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Staatsanwalt verlangt Höchststrafe für Helmut O.

Staatsanwalt Friedrich Kutschera ist mit den 20 Jahren Haft für Helmut O. nicht einverstanden, die ein Kremser Schwurgericht in der Nacht auf Mittwoch über den 56-jährigen Heurigenwirten verhängt hat. Bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung hatte der Ankläger Berufung gegen die Strafhöhe angekündigt. Er werde das Rechtsmittel "in jedem Fall ausführen", bekräftigte Kutschera Mittwochmittag gegenüber der APA: "Helmut O. hat lebenslang verdient."     Familie des Opfers erleichtert

Er finde, dass in diesem Fall einzig und allein die Höchststrafe schuld- und tatangemessen sei, gab Kutschera zu bedenken. “Die besondere Heimtücke der Tat, die besonders sorgfältige Tatvorbereitung und die katastrophalen Folgen für das Opfer kann man einfach nicht außer Acht lassen”, so der Staatsanwalt.

Der beliebte Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger hatte am 9. Februar 2008 eine mit einer an sich mehrfach tödlichen Dosis Strychnin präparierte Mon Cheri-Praline gegessen, die ihm laut nicht rechtskräftigem Urteil Helmut O. zukommen ließ, um sich – so der Tenor der Anklage – am Ortsvorsteher für die verzögerte Umwidmung seiner Grundstücke in Bauland zu revanchieren. Helmut O. bestreitet das aufs Entschiedenste.

Hirtzberger wird dem renommierten Gerichtsmediziner Christian Reiter zufolge bis an sein Lebensende ein Pflegefall bleiben. In Folge der Vergiftung sind laut Reiter “schwere, irreparable Schäden des Gehirngewebes” aufgetreten: “Es ist mit einer lebenslangen Behinderung zu rechnen.” Nach Darstellung der Ehefrau des Bürgermeisters, Renate Hirtzberger, liegt ihr Mann, der derzeit im Klinikum St. Pölten behandelt wird, in einer Art Wachkoma. Es gehe ihm “sehr schlecht”.

Nach dem Prozess um den vergifteten Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger bringt Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich (LKA NÖ) eine zivilrechtliche Unterlassungsklage gegen Nikolaus Rast, Verteidiger von Helmut O., ein. Wie der Polizist, maßgeblich mit den Ermittlungen in dem Fall betraut, der APA am Mittwoch sagte, habe Rast ihn bei seinen Ausführungen im Prozess als Lügner bezeichnet. “So lasse ich mich nicht hinstellen”, sagte Etz.

Sowohl in seinem Eröffnungsplädoyer wie seiner Schlussrede hatte Rast bei dem Prozess Kritik bei den Ermittlungen im Fall Hirtzberger an der Polizei geübt, namentlich dabei Etz genannt. “Ich habe meine Arbeit immer ordentlich gemacht, Belobigungen bekommen, es gab nie eine disziplinäre Verfehlung”, so Etz zur APA. Neben einer zivilrechtlichen Unterlassungsklage gegen Rast werde es auch eine Mitteilung an die Anwaltskammer geben, sagte Etz.

Rast habe Etz “vor einem größeren Publikum” im Gerichtssaal als Lügner bezeichnet. “Ich lasse mir nicht in den Mund legen, dass ich bewusst etwas Falsches gesagt habe”, so Etz. Er toleriere, wenn die Verteidigung mit gewisser Robustheit Behauptungen aufstelle, “aber ich lasse mich nicht der Lüge bezichtigen”, erläuterte der Kriminalbeamte. Etz verwies zudem auf das “eindeutige Urteil” der Geschworenen.

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