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Starker Euro als Exportbremse

Über den starken Euro gegenüber dem US-Dollar sprachen die "VN" mit Jürgen Rupp, diplomierter Finanzberater und Teamleiter Wertpapier-Beratung/Investmentbanking bei der Raiffeisen-Landesbank Vorarlberg.

Warum ist der Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar derzeit so hoch? Jürgen Rupp: Nach wie vor hält die US-Notenbank Fed wegen der Krise die Zinsen auf einem Tief von nahezu null Prozent. Dagegen hat die EZB die Zinsen nur auf ein Prozent gesenkt. Dieser Zinsvorteil macht Anlagen in Euro attraktiver und stärkt die Gemeinschaftswährung. Auch die US-Staatsverschuldung und das Handelsbilanzdefizit sowie teure Konjunkturprogramme drücken auf den US-Dollar.

Welche Gefahren birgt der starke Euro für die Konjunktur in Europa in sich? Jürgen Rupp: Die Schwäche des US-Dollar gegenüber dem Euro macht es für europäische Unternehmen schwierig, auf dem riesigen US-Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn der Kurs des Euro dauerhaft so hoch bleibt oder gar noch stärker wird, sind negative Effekte auf den europäischen Export nicht zu vermeiden.

Wer sind die Profiteure des hohen Euro? Jürgen Rupp: Die europäischen Verbraucher und Urlauber können sich freuen. Reisen in die USA sind derzeit ausgesprochen preiswert. Auch Daheimgebliebene sparen, weil der Wechselkurs-Effekt den Anstieg des Ölpreises dämpft. Auch Unternehmen welche ihre Rohstoffe im Dollarraum kaufen und ihre Produkte dann im europäischen Raum wieder verkaufen, können von der aktuellen Entwicklung profitieren.

Wer sind die Draufzahler des hohen Euro? Jürgen Rupp: Von der Dollar-Schwäche betroffen sind speziell Unternehmen, die die Herstellung ihrer Produkte in Euro bezahlen, den Kunden aber in US-Dollar fakturieren.

Ist der Dollar in Gefahr seine Rolle als Leitwährung zu verlieren? Jürgen Rupp: Auch für den US-Zentralbankchef Ben Bernanke besteht die Gefahr dass der US-Dollar langfristig seine Stellung als Leitwährung verlieren könnte. Jedoch besteht derzeit keine unmittelbare Bedrohung.

Wie können die Notenbanken gegensteuern? Jürgen Rupp: Die europäische Notenbank steht dieser Entwicklung derzeit hilflos gegenüber. Derzeit versuchen die europäischen Zentralbanker den Euro lediglich verbal zu schwächen. Nur die US-Notenbank Fed kann den Verfall des Dollar wirklich stoppen. Die Fed muss bald ein Signal geben, dass sie gewillt ist ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren.

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