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"Steuern radikal vereinfachen"

Schwarzach - "Zu 80 Prozent hausgemachte Ursachen" hat Steuerhinterziehung in den diesbezüglich gut vergleichbaren Ländern Österreich und Deutschland, so Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider von der Universität Linz.

Die Motivation, “es zu tun”, lässt sich in zwei große Bereiche gliedern: Während sich großkalibrige Hinterzieher in erster Linie bereichern wollen, ohne dafür zu arbeiten, handeln “kleine Steuersünder” eher aus Ärger über ein als zu kompliziert, vor allem als ungerecht empfundenes Steuersystem. Sie erbringen dafür jedoch eine “Gegenleistung”, indem sie schwarz arbeiten, also “pfuschen”.

Diesen Befund erstellt Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz. Der europaweit angesehene Experte auf dem Gebiet der Schattenwirtschaft und illegaler Finanzströme referierte Dienstag Abend auf Einladung des Verbandes Österreichischer Wirtschaftsakademiker (VÖWA), Landesgruppe Vorarlberg, und der Fachhochschule Vorarlberg ebendort vor rund 150 Interessierten.

In Österreich dürften dem Fiskus durch die beschriebene Kategorie kleiner Steuerhinterzieher im Jahr bis zu 700 Mill. Euro, durch entsprechende Strategien oberer Einkommensschichten bis zu 1,1 Mrd. Euro an Steuern entgehen. Empfehlung Schneiders an unsere neue Regierung deshalb: Den Höchststeuersatz von heute 50 Prozent auf maximal 45 Prozent zu senken, und diesen nicht schon ab 50.000 Euro, sondern „frühestens ab 80.000 Euro Einkommen zur Anwendung zu bringen“, so der Fachmann. Außerdem, so Schneiders Appell an Faymann, Pröll & Co., sollten „das Steuersystem radikal vereinfacht, die Sonderbehandlung des 13./14. abgeschafft und stattdessen das Gesamtjahreseinkommen mit einem niedrigeren Steuersatz belastet werden. Keiner würde unterm Strich weniger als heute verdienen, gekoppelt mit der ohnedies beabsichtigten Steuerreform könnte es sogar messbar mehr werden“ (Schneider).

Was das Ausmaß der Steuerhinterziehung betrifft, so hat sich Österreich im internationalen Vergleich von Rang 17 (d. h., in 16 Ländern wurde weniger hinterzogen) 2007 immerhin auf Rang 9 verbessert. Folgerichtig zu dieser Feststellung des Global Competitiveness Report hat auch das Ausmaß der Schattenwirtschaft (Pfusch) seit Jahren kontinuierlich abgenommen. „Der Höhepunkt datiert in 2004, als national Schwarzarbeit im Ausmaß von 23 Mrd. Euro bzw. 11 Prozent des BIP erbracht wurde – heuer fällt der Wert unter die 20 Mrd.-Schwelle bzw. auf 8,07 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts“, skizzierte Schneider den Trend. Da zwei Drittel der heimischen Pfuscher auch einen regulären Hauptberuf ausüben (in dem sie brav Steuern entrichten) und da sie zwei Drittel des „schwarz Verdienten“ wieder in den Wirtschaftskreislauf einbringen, habe Pfusch „eben auch einen nicht leugbaren Wohlfahrt steigernden Effekt“, konzedierte Schneider. Freilich werde Pfusch „systemgefährdend“, wenn er verglichen zum offiziellen BIP 10, 15 oder gar mehr Prozent erreicht.

Die Steuerschrauben weniger gnadenlos anziehen müsste man auch, wenn Österreich endlich eine Verwaltungsreform / Bundesstaatsreform gelänge. Ein entsprechend abgeschlankter und effizienter gestalteter Staat könnte laut Schneiders Einschätzung 2 Mrd. Euro einsparen (in der Legislaturperiode, nicht pro Jahr!), in zwei Perioden könnten bis zu 5 Mrd. „drin sein“.

Garantiert nicht steigern, so Schneider, lässt sich Steuermoral durch noch raffiniertere und peniblere Kontrollen. „Das wäre kontraproduktiv. Die höchste Steuermoral ist dann gegeben, wenn die Bürger sagen: Die Gegenleistung des Staates stimmt, also zahle ich anstandslos meine Steuern.“ Das Steuermodell der Niederlande z.B. könnte Österreich hier als Benchmark dienen, konkretisierte Prof. Schneider.

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