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SP-Politiker für HIV-Zwangstests

Mit einem offenbar sachlich ziemlich umstrittenen Vorschlag meldeten sich am Sonntag SP-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni und SP-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser, eine Ärztin von Beruf, zu Wort.

Aggressive Menschen bei Amtshandlungen durch Polizei oder durch die Rettung sollten zwangsweise auf HIV getestet werden können. Für Dennis Beck, Obmann der Aids-Hilfe Wien, ist das undenkbar. „Das bringt den Betroffenen nichts!“, erklärte er am Montag gegenüber der APA.

„Attacken mit Spritzen, Drohungen mit Hepatitis-C, und HIV-positiv, kratzen, beißen und spucken – längst Alltag im Polizei-und Rettungswesen. Tragisch wird es dann, wenn ein Einsatzbeamter oder Sanitäter verletzt wird und er Monate nicht weiß ob er mit HIV, Hepatitis-C oder ähnlichem infiziert wurde: Es ist nicht möglich, den Verursacher zur Blutabnahme vorzuführen“, zeichneten die Nationalratsabgeordneten in einer Aussendung ihr offenbar düsteres Bild der Sicherheitslage in Österreich. Es sollten auch gleich Sicherheitspolizei- und Ärztegesetz entsprechend geändert werden.

Für Dennis Beck ist dieser Vorschlag völlig unverständlich und entbehrt jeder sachlichen oder fachlichen Grundlagen: „Der Vorschlag ist nicht geeignet, das Risiko für Einsatzbeamte oder Sanitäter zu reduzieren. Erstens kann aufgrund des diagnostischen Fensters (Zeit bis zur Möglichkeit der Feststellung einer Infektion, Anm.) bei den vermeintlichen Verursachern einer Übertragung kein sicherer Befund gestellt werden. Zweitens sagt der HIV-Status des ’Angreifers’ nichts darüber aus, ob eine Infektion tatsächlich stattgefunden hat.“

Beck warf den Proponenten des Vorschlags im Gespräch mit der APA indirekt auch vor, die medizinischen Erkenntnisse zu HIV zu negieren:
„Eine HIV-Übertragung durch Spucken ist unmöglich und durch Kratzen höchst unwahrscheinlich.“ Hepatitis-Viren seien wesentlich infektiöser. HIV-Zwangstests seien grundsätzlich abzulehnen, mit solchen Vorschlägen würde aber dieser Gefahr bereits in Ansätzen entstehen.

Wenn aber auch allfällige HIV-Zwangstests nichts bringen, sollte man wohl bei den durchaus wirkungsvollen Prophylaxemaßnahmen im Zweifelsfall bleiben, so Beck: „Das Ziel, für die attackierten Einsatzkräfte die beste Unterstützung und Versorgung zu gewährleisten, teilen wir zu hundert Prozent. Für solche Fälle stehen jetzt schon mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Diese sind die für Notfälle in Österreich zugelassenen HIV-Schnelltests und bei erheblichen Hinweisen, dass es zu einer HIV-Infektion gekommen sein könnte, die Verabreichung der PEP (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe).“

Der Aids-Hilfe-Obmann weiter: „Die sogenannte HIV-Post-Expositions-Prophylaxe oder kurz PEP ist eine medikamentöse Notfallmaßnahme. Sie kann nach einer eindeutigen Risikosituation das HIV-Übertragungsrisiko deutlich senken – wenn auch nicht mit Garantie eine Übertragung verhindern. Wird eine PEP durchgeführt, nimmt die übertragungsgefährdete Person während vier Wochen die gleichen Medikamente ein, die bei einer Kombinationstherapie gegen HIV eingesetzt werden. Die Medikamenteneinnahme sollte in den ersten Stunden nach dem Risiko beginnen. Wenn 48 Stunden vergangen sind, ist eine prophylaktische Wirkung nicht mehr zu erwarten. Die Wirksamkeit einer PEP ist erwiesen. Nach neuesten Studien senkt sie das Ansteckungsrisiko um etwa 80 Prozent.“ Besser werde die Situation auch durch Zwangstests nicht.

In Österreich hat die SPÖ in der Vergangenheit immer speziell von der Freiheitlichen Partei immer wieder geforderte HIV-Zwangstests regelmäßig abgelehnt. HIV-Infektionen selbst nach Nadelstichverletzungen etc. im medizinischen Bereich sind extrem selten.

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