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Spanien und Frankreich hofieren Gaddafi - Libyen winkt mit Milliarden

Zur Begrüßung von Muammar al-Gaddafi in Spanien reichte König Juan Carlos dem libyschen Regimechef die Hand. Die Nationalhymnen wurden gespielt und 21 Salutschüsse abgefeuert.

Gemeinsam schritten der Monarch und der Revolutionsführer eine militärische Ehrenformation ab. Im Garten des Pardo-Palasts vor den Toren Madrids war für Gaddafi ein großes Beduinenzelt aufgeschlagen worden. Zur Nachtruhe zog er sich in die Gemächer des Palasts zurück, in dem einst der spanische Diktator Francisco Franco (1939-1975) gelebt hatte und jetzt Staatsgäste untergebracht werden.

Nach Frankreich nahm auch Spanien den vor wenigen Jahren noch international isolierten Gaddafi mit Ehren auf. Libyen plant eine umfassende wirtschaftliche Modernisierung und winkt mit üppigen Aufträgen und Öl-Milliarden. Da wollen Paris und Madrid sich rechtzeitig ein Stück vom Kuchen sichern. Frankreich erhielt von Gaddafi vorläufige Zusagen für Aufträge zur Lieferung von Airbussen, Waffen und Atomkraftwerken im Wert von über zehn Milliarden Euro. Allerdings gab es auch heftige Proteste. Nicht nur Politiker der Opposition, sondern auch Mitglieder der Pariser Regierung übten scharfe Kritik an dem Empfang, der dem Diktator bereitet wurde.

In Spanien fiel alles eine Nummer kleiner aus als beim nördlichen Nachbarn. Spanischen Unternehmen stellte Gaddafi keine konkreten Aufträge in Aussicht, sondern nur eine Öffnung der libyschen Märkte. Die Spanier können sich in Libyen an der Modernisierung der Infrastruktur beteiligen oder im Tourismus investieren. Ihnen winken Geschäfte mit einem Volumen von bis zu zwölf Milliarden Euro, aber die entsprechenden Aufträge dazu müssen sie sich erst noch ergattern.

Anders als in Frankreich stieß der Gaddafi-Besuch bei den Politikern in Spanien kaum auf Kritik. Die Sozialisten sahen sich der Parteisolidarität mit Ministerpräsident José Luis Rodróguez Zapatero verpflichtet. Aber auch die konservative Volkspartei verbat sich jeden Protest, nachdem ihr Ehrenpräsident José Maróa Aznar sich mit Gaddafi zum Abendessen getroffen hatte.

In der spanischen Presse dagegen löste der Empfang für Gaddafi fast einhellige Proteste aus. Die mit Zapatero sympathisierende Zeitung „El Paós“ erinnerte daran, dass die EU erst kürzlich auf ihrem Afrika-Gipfel in Lissabon von Präsident Robert Mugabe in Simbabwe Demokratie und Wahrung der Menschenrechte eingefordert hatte. „Gaddafis Europa-Tour fügt der Sache der Demokratie in Afrika schweren Schaden zu“, meinte die linksliberale Zeitung am Dienstag.

Die konservative Konkurrenzblatt „ABC“ charakterisierte Gaddafi als eine „groteske und dekadente Persönlichkeit“. Es bezweifelt, dass die spanische Wirtschaft großen Nutzen aus der Öffnung der libyschen Märkte ziehen wird: „In Einzelfällen kann der Empfang eines Diktators akzeptabel sein, aber dann muss es sich auch lohnen.“

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