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Spurensuche: Mellau, Wien, Grönland und dann . . .

Barbara Vögel vor ihren Collagen.
Barbara Vögel vor ihren Collagen. ©Pilo Pichler
Spurensuche

Die Mellauer Künstlerin Barbara Vögel lebt seit über 30 Jahren in Städten und arbeitet am liebsten in der Nacht.Vor über 6 Jahren wechselte Barbara Vögel aus der Filmbranche, wo sie Castings machte, via längerem Grönland-Aufenthalt zur Kunst über. Ihre Collagen entstehen aus kleinen Fundstücken, die so, wie sie von Barbara Vögel gefunden werden, also im Rohzustand, verarbeitet werden. Vor kurzem besuchte sie ihr Heimatdorf, um mit der Familie die diamantene Hochzeit der Eltern zu feiern.

Nach Mellau zu kommen bedeutet für Sie?Barbara Vögel. Eintauchen in eine völlig andere Welt. Ich lebe ja in zwei verschiedenen Welten. Großstadt und Dorf. Und an jedem Ort wird eine andere Sprache gesprochen. Nach Hause kommen bedeutet – mich anlehnen an den Herzschlag von Eltern, Familie und Dorf und ein Weilchen mitklopfen. Im Sommer und zu Weihnachten kommt jedes Jahr die ganze Familie in Mellau zusammen und das Haus platzt aus den Nähten. In allen Ecken Matrazen, Bücher, Gwand. Französisch-wienerischdeutsch-wälderische Gespräche. Es geht turbulent und laut zu und in der Küche ist Dauerbetrieb. Leider gibt es so einiges, was ich an Mellau sehr mochte, nicht mehr, allem voran “meine alte Tenne” aus den frühen 70er-Jahren. Mein zweites Zuhause und für immer ein Ort meines Herzens mit allem, was dazu gehört. Als sie vor einigen Jahren abgerissen werden musste, saß ich traurig in Wien, zog mich dem Anlass entsprechend schwarz an und verdrückte einige Tränen.

Das Leben in Wien?Barbara Vögel. Mein Leben in Wien ist ein vollkommen anderes. Ich mag die Stadt, lebe ja schon seit 33 Jahren überhaupt in Städten. Wenn ich mit dem Nachtzug früh am Morgen ankomme und mit dem Taxi die Mariahilferstraße hinunterfahre, geht mir immer noch das Herz auf. Totale Vertrautheit. Wien war und ist mein Arbeitsplatz. Da arbeite ich an meinen Collagen. Immer Nachts. Die Nacht gehört mir. Als meine große Ausstellung im ESSL-MUSEUM stattfand – und die 32 auszustellenden Collagen bei mir abgeholt werden sollten, wurde die letzte gegen 6 Uhr in der Früh fertig. Genau auf diese Collage – Herzensthema “Buddhas von Bamyian” – gab es auch einen “run”.

Sie finden und sammeln, wohin geht Ihr Blick?Barbara Vögel. Vorab: die Dinge finden mich. Es ist nicht so, dass ich ständig mit gesenktem Blick durch die Welt gehe, ganz im Gegenteil, eher nach oben schaue, in den schönen, oft wilden Wiener Stadt-Himmel. Meine Augen scannen Straßen, Orte, Plätze und Räume – meine gesamte Umgebung ab, ohne angestrengt hinzusehen. Ich rieche die Fundstücke – “meine Beute” – buchstäblich. Fände es seltsam, auf der Straße herumzulaufen und bewusst nach Sachen zu suchen. Die Fundstücke schmeiße ich dann scheinbar “achtlos” in einen Sack und es kann lange dauern, bis ich ihn ausleere und der kreative Prozess in Kopf, Körper und Herz beginnt. Auf meinen Collagen fin­den diese kleinen Fundstücke aus aller Welt in einem langen, spannen­den Arbeitsprozess schlussendlich zu einer Geschichte zusammen, die ich linkshändig auf dem Bild betitle, obwohl ich “rasende Rechtshänderin” bin, oder vielleicht gerade deswegen. Das ganz, ganz große Glück, wenn eine neue Collage vor mir fertig auf dem Boden liegt und heftiger Klebstoffgeruch meine Nase umweht.

Neue Arbeiten?Barbara Vögel. Meine Fundstücke aufnähen, “versticken”, auf Stoffe applizieren. Damit experimentiere ich gerade. Auf meinen Reisen entdeckte ich, wie ähnlich sich Stickereien z.B. aus Afghanistan, Indien, Marokko, vielen anderen Ländern und denen an unseren Juppenteilen sind. Und in meiner Phantasie vermischen sie sich, überschreiten wunderbar-mühelos alle Ländergren­zen. Probier jetzt einiges bis zur nächsten Ausstellung aus. Andere Länder und Menschen, reisen – ist künstlerisch und menschlich unglaublich inspirierend und ich wünschte, noch viel mehr unterwegs sein zu können. Ein weiteres Projekt betrifft eine Wander-Ausstellung meiner Grönland-Collagen außerhalb von Österreich im nächsten Jahr. Da gibt es eine interessante Anfrage und ich hoffe, es klappt.

Was sind Ihr Pläne?Barbara Vögel. Mein Leben sind “Drittel-Stücke”. Drei Drittel Leben hab ich. Zwei davon sind sozusagen gelebt. Die Mellau-Zeit. Die Wien-Zeit. Ich will mit der Zeit noch das dritte Drittel finden (mich finden lassen). Ein Lebensgefühl, einen Ort/mehrere Orte, Menschen – wo ich, wie gesagt, noch mehr von dem leben kann, was mich heute ausmacht. Natürlich möchte ich weiterhin künstlerisch tätig sein und davon leben können. Tolle und spannende Projekte – sehr gern auch im Ausland – realisieren. Und sie werden immer mit suchen-finden-auftauchen-verschwinden-versinken-entdecken zu tun haben. Spurensuche. Ja. I follow the tracks!

Mehr über Barbara Vögel auf www.barbara-voegel.com (also available in english).

Zur Person:Barbara VögelGeboren: in MellauWohnort: WienAusbildung: Filme, Bücher, Musik, Ausstellungen, Reisen, interessante LeuteAusstellungen: “Waiting” – Galerie Ruth Maier, Wien, “Short Pornos” – Mican-Film, Wien, “AustriaconTemporary – Essl-Museum, Klosterneuburg, “Wir leben und arbeiten in Wien” – Galerie51, Wien

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