Steinzeitlicher Abbauplatz entdeckt

Am Bärenkopf in Mittelberg wurde die höchstgelegene steinzeitliche Abbaustelle der Alpen entdeckt. Die Entdeckung gilt in wissenschaftlichen Fachkreisen als kleine Sensation.

Auf den Feuersteinmähdern am Bärenkopf in Mittelberg wurden sechs Radiolarit-Abbauplätze der Steinzeit freigelegt. Nach der Entdeckung und wissenschaftlichen Aushebung zweier Jäger-Lagerstätten aus der Mittelsteinzeit (zirka 7000 v. Chr.) am Schneiderküren und im Ortsteil Egg in den vergangenen Jahren, sind die Schürfstellen am Bärenkopf auf 1650 Metern Höhe ein weiterer wichtiger Mosaikstein in Vorarlbergs Frühgeschichte.

Die Steinzeitmenschen suchten die am Bärenkopf anstehenden Gesteinsbänder aus „Radiolarit“ um sich an Ort und Stelle mit dem Rohmaterial für die spätere Herstellung von Pfeilen, Schabern, Klingen etc. zu versorgen. „Dabei wurden mit einem so genannten Rillenschlegel ohne größere technische Probleme zirka 30 mal 30 cm große Stücke ausgeschlagen und an Ort und Stelle behauen, um gutes von schlechtem Material zu trennen“, erklärte der Entdecker Detlef Willand. Der Bruch bleibe übrig und sei auch heute noch als Abraumhalde sichtbar. Die „Kerne“ wurden zur späteren Herstellung für Klingen, Pfeilspitzen und Kratzern mitgenommen.

Sechs von 20 vermuteten Lagerstätten wurden nun unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Walter Leitner vom Institut für Ur- und Frühgeschichte in Innsbruck und dem Lagerstättengeologen Alexander Binsteiner freigelegt. „Wir konnten eindeutig beweisen, dass dies ein steinzeitlicher Abbauplatz war“, erklärte Prof. Leitner. Die Behauungsspuren und die gefundenen Geräte unterhalb der Schürfstellen würden auf die Mittelsteinzeit hinweisen, so der Tiroler Wissenschaftler. Sein Kollege Alexander Binsteiner spricht von einem „eindeutig beabsichtigten Abbau einer primären Lagerstätte“. Und zwar in einem weit größeren Ausmaß als die vor rund 9000 Jahren im Walsertal umherschweifenden Steinzeitjäger benötigt hätten. Kein Wunder, zeichnet sich der Walser Radiolarit durch eine hervorragende Qualität aus. Die Mengen des Abbaus und die Qualität des Gesteins legen nun die Vermutung nahe, dass die Steinzeitmenschen damit einen überregionalen Handel betrieben haben, so Detlef Willand.

Genährt werde diese These auch durch mehrere Ausstellungsfunde in Deutschland, die der Beschaffenheit des Walser Radiolarit entsprächen. Im kommenden Jahr werden die Fundstellen für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung exakt vermessen. Weitere Grabungen sind vorläufig nicht mehr geplant.

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