch nach seinem Abgang als Chefdiplomat 1991 war Aziz, einziger Christ in der irakischen Führungsriege, weiter als rhetorischer Einpeitscher präsent. Kurz vor dem Angriff der US-geführten Streitkräfte im März 2003 schwor er in altbewährter Diktion seine Landsleute auf den Sieg ein, der ihnen gewiss sei. Zugleich warnte er die alliierten Gegner: “Der Krieg wird blutig sein, lange dauern und kein Spaziergang sein.”

Seit Tarek Aziz im US-Gefängnis Camp Cropper in der Nähe von Bagdad sitzt, ist es still geworden um das einst omnipräsente Sprachrohr Bagdads. Seine – teilweise in Österreich niedergelassene – Familie hat wiederholt auf den schlechten Gesundheitszustand von Aziz hingewiesen und seine sofortige Freilassung gefordert. Angeblich hat der frühere Regierungs-Vize in Gefangenschaft bereits zwei Herzinfarkte erlitten. Außerdem soll er an Bluthochdruck, Atemwegsbeschwerden und Diabetes leiden. Sein Anwalt macht die schlechten Haftbedingungen für die Gesundheitsprobleme verantwortlich: Die USA hielten Aziz in einem “für Hunde reservierten Raum”, den er nur selten verlassen dürfe.

Saddam Hussein bleibt Aziz auch nach dessen Hinrichtung Ende 2006 treu: Im vergangenen Jahr trat er als Zeuge in einem Prozess gegen drei andere Mitglieder der alten Führungsriege auf und bestand darauf, dass der Ex-Machthaber sich nie der Menschenrechtsverbrechen schuldig gemacht habe. Aziz selbst wird zur Last gelegt, in die Erschießung von 42 Geschäftsleuten in Bagdad im Jahr 1992 verwickelt gewesen zu sein. Dafür droht ihm ebenfalls die Todesstrafe.

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