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Suizidbericht für Vorarlberg: Zahl der Suizide steigend

Am 10. September ist der Welt-Suizidpräventionstag
Am 10. September ist der Welt-Suizidpräventionstag ©Mayer/Canva
Am Freitag wurde der aktuelle Suizidbericht für 2022 von Univ. Prof. Dr. Reinhard Haller, Prim. Dr. Albert Lingg und Oliver Rohrer, Leiter der Sozialpsychiatrischen Dienste, aks gesundheit GmbH vorgestellt.

Die neuesten Suizidstatistiken für das Jahr 2022 zeigen einen deutlichen Anstieg der Suizidfälle in ganz Österreich. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Gesamtzahl der Suizide von 1099 auf 1276 an. Diese alarmierende Zunahme ist vor allem auf signifikante Anstiege in den Bundesländern Tirol und Wien zurückzuführen.

Vorarlberg verzeichnet leichten Anstieg

Für das Bundesland Vorarlberg wurden 44 Suizidfälle im Jahr 2022 gemeldet, was im Vergleich zu 41 im Vorjahr einen leichten Anstieg darstellt. Trotzdem verzeichnet Vorarlberg weiterhin die niedrigste Suizidrate unter allen österreichischen Bundesländern.

Suizidrate trotzdem niedrig

Aussagekräftiger als absolute Zahlen ist die Suizidrate, d. h. die Zahl der Suizide pro 100.000 Einwohner. Sie lag Mitte der 1980er Jahre in Vorarlberg noch deutlich über 20, im Jahr 2020 mit 11,7 exakt im gesamtösterreichischen Schnitt und liegt heuer mit 10,9 darunter. Das von der WHO um die Jahrtausendwende ausgegebene Ziel, die Suizidrate unter 15 zu drücken, wurde in Vorarlberg und auch in gesamt Österreich wieder erfüllt.

Oliver Rohrer, Reinhard Haller, Albert Lingg, Harald Schlocker - aks gesundheit

Männer häufiger betroffen

Die Geschlechterverteilung bei Suiziden zeigt, dass Männer immer noch häufiger betroffen sind. In Österreich begingen 966 Männer und 310 Frauen Suizid, was ein Verhältnis von fast 3 ½ zu 1 bedeutet. In Vorarlberg waren Männer im Jahr 2022 sogar viermal häufiger betroffen als Frauen.

Keine Zunahme bei Jugendlichen und Älteren

Die Altersverteilung zeigt, dass in Vorarlberg keine Zunahme bei Jugendlichen und älteren Menschen zu verzeichnen ist. Im Jahr 2022 gab es einen Kindersuizid (0-14 Jahre) in Vorarlberg. Die Zunahme der Suizide mit dem Alter ist hier weniger ausgeprägt, und Menschen über 75 Jahren sind im Vergleich zu den nationalen Zahlen weniger präsent.

Erfassung der Zahlen schwierig

Die genaue Erfassung von Suizidzahlen ist methodisch schwierig, aber das Suizidregister, das 1987 in Vorarlberg eingerichtet wurde, hat sich als wertvolles Forschungsinstrument erwiesen. Die Suizidfälle werden in einem relativ abgeschlossenen Untersuchungsgebiet mit idealer epidemiologischer Größe erfasst.

Mehr Sterbefälle durch Suizid als Verkehrsunfälle

International variieren die Suizidraten erheblich, wobei südeuropäische Länder die niedrigsten Raten aufweisen und osteuropäische und baltische Staaten die höchsten. In Vorarlberg sind die Suizidraten in den letzten 30 Jahren zurückgegangen, aber in den letzten zehn Jahren stabilisiert. Dennoch sterben immer noch mehr Menschen in Vorarlberg an Suizid als durch Verkehrsunfälle, Morde, Drogen und Aids zusammen.

Coronapandemie ohne große Auswirkungen

Die COVID-19-Pandemie hatte bisher keine signifikanten Auswirkungen auf die Suizidzahlen in Vorarlberg, obwohl psychische Belastungen zugenommen haben. Dies könnte auf intensivere Hilfsangebote während der Pandemie zurückzuführen sein, aber es ist unklar, wie sich die Langzeitfolgen von Long-COVID auf die Suizidraten auswirken werden.

Assistierter Suizid bisher wenig gefragt

Eine neue Entwicklung seit 2022 ist die Legalisierung des assistierten Suizids in Österreich. Trotzdem gab es bisher nur wenige Fälle in diesem Zusammenhang. Experten betonen die Bedeutung eines flächendeckenden Angebots medizinischer und psychologischer Versorgung für schwer kranke Menschen, um Suiziden vorzubeugen.

Motive schwer identifizierbar

Die Suizidprävention bleibt eine wichtige Herausforderung, da sich die Motive und Ursachen von Suiziden oft schwer identifizieren lassen. Die Arbeitslosigkeit bleibt ein bedeutender Faktor, der das Suizidrisiko erhöht. Suizidforen im Internet und andere Faktoren wie Mobbing und Migration haben ebenfalls Auswirkungen auf Suizide und Suizidversuche. Es bleibt eine drängende Aufgabe, präventive Maßnahmen zu entwickeln, um Suiziden vorzubeugen und Unterstützung für gefährdete Bevölkerungsgruppen anzubieten.

(VOL.AT)

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