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Stil und Stilisierungen

"Die Zusammenarbeit klappte von Anfang an problemlos. Unsere Architektursprachen waren ziemlich kompatibel" (Michael Felder und Markus Innauer, Architekten)
"Die Zusammenarbeit klappte von Anfang an problemlos. Unsere Architektursprachen waren ziemlich kompatibel" (Michael Felder und Markus Innauer, Architekten) ©Petra Rainer
Bezau - Straight. Wohnhaus und Verkaufslokal zu verbinden, ist eine klassische Bauaufgabe in den Streusiedlungen des Bregenzerwaldes. Wie das innerhalb einer sehr schlanken und klar umrissenen Kubatur funktioniert und wie sich das mit einer Leidenschaft für klassisches Fahrzeugdesign verbindet, zeigt ein Bodenlegermeister aus Bezau.
Leben & Wohnen in Bezau

Der Wagen. An der Einfallstraße von der Wälder Bundesstraße zur Ortsmitte von Bezau steht vor dem eingeschoßigen Schauraum von „Stipo Holzfußböden“ ein sandfarbener Mercedes, beige Lederbezüge, schwarzes Armaturenbrett, ziemlich original, ziemlich klassisch. Wenn man die Nase auch an die Scheiben des Schauraums hält, zeigt sich eine vergleichbare ruhige Eleganz. Ein in technischem Anthrazit gehaltener Raum mit einigen Parkettflächen an der Wand, ein Schubladenkasten mit Mustern frei im Raum. Frische Blumen, kein Geschrei. Hinter der Rückwand verbirgt sich noch ein schmaler Büroraum und das wars dann schon mit dem Geschäft. Einen Namenszug sucht man vergeblich. Steht vorne, an der Straße.

Die sieben Meter Glasfassade springen leicht über einem Betonsockel vor und daneben führt eine tiefe Nische zum Geschäftseingang und weiter über einige Stufen zu einer glatten Tür in hellem Tannenholz. Wer dort läutet und begrüßt wird, entdeckt hinter dem Schauraum noch ein ganzes Haus. Das Grundstück war ziemlich schmal und so ist der eigentliche Wohnteil auf fünf Meter Breite reduziert. Auf das Geschäft folgen ein Wirtschaftsraum, dann eine Küche mit Essbereich und dahinter der Wohnraum mit breiter Terrasse. Die Straße ist erhöht und so geht sich unter dem Wohngeschoß noch ein Geschoß für Schlafzimmer, Bäder und Garage aus, die frei auf das angrenzende unbebaute Grundstück blicken. Die Fassade springt rund einen Meter zurück wodurch der mit senkrechten Holzlatten verkleidete Baukörper in schlanker Proportion über dem ebenen Wiesengrund schwebt und nur ganz vorne an der Straße andockt. Die Öffnungen sind in bewährter Weise zu Fensterbändern zusammengefasst, der Sturz mit Kupferblech verkleidet, wodurch eine sorgfältig proportionierte Gesamtform entsteht.

Das Bemühen um, und die Arbeit an einem beruhigten Erscheinungsbild setzen sich im Inneren fort und die ruhigen, klaren Oberflächen erzählen nur dem Wissenden von den vielen Stunden und den vielen, heute unsichtbaren Details. Was sichtbar ist, sind eine zeitgenössische Mischung aus gut gefügten Baukörpern ohne übertriebene Strenge, Tragstruktur und gepflegte Oberflächen, die von der Materialität, ausgesuchten Baustoffen und sehr viel Handwerklichkeit zeugen. Kein Wunder, denn der Bauherr, selbst Bodenlegermeister, Experte und Connaisseur gepflegter Holzoberflächen hat seine Kunst in sehr viel Eigenleistung und in ausgesuchte Lösungen fließen lassen. Zwölf Meter lange Eichenbretter am Boden, handgehobelt und vorsichtig gebürstet, sauber und samtig verarbeitete Tannenholzschalung an Wänden und Decken bedeuten eine moderne Interpretation der traditionellen Stuben und bringen auch durch eine dezent inszenierte Lichtführung den Wunsch nach Wohnlichkeit und Verbundenheit mit dem Handwerk zum Ausdruck. Im Schlafgeschoß wird die Tragkonstruktion als sandgestrahlter Beton sichtbar belassen. Diese steinerne Basis hat auch einen praktischen Grund. Aufgrund der Lage im Hochwassergebiet wurden alle Außenwände als dichte Betonwanne bis 60 cm hochgeführt. Die einfache Zimmerfolge wird durch das Innenfenster vom Bad ins Schlafzimmer belebt. So lässt sich von der Badewanne aus die Landschaft genießen.

Die Farbigkeit der Holzoberflächen, geölt, natur und teils gemalt, die Proportionen strahlen ziemlich genau jene Verbindung von pragmatischer Funktionalität und der kühlen Noblesse hochwertiger Materialien aus, die einst der Bauherr als stilistische Vorgabe mit dem deutschen Oldtimer signalisiert hatte.

Bei der Wahl der Planer konnte man sich nicht entscheiden und so fragte man kurzerhand beide um eine Zusammenarbeit. Die beiden Architekten kannten sich, der eine fast frisch von der Hochschule, der andere Mitarbeiter, später Partner in einem avancierten Innsbrucker Architekturbüro. In wenigen Sitzungen vor Ort und in Innsbruck entstand der Entwurf. Die Umsetzung wurde pragmatisch aufgeteilt. Michael Felder zeichnete Details, Markus Innauer die Polierplanung und traf die Entscheidungen vor Ort. Die Bauleitung und verschiedene anspruchsvolle Arbeiten im Innenausbau übernahm der Bauherr als versierter Handwerker selbst.

Wenn man heute wieder die Analogie zwischen Haus und Wagen befragt, hat sich einiges realisiert. Keine schlechte Idee, sich auf jene Dinge zu berufen, die das Herz höherschlagen lassen. Denn der Wagen hat Geschichte. Schon 1971 gebaut, war er Zeichen einer bürgerlichen Eleganz, die mit schnörkelloser Linienführung, einem Sechszylindermotor und gediegener Innenausstattung klar auf selbstbewusste Leistung setzte. Stefan Künzler hatte ihn 2005 von einem Dornbirner Unternehmer erworben. Nur kurze Zeit darauf war der Wagen weg. Das Hochwasser hatte ihn mitgerissen und vollkommen unter Wasser gesetzt. Es gab zwar ganz andere Probleme in diesen Tagen, aber sein Besitzer und wirklich gute Freunde haben ihn vollständig zerlegt, liebevoll restauriert und nur ein Jahr später in altem Glanz in Gang gesetzt. Die Affinität zu Stil und spröder Eleganz dieser Jahre, etwas Retro und die Begeisterung für Technik und Handwerk vermengen sich an Haus (und Wagen) zu einem Lebensgefühl, das sich wahrscheinlich nur am Objekt so zielsicher vermitteln lässt.

Daten & Fakten

  • Objekt: Haus mit Schauraum, Bezau
  • Bauherrschaft: Ursula Schwarzmann und Stefan Künzler, Stipo Fußböden, Beratung und Verkauf
  • Architekt: Markus Innauer, Bezau und ao-architekten, Innsbruck
  • Planer/Ingenieure: Bauphysik: Günter Meusburger, Schwarzenberg
  • Planung: 2011–2012
  • Ausführung: 2012–2013
  • Nutzfläche: 210 m² (davon Geschäft 60 m²)
  • Keller: 70 m²
  • Grundstücksgröße: 950 m²
  • Bauweise: Keller und Erdgeschoß: Massivbauweise; Obergeschoß: Holzelementbau; Keller: Teilunterkellerung; Garage: 45 m²; Heizung: Luftwärmepumpe, Kachelofen; Warmwasser: Solar
  • Besonderheiten: Kombination von Einfamilienhaus und Geschäftsbereich in einem Gebäude, sehr schmales und langes Grundstück, Holzdielenboden mit 12 m langen Dielen; hoher Anteil Eigenarbeit
  • Ausführung: Baumeisterarbeiten: Moosbrugger Bau, Andelsbuch; Zimmerer: Kaspar Greber, Bezau: Zimmerer/Fassade: Oliver Beer, Reuthe; Fenster: Timo, Bezau; Dachdecker/ Spengler: Moosbrugger, Bezau; Innenausbau: Tischlerei Künzler, Bizau und Oliver Beer, Reuthe; Küche: Tischlerei Michael Kaufmann, Reuthe; Innentüren: Leo Metzler, Bezau; Böden: Stipo Fußböden/Stiege/Innenausbau, Bezau; Heizung/ Lüftung dr’Wälderinstallateur, Bezau; Elektro: Michael Beer, Bezau; Schlosser: Figer Metallgestaltung, Bezau; Malerarbeiten Claudio Mätzler, Andelsbuch; Verputz: Josef Manser, Bezau; Kachelofen: Herbert Bolter, Alberschwende; Estrich: Martin Fischer, Hard; Fliesenleger: Peter Meusburger, Bezau; Polsterarbeiten: Johannes Mohr, Andelsbuch; Gartengestaltung; Daniel Meusburger, Bezau

Quelle: VN/ Leben & Wohnen

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

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