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Österreicher verdrängen Gedanken ans Älterwerden

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Ältere Menschen fühlen sich nicht alt. Sie erachten geistige und körperliche Mobilität als besonders wichtig. Während diese Einstellung die Lebensqualität bis ins hohe Alter erhält, führt sie auch oft zum Unterlassen von Vorkehrungen, die Unfällen vorbeugen können.

Dies zeigte eine Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), die am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt wurde. Die von der Akademie für Kultur Markt Medien Sport Köln (akm) durchgeführten Interviews förderten zutage, dass Senioren, die sich selber nur ungern so nennen lassen, das Gefühl des Älterwerdens eher verdrängen. Laut Andreas Marlovits von akm erkennen vor allem Pensionisten zunehmend die Möglichkeiten, die dieser neue Lebensabschnitt bietet. Und scheuen nicht davor zurück, von diesen zu profitieren, etwa in Form einer lange herbeigesehnten Weltreise.

Problematisch wird die Situation, wenn Freizeit-, Sport- oder Reiseaktivitäten zu einem krampfhaften “Sich-Jung-Machen” werden. Der Übergang vom “Aktiv-Sein” zum “Passiv-Werden” wird gerne verdrängt, entsprechende Maßnahmen unterlassen. “Barrierefreies Wohnen” wird von den wenigsten Mitgliedern der gefährdeten Zielgruppe der über 60-Jährigen umgesetzt. Zusätzliche Handläufe im Stiegenhaus oder Haltegriffe im Badezimmer werden als Symbole fürs “Hilflos-Werden” gefürchtet und nicht rechtzeitig angebracht.

Zu einer Auseinandersetzung mit dem Alter führen in der Regel erst körperliche oder seelische Leidensereignisse. Dazu zählen Unfälle, nach denen die Patienten zu Pflegefällen werden. Und die Gefahr dafür ist groß: Seit 1997 haben Unfälle mit tödlichem Ausgang bei Personen über 60 Jahren um rund ein Drittel zugenommen. Laut Freizeitunfallstatistik 2006 des KfV handelt es sich bei 95 Prozent aller Seniorenunfälle um Heim-, Freizeit- und Sportunfälle. Zwei Drittel davon passieren zu Hause, bei drei Viertel werden die Opfer durch Stürze verletzt.

Häufige Auslöser sind laut Othmar Thann vom KfV steile Treppen, rutschende Teppiche oder schlechte Beleuchtung – Umstände, die sich relativ einfach ändern lassen würden. Wäre dies der Fall, könnten laut Thann jährlich bis zu 40.000 Unfälle vermieden werden. Abgesehen von den Senioren, deren Selbstständigkeit dadurch länger erhalten bliebe, könnten dadurch erhebliche Kosteneinsparungen im Gesundheitsbereich erzielt werden.

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