Stichwort: Der Alternative Nobelpreis

Der Alternative Nobelpreis wird seit 1980 jährlich zumeist an vier Preisträger vergeben. Ins Leben gerufen hat ihn der schwedisch-deutsche Philanthrop und Philatelist Jakob von Uexküll. Sie wird an Einzelpersonen und Organisationen vergeben, die mit praktischen Methoden für ein menschenwürdigeres Leben kämpfen, etwa in den Bereichen Menschenrechte, Abrüstung, Umweltschutz, Entwicklungshilfe, indigene Völker, Konsumentenschutz, Friedensforschung oder auch Wirtschaft, Bildung, Gesundheit.
Der alternative Nobelpreis

Dem 1944 in Uppsala geborenen und in Hamburg aufgewachsene Uexküll waren die traditionellen Nobelpreise zu sehr von westlichen und konservativen Preisträgern dominiert. Angesichts zunehmender ökologischer Probleme schlug er der Nobelstiftung in Schweden vor, einen neuen Nobelpreis in dieser Sparte zu vergeben, den er selbst finanzieren wollte. Als die Nobelstiftung ablehnte, stellte er den Alternativen Nobelpreis aus dem Erlös seiner geerbten Sammlung wertvoller Briefmarken über eine eigene Stiftung auf eigene Faust auf die Beine.

Wer den Preis bekommt, entscheidet eine international besetzte Jury. Der Preis ist insgesamt mit zwei Millionen schwedischen Kronen (216.826 Euro) dotiert, die sich die vier in einem Jahr Gewürdigten teilen. Häufig war in der Vergangenheit einer der vier Preise aber ein nicht-dotierter Ehrenpreis. Wie bei den traditionellen Nobelpreisen werden die Ehrungen im Frühherbst im Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums bekanntgegeben und im Dezember im Reichstagsgebäude (Parlament) feierlich überreicht.

Zu den Preisträgern zählten u.a.:

1984 die kenianische Umweltschützerin und Frauenpolitikerin Wangari Maathai und ihr Aufforstungsprojekt “Green Belt Movement”, die 20 Jahre später auch den Friedensnobelpreis bekam.

1987 der Norweger Johan Galtung, einer der Gründerväter der Friedens- und Konfliktforschung.

1994 die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (gestorben 2002) für ihren Einsatz für Kinderrechte.

Ebenfalls 1994 der ein Jahr später hingerichtete Ken Saro-Wiwa. Der Nigerianer versuchte mit seiner Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP), eine Autonomie für die Ogoni, die Sanierung ihrer durch die Erdölförderung geschädigten Gebiete sowie die Beteiligung der Bevölkerung an den Einnahmen aus der Erdölförderung zu erreichen. 1995 wurde er nach einem Schauprozess mit bestochene Zeugen erhängt.

1996 das Komitee der Soldatenmütter Russlands für ihren Mut bei der Verteidigung der gemeinsamen Menschenwürde von Russen und Tschetschenen im Tschetschenien-Krieg.

2004 Bianca Jagger, die Ex-Ehefrau des Rolling-Stones-Sängers Mick Jagger, für ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte.

2007 das Ehepaar Percy und Louise Schmeiser aus Kanada, bekanntgeworden durch ihre juristische Auseinandersetzung mit dem Gensaatgutkonzern Monsanto, “für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern, und dafür, dass sie die derzeitige ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts infrage stellen”.

Österreichische Empfänger des Alternativen Nobelpreises waren vor Bischof Erwin Kräutler 1983 der in Oberndorf bei Salzburg geborene Leopold Kohr (gestorben 1994), Philosoph, Volks- und Staatswissenschaftler sowie Vordenker der Umweltbewegung; sowie 1986 der Zukunftsforscher und Pionier der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung, Robert Jungk, der 1992 als Kandidat der Grünen bei der Bundespräsidentenwahl antrat. Die in der Schweiz geborene und aufgewachsene Ärztin Monika Hauser, die 2008 den Alternativen Nobelpreis für die Gründung der Organisation Medica Mondiale erhielt, die vergewaltigten Frauen in Kriegs-und Krisengebieten hilft, hat in Innsbruck Medizin studiert.

Jakob von Uexküll studierte Politik, Ökonomie und Philosophie. Von 1984 bis 1989 saß er für die Grünen im Europäischen Parlament. 1999 erhielt er den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. 2007 rief er gemeinsam mit dem deutschen Umweltaktivisten Herbert Girardet den international besetzten World Future Council (Weltzukunftsrat) aus 50 Mitgliedern ins Leben. Der Rat setzt sich für Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen ein und fördert entsprechende Politikansätze und deren Umsetzung.

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