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St. Gallen: Geothermie-Bohrloch abgedichtet - 77 Schäden gemeldet

Schweiz stoppt Tiefenbohrung nach Erdbeben
Schweiz stoppt Tiefenbohrung nach Erdbeben ©Stadt St. Gallen
St. Gallen (CH) - Das Bohrloch in St. Gallen ist abgedichtet. Nun beginnt die Suche nach den Ursachen des Erdbebens, das am letzten Samstag durch Bohrungen in über 4000 Metern Tiefe ausgelöst wurde und zum sofortigen Stopp des Geothermie-Projekts geführt hat.
Geothermie-Projekt vorläufig gestoppt
Testbohrungen lösen Erdbeben aus

Bisher wurden 77 Schäden gemeldet. Die Schadensmeldungen reichten von zerbrochenen Vasen bis zu Rissen in Fassaden, schreibt die Stadt St. Gallen in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Untersuchungen können beginnen

Die Untersuchungen, welche als wichtige Grundlage für weitere Entscheidung dienten, könnten nun beginnen. Weil Experten annehmen, dass im Untergrund Gas vorhanden ist, wurden die Tests im ursprünglich vorgesehen Airlift-Verfahren gestoppt.

Das Equipement werde abgebaut, was mehrere Tage daure und keine Konsequenzen darauf habe, wie es mit dem Geothermie-Projekt weitergehen soll, heißt es weiter.

Geothermie-Webcam:

25 Nachbeben in St. Gallen

Seit dem Erdbeben der Stärke 3,6 vom frühen Samstagmorgen ist es in St. Gallen zu 25 Nachbeben gekommen. Dabei handelte es sich um Mikrobeben, also kleine Erdbeben, wie der Schweizerische Erdbebendienst (SED) auf seiner Website schreibt.

Andere Projekte werden weitergeführt

Die anderen Geothermie-Projekte in der Schweiz sollen trotz des Erdbebens fortgeführt werden. Die Westschweizer Energiekonzern EOS und Romande Energie etwa sehen ihr Geothermie-Projekt in Lavey-les-Bains VD nicht grundsätzlich in Frage gestellt, wie sie auf Anfrage sagten. Am Waadtländer Standort werde weniger tief gebohrt als in St. Gallen, zudem bestehe die Gefahr eines Gasaustritts nicht.

Laut Thierry Lainé, Direktor der Entwicklungsabteilung bei EOS, bleibt die Geothermie im Hinblick auf die Energiewende eine der glaubwürdigen erneuerbaren Energien. In Bezug auf die in St. Gallen durch die Bohrungen ausgelösten Erdbeben müsse man genau verstehen und analysieren, was im Detail passiert sei.

Ähnlich äußerte sich auch die Firma Geo-Energie Suisse. Der Energiekonzern Axpo, der mehrere Geothermie-Kraftwerke plant, schreibt auf Anfrage, er verfolge die Ereignisse in St. Gallen “mit großem Interesse”. Die Axpo wolle “zu diesem frühen Zeitpunkt” aber nicht über Ursachen und Konsequenzen des Vorfalls spekulieren.

ETH-Professor fordert mehr Forschung

ETH-Professor Domenico Giardini sagte in Zeitungsinterviews, es wäre “grundfalsch”, wegen der Erdbeben in St. Gallen und zuvor in Basel auf die Förderung der Geothermie zu verzichten. Gerade jetzt müsse man noch mehr forschen und in Tests investieren, wenn man eines Tages den Atomstrom mit erneuerbaren Energien ersetzen wolle.

Natürlich müsse man alles dafür tun, solche “Zwischenfälle” wie in St. Gallen zu vermeiden. Doch man könne auch viel daraus lernen. “Es wäre tragisch, wenn wir die enormen Energiereserven unter unseren Füßen deshalb ungenutzt ließen.”

Zudem sind aus Sicht des ETH-Delegierten für Tiefengeothermie größere, vom Bund koordinierte Projekte wichtig. Mit diesen ließen sich im Hinblick auf die Energiewende entsprechende Mengen an Elektrizität für den nationalen Strommarkt produzieren.

Giardini: “Schweiz hinkt massiv hinterher”

“Hier hinkt die Schweiz massiv hinterher, es ist kein einziges Projekt in der Umsetzung, mit dem in absehbarer Zukunft bedeutende Mengen an Strom erzeugt werden könnten.” Andere Länder wie Italien, Indonesien, die USA oder Island seien da schon viel weiter, so Giardini weiter.

Meier: “Es wird immer Erschütterungen geben”

Für den Chef von Geo-Energie Suisse, Peter Meier, sei das Erdbeben in St. Gallen eine “mäßige Überraschung” gewesen. Es werde bei Geothermie-Projekten immer Erschütterungen geben, sagte er. Ziel sei es aber, diese gering zu halten und Schäden zu vermeiden.

Stärke des Bebens überraschend

Überraschend sei hingegen die Stärke des Erdbebens, sagte Meier. Nun müsse untersucht werden, wie es dazu gekommen sei. “Diese Resultate werden in unsere laufenden Risikostudien einfließen”, sagte Meier. Er geht aber davon aus, dass sich “nicht viel” ändern werde.

Die Technologie an sich werde durch das Erdbeben nicht in Frage gestellt, sagte Meier. Allerdings stehe die Akzeptanz durch die Bevölkerung wieder im Zentrum. “Solche Erschütterungen sind sehr unangenehm, vor allem, weil man häufig auch einen Knall hört”, sagte Meier. Dies mache Angst.

Geothermie biete aber viele Vorteile: Anders als etwa Photovoltaik könne rund um die Uhr Strom produziert werden. Es brauche nun mehr Pilotprojekte und mehr Bohrungen, damit die Forschung vorangetrieben werden könne. “Das Problem lässt sich nicht im Elfenbeinturm lösen”, sagte Meier.

Geomethrie: Ökologische Energie aus der Tiefe – Daten & Fakten zum Thema.

(sda/ red)

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