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„Spiel auf Zeit, auf Kosten der Kinder“

Betroffene Familien kämpfen weiter für den Erhalt der Dornbirner Station.
Betroffene Familien kämpfen weiter für den Erhalt der Dornbirner Station. ©VOL.AT/Hartinger
Kinder-Onkologie Dornbirn: Der in den Medien kolportierte „Hoffnungsschimmer“ brachte für betroffene Eltern das Fass zum Überlaufen – Kritik auch von Ärzteseite.

von Joachim Mangard/Wann & Wo

Vergangene Woche wandte sich die Gruppe betroffener Eltern im Bereich der Kinder-Onkologie Dornbirn an WANN & WO. „Hier wird auf Zeit gespielt, und das auf Kosten unserer Kinder“, lautet der Vorwurf einer lieber anonym bleibenden Mutter. Die Angst geht um, einerseits trauen sich Eltern nicht mehr öffentlich gegen die Schließung aufzutreten, aus Furcht, nicht mehr die optimale Betreuung zu erhalten. Andererseits solle innerhalb des Krankenhauses ein „Maulkorb“ für behandelnde Ärzte und Personal gelten. Auch ein im Unterland lebender Kinderarzt formuliert anonyme, heftige Kritik: „Es wird mit allen Mitteln versucht, eine hervorragende Einrichtung mit einem qualifizierten und erfahrenen Team aus Kostengründen einzustampfen. Die Argumentation, dass eine Kooperation mit St. Gallen mit erheblichen Schwierigkeiten, besonders in Bezug auf qualitative Behandlungs- und Versorgungsmethoden, verbunden wäre, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Auch ein Infragestellen der Qualität in der Schweiz halte ich persönlich für eine Frechheit und Augenauswischerei gegenüber der Bevölkerung und besonders gegenüber den betroffenen Kindern und deren Familien.“ Kritisch sehe er außerdem die vom Land angesprochene Ausbildung einer Ärztin in Innsbruck, da diese erst in einigen Jahren zum Zug kommen würde. Eine Zeitspanne, die wohl das endgültige Aus für die bisherig bestens funktionierende Einrichtung in der Messestadt bedeuten würde.

„Eine Kooperation bestand früher schon“

In dieselbe Kerbe schlägt Prim. I.r. Mr. Dr. Günther Hächl, ehemaliger Leiter der Kinderabteilung im LKH Bregenz: „Während meiner Zeit in der Landeshauptstadt bestand schon eine Kooperation mit dem Kinderspital St. Gallen, sowohl im chirurgischen, als auch im onkologischen Bereich. Die chirurgischen Eingriffe wurden von der GKK mitgetragen.“

“Im Einzelfall entscheiden”

Besonders sauer aufgestoßen habe ihm die Art des Informationsflusses und ein für ihn unverständliches Manko an Gesprächsbereitschaft: „Ich habe das Gefühl, dass in der aktuellen Debatte andere Interessen in den Vordergrund gerückt werden – zulasten betroffener Kinder. Gerade in so spezifischen Behandlungen muss im Einzelfall entschieden werden. Kommunikation untereinander ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Station in Dornbirn kann auf langjährige Erfahrung zurückblicken. Im Sinne aller Beteiligten wäre eine Kooperation mit dem Kinderspital in St. Gallen sicherlich die beste Lösung. Wenn sogar die Möglichkeit besteht, dass Kapazitäten aus der Schweiz nach Dornbirn in der Übergangszeit, bis neue Kinder-Onkologen gefunden werden, ausgelagert werden, sollte man dies unbedingt verfolgen. Und man muss sich klar überlegen, was in Dornbirn durchführbar ist und was nicht,“ führt der in Wolfurt lebende, ehemalige Primar fort. Auch eine „Leih-Lösung“ wäre für den erfahrenen Mediziner denkbar: „Als wir in Bregenz damals am Anfang standen, hatten wir ebenfalls keine Fachärzte. Wir erzielten aber eine Einigung mit Innsbruck, die uns damals über ein halbes Jahr mit zwei Fachärzten leihweise ausgeholfen haben. Ich glaube, eine ähnliche Lösung wäre im Sinne aller Beteiligten.“

Widersprüchliche Aussagen

Einen besonders bitteren Beigeschmack hat die Aussage des St. Galler Kinderspitals: Auf WANN & WO-Anfrage gab es bis zum vergangenen Donnerstag keine einzige offizielle Anfrage bzgl. einer Hilfestellung von Seiten des Landes Vorarlberg – im krassen Gegensatz zur ersten Antwort von LR Bernhard im nebenstehenden Interview. WANN & WO wird sich in den folgenden Ausgaben weiter brisanten Themen rund um die Kinder-Onkologie Dornbirn widmen.

“Keine offizielle Anfrage aus Vorarlberg”

Guido Bucher, Direktor und Vorsitzender der Spitalleitung, Stiftung Ostschweizer Kinderspital: „Das Ostschweizer Kinderspital hat Gesprächsbereitschaft sowie auch grundsätzliche Bereitschaft zur Hilfestellung signalisiert, falls sich in Vorarlberg ein Bedarf zeigt. Bis zum heutigen Tag (Stand Donnerstag) gab es keine offizielle Anfrage für eine Hilfestellung. Das Ostschweizer Kinderspital hat dies zu respektieren und wird von sich aus nicht aktiv.“

Die gesamte Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

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