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Syrien will Weltkulturerbe Palmyra wieder aufbauen

Syrische Truppen vor der Zitadelle von Palmyra
Syrische Truppen vor der Zitadelle von Palmyra
Sie hat einige der berühmtesten Monumente der Welt dem Erdboden gleichgemacht. Nun ist die Terrormiliz IS aus der Weltkulturerbestätte Palmyra vertrieben. Das syrische Assad-Regime strotzt vor Selbstbewusstsein und will Palmyra wieder aufbauen. Doch international wird eine Wiedererrichtung von Monumenten kritisch gesehen. Es kündigt sich ein Streit über die Zukunft der antiken Stätte an.


Ganz verbergen kann die Reporterin des staatlich finanzierten Fernsehsenders Al-Ichbarija ihren Stolz nicht. Mit zuckenden Mundwinkeln erklärt sie, dies seien die ersten TV-Aufnahmen aus Palmyra nach der Vertreibung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus der Oasenstadt. Hinter ihr leuchten die antiken Säulen der Weltkulturerbestätte in der Mittagssonne. 

Doch der Sender zeigt am Sonntag nur einen kleinen Teil des großen Areals, in dem der IS in den vergangenen zehn Monaten wütete und eine Reihe großer Kulturschätze sprengte. Aus Palmyra, der einst blühenden Handelsstadt, kamen damals Bilder, die Archäologen weltweit Alpträume bereiteten: Die Sprengung der Monumente, darunter der rund 2.000 Jahre alte Baal-Tempel, der Baal-Schamin-Tempel oder der Triumphbogen. Für Dschihadisten symbolisieren die Überreste der Tempel die Ungläubigkeit im Altertum, da dort mehrere Götter verehrt wurden.

Heute – vor allem durch die massive Luftunterstützung Russlands seit Herbst – ist Assad wieder auf dem Vormarsch. Aus Palmyra haben sich die Dschihadisten nun zurückgezogen. Was bleibt, sind Trümmer. Wie es nun mit der Unesco-Stätte weitergeht, könnte zum Streitpunkt werden. Mamun Abdul-Karim ahnt das bereits: “Die bekannte internationale Sichtweise ist gegen den Wiederaufbau von Monumenten”, sagte der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Doch genau das – die Rekonstruktion der Ruinen – strebt Syriens Regierung an. Schließlich komme Palmyra eine “symbolische Rolle” im Kampf gegen den Terrorismus zu. Neue und antike Felsblöcke sollen die Zerstörungswut des IS ungeschehen machen. Zumindest äußerlich.

Abdul-Karim zeigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP Zuversicht. Die antike Stadt Palmyra sei offenbar in einem besseren Zustand als befürchtet. “Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet”, sagte Abdul-Karim der AFP am Sonntag. “Aber die Landschaft ist im Großen und Ganzem in einem guten Zustand.” Er fühle eine “unbeschreibliche Freude”, sagte Abdul-Karim am Telefon. Palmyra könne wieder aufgebaut und “so werden wie vorher”, sagte er über die zum Weltkulturerbe gehörenden antiken Schätze. Der Direktor der Altertümerverwaltung hielt sich am Sonntag noch in Damaskus auf, wollte aber alsbald nach Palmyra aufbrechen, um die Schäden genauer zu begutachten.

Gemeinsam mit der UNO werde nun beraten, wie der Baal-Tempel und der Tempel von Baal-Shamin wieder aufgebaut werden könnten, sagte Abdul-Karim. Viele der wichtigsten Ruinen seien aber nur leicht beschädigt. Die “beste Neuigkeit” betreffe die berühmte 15 Tonnen schwere Löwen-Statue, die der IS im Juli zerstört hatte. Die Einzelteile könnten alle wieder zusammengesammelt und die Statue wieder aufgebaut werden, sagte er.

Ein AFP-Reporter vor Ort sah die Zerstörungen an den beiden Tempeln sowie am Triumphbogen, die Ruinen dieser Stätten gab es demnach aber noch. “Ich war der traurigste Altertümerdirektor der Welt”, sagte Abdul-Karim über Palmyra. “Heute bin ich der glücklichste.”

Der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert, mahnt bei einm möglichen Wiederaufbau Fingerspitzengefühl an. Zwar spiele der Wille der Syrer eine ganz Entscheidende Rolle für die Zukunft des archäologischen Areals. Man dürfe es mit der Rekonstruktion aber auch nicht übertreiben. “Denn es geht immer auch um die Frage, inwiefern die Voraussetzungen für eine Welterbestätte dann noch vorhanden sind.”

Zunächst einmal müsste aber das ganze Ausmaß der Schäden dokumentiert werden. Eine Drohne könnte für 3D-Aufnahmen des Geländes eingesetzt werden, sagt Hilgert. Erst danach könne es um den Wiederaufbau gehen. Und schlussendlich auch darum, Palmyra wieder attraktiv für Touristen zu machen. Wenn der Krieg irgendwann einmal vorbei ist.

Nach der am Sonntag verkündeten Rückeroberung von Palmyra durch syrische Regimetruppen will die Unesco sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden in der Stadt entsenden. Die UN-Organisation werde am 4. April über einen Besuch beraten, kündigte die russische Unesco-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa an. Die Kommission soll auch über eine mögliche Wiedererrichtung zerstörter Denkmäler beraten. “Erst brauchen wir einen völligen Überblick. Die Terroristen haben den berühmten Triumphbogen sowie antike Tempel und Statuen zerschlagen und einen Teil der Anlage vermint”, sagte Mitrofanowa.

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