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Spanien: "Schwedische Verhältnisse"

Am Weltfrauentag Anfang März versprach der spanische Sozialist José Luis Rodróguez Zapatero, dass seiner Regierung ebenso viele Frauen angehören werden wie Männer.

Damals maß dem niemand Bedeutung bei. In.Spanien herrschte Wahlkampf, und ein Sieg der Sozialisten schien ausgeschlossen. Aber Zapatero gewann überraschend die Wahlen und hielt Wort.

Die neue spanische Regierung, die am Sonntag ihr Amt antrat, besteht aus jeweils acht Ministern und Ministerinnen. So etwas hat es in der spanischen Geschichte noch nie gegeben. Das „Macho-Land“ Spanien schließt damit zu Schweden auf, das beim Frauenanteil in der Regierung weltweit zu den führenden Staaten gehört. Die Spanier übertreffen sogar Länder wie Dänemark oder Norwegen, die sich seit Jahren ihrer Frauenrechte rühmen.

Mit der Juristin Maróa Teresa Fernàndez de la Vega ernannte Zapatero eine Frau zu seinem „Vize“. Auch dies ist ein Novum in der spanischen Geschichte. Die paritätische Besetzung des Kabinetts bedeutet einen enormen Sprung nach vorn für Rechte der spanischen Frauen. Vor 30 Jahren, als in Spanien noch die Franco-Diktatur (1939- 1975) herrschte, waren die Spanierinnen praktisch entrechtet und in fast allen Bereichen der Gesellschaft dem Mann unterworfen gewesen.

Erst 1981 wurde die Möglichkeit der Ehescheidung eingeführt, was als eine der ersten Errungenschaften der Demokratie gefeiert wurde. Die Politik galt allerdings auch damals noch als „reine Männersache“. Die Spanierinnen mussten bis 1988 darauf warten, dass erstmals Frauen dauerhaft ins Kabinett berufen wurden. Bis in die 90er Jahre überschritt der Anteil der weibliche Abgeordneten in den Parlamenten kaum die Sechs-Prozent-Marke.

Erst in den letzten Jahren setzte ein Umdenken ein – nicht nur bei den Linken, sondern auch bei den Konservativen. José Maróa Aznar berief nach seiner Wahl 1996 zum Regierungschef zur allgemeinen Überraschung vier Frauen ins Kabinett. Bei den Wahlen vor gut einem Monat zogen 126 Kandidatinnen ins Parlament ein. Damit beträgt der Frauenanteil jetzt 36 Prozent, mehr als je zuvor.

Allerdings weist Spanien bei den Frauenrechten eine Reihe von Defiziten auf. Der Staat gewährt für Familien weniger Hilfen als die meisten anderen EU-Länder. Dies hat für die Frauen eine Doppelbelastung von Arbeit und Haushalt zur Folge. „Die Spanierinnen sind die am stärksten gestressten Frauen in Europa“, schreibt das Magazin „Tiempo“.

Die Diskriminierung von Frauen bei den Löhnen ist stärker ausgeprägt als in anderen EU-Staaten. 28 Prozent der Spanierinnen werden trotz gleicher Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Ein Dauerproblem ist die Gewalt gegen Frauen. 2003 wurden über 80 Spanierinnen von ihren Ehemännern oder Partnern ermordet. Dieses Themas will sich die Zapatero-Regierung gleich in ihrem ersten Gesetzesvorhaben annehmen.

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