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Strafrichter ist nicht mehr zu haben

Richter Martin Mitteregger sorgte für Gericht für einige lockere Momente.
Richter Martin Mitteregger sorgte für Gericht für einige lockere Momente. ©VOL.AT/Hofmeister
Richter Martin Mitteregger versucht mitunter, die oft angespannte Atmosphäre während Strafprozessen am Landesgericht Feldkirch aufzulockern.

Bei einer Hauptverhandlung am vergangenen Donnerstag hat er dem Wunsch einer nach ihrem Nachtdienst angereisten Kellnerin entsprochen und sie als erste Zeugin befragt. Er sei eben „ein Frauenversteher“, sagte der Strafrichter grinsend, als die Zeugin im Verhandlungssaal 58 erschien.

Daraufhin fragte die zwar übermüdete, aber dennoch schlagfertige Zeugin den Richter, ob er noch zu haben sei. Der 40-jährige Richter zeigte der 52-jährigen Frau seinen Ehering und teilte ihr mit, er sei verheiratet. Danach merkte die Zeugin trocken an, sie nehme Männer ohnehin nur noch ambulant und nicht mehr stationär bei sich auf.

Befragt zu der Schlägerei unter Männern vom vergangenen Februar in dem Lokal im Bezirk Bludenz, in dem sie arbeitet, gab die Kellnerin an, sie habe davon kaum etwas mitbekommen. Denn nach 35 Jahren in ihrem Beruf lasse sie sich durch Derartiges nicht mehr aus der Ruhe bringen, teilte nach ihrer Einvernahme die Zeugin auf dem Gerichtsgang mit. Sie habe in dem Job ihre Nerven schon vor 30 Jahren verloren. Deshalb könne sie ihre Nerven seither nicht mehr verlieren.

Verurteilt

Der vorbestrafte Erstangeklagte wurde am Ende der Gerichtsverhandlung wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 960 Euro (240 Tagessätze zu je vier Euro) verurteilt. Er hat einem Verletzten als Schadenersatz 300 Euro zu bezahlen. Vom Vollzug des offenen Strafrests aus einer Vorstrafe wurde abgesehen.

Der Zweitangeklagte wurde im Zweifel vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Das Opfer hatte seine belastenden polizeilichen Angaben vor Gericht relativiert. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig.

„Pizzeria-Milleu“

Opferanwalt Rico Folie sprach von einem „abgekarteten Spiel“, bei dem im „Pizzeria-Milieu“ von gebürtigen Südosteuropäern die Absicht verfolgt worden sei, dass sein Mandant ein Lokal nicht kaufen sollte. Das sei einem Konkurrenten gelungen. Sein Mandant sei geschlagen worden und habe danach auf den Kauf des Lokals verzichtet. Beim verurteilten Erstangeklagten soll es sich um einen Kellner des Konkurrenten handeln.

Richter Mitteregger schloss sich dem Privatbeteiligtenvertreter an und sagte, es sei darum gegangen, dem Interessenten für die Pizzeria mit Gewalt zu verdeutlichen, dass er die Finger davon lassen solle.

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