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Springsteen beendet Tour

Ein Sänger, eine Gitarre, eine Mundharmonika. Ein altes Klavier oder eine ächzende Pumporgel. Ein Kronenleuchter und etwas warmes Licht auf der Bühne.

Mehr braucht es nicht, um selbst einen absolut charmefreien Hörsaal zu einer gemütlichen Kaschemme zu machen, in der ein Geschichtenerzähler seine in 55 Jahren gesammelten Lebensweisheiten zum Besten gibt. Ja, wenn der „Storyteller“ Bruce Springsteen heißt. Springsteen, von seinen Fans liebevoll „der Boss“ genannt und ausdauernd „Bruuuce“ gerufen, schaffte am Dienstagabend zum Abschluss seiner Deutschlandtournee im Berliner Kongresszentrum ICC das fast Unmögliche. Ein gebanntes, gelegentlich tief gerührtes Publikum ließ sich auf eine staubige Veranda in der Prärie, in eine ärmliche US- Kleinstadt oder an das Ufer des amerikanisch-mexikanischen Grenzflusses Matamoros versetzen – und wachte erst nach zweieinhalb Stunden aus einem Traum von Konzert wieder auf. Wer den Mann aus New Jersey bisher nur als ekstatischen Rocker mit der legendären E-Street-Band kannte, musste bei den diesjährigen Solo-Konzerten umdenken. Aufs Nötigste reduziert, teilweise fast nackt erklangen auch Songklassiker wie „The rising“ oder „This hard land“. Die immer noch kraftvolle Stimme knarrte und knurrte wie bei Tom Waits oder Bob Dylan, kippte oft ins Falsett oder zu einem wölfischen Heulen.

Neues Material präsentierte Springsteen noch karger und sensibler als auf dem meisterlichen Album „Devils and dust“. Viele unsterbliche Songs hat der überzeugte Patriot und aufrechte Bürgerrechtler Springsteen in 35 Jahren komponiert – die ganz besondere Magie geht aber von der Bescheidenheit und Glaubwürdigkeit aus, mit der er diese Lieder präsentiert. Man nimmt es ihm einfach ab, wenn er sich – selbst tief gläubig – über den Religionsfundamentalismus in den Staaten mokiert oder wenn er das Elend mexikanischer Wirtschaftsflüchtlinge beklagt. Ebenso authentisch gelangen intime Klavierballaden wie „Real world“ oder das eindringliche „Jesus was an only son“.

Zum Abschluss eines atemberaubend intensiven Konzerts – nach einem halben Dutzend Zugaben – konnte sich Springsteen gar die Lässigkeit erlauben, eine Coverversion zur großen Abschiedshymne auszuschmücken. Anstatt die Fans mit einem von mehreren hundert Springsteen-Songs nach Hause zu schicken, wählte er das dramatische „Dream baby dream“ der Elektrorocker Suicide als zehnminütiges Wiegenlied. „Ich will Dich lächeln sehen“, lauteten die melancholischen letzten Textzeilen des Abends. Mission erfüllt. Auch als kaltes Neonlicht den ICC-Saal durchflutete, mochte die Magie noch nicht weichen.

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