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Spanien: Bombe neben Bahnschienen

Auf der Strecke der Hochgeschwindigkeitszüge AVE zwischen der spanischen Hauptstadt Madrid und Sevilla in Andalusien ist am Freitag ein Sprengkörper entdeckt worden.

Knapp eine halbe Stunde vor der Ankunft in Madrid bremst der Hochgeschwindigkeitszug ab. Der AVE hält außerplanmäßig im Dorf Mora bei Toledo. Über Lautsprecher erfahren die Fahrgäste, dass der Superschnellzug „aus technischen Gründen“ in dem Dorfbahnhof einen Halt einlegt. Dass an der Strecke eine Bombe entdeckt und der Zug deshalb gestoppt wurde, sagt man den Fahrgästen nicht.

Die Nachricht vom Bombenfund an den Bahnschienen ruft bei vielen Spaniern die schrecklichen Bildern von den Anschlägen vom 11. März auf vier Madrider Vorortszüge mit 191 Toten in Erinnerung. Ob die Bombe am Schienenstrang etwas mit dem Blutbad zu tun hat, weiß zunächst niemand. Der gefundene Sprengstoff war nach ersten Angaben der Polizei identisch. Aber die Bombe neben der Bahnstrecke war anders gebaut als die Sprengsätze, die in den Pendlerzügen explodierten. Die jetzt entdeckte Bombe war zudem unvollständig, denn es fehlte der Zündstoff.

Viele Reisende waren verärgert, weil ihnen der Start in die Osterferien vermasselt worden war. Die Passagiere des AVE-Zugs Sevilla-Madrid waren eigens früh losgefahren, weil sie bis Mittag in der Hauptstadt sein wollten. Aber statt mit 300 Stundenkilometern über die Hochebene der La Mancha zu rasen, standen sie nun in der Dorfstation und wussten nicht warum. Erst einige Zeit später kam die Durchsage: „Der Zug hält aus Sicherheitsgründen.“

„Wir mussten etwa zweieinhalb Stunden warten“, berichtete Antonio Garcóa. „Im Bordrestaurant gab es bald nichts mehr zu essen, und an der Bar keine Getränke.“ Erst am Nachmittag charterte die Bahngesellschaft RENFE eine größere Flotte von Bussen, um festsitzende Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen. Dies war nicht leicht, denn in Spanien begannen am Freitag die Osterferien. Die Züge waren voll besetzt und freie Busse nur schwer aufzutreiben.

Insgesamt etwa 1600 Passagiere saßen in ihren Zügen auf der Strecke Madrid-Sevilla fest. Hinzu kamen Hunderte von Menschen, die in Sevilla, Cordoba und Madrid vergeblich auf ihre Züge warteten. An den Schaltern standen aufgebrachte Reisende Schlange, die ihr Geld zurückhaben wollten. „Wir haben nur über unsere Handys erfahren, was eigentlich los war“, beklagte sich Francisco Gonzalez im Atocha-Bahnhof. „Das ist eine Schande.“ Die Bahn begründete ihre Zurückhaltung damit, dass sie keine Panik schüren wollte.

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