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Sommerbaustelle auf der L200 führt zu Totalsperre

In Tuppen wird eifrig gebaut.
In Tuppen wird eifrig gebaut. ©VOL.AT/Harald Pichler
Zwischen Egg und Müselbach wird eifrig an der L200 gebaut. Im Sommer steht eine zweimonatige Totalsperre der Bregenzerwaldstraße an - mit weitreichenden Folgen für Verkehrsteilnehmer, unter ihnen auch tausende Pendler.
Megaprojekt L200: Bilder vor Ort
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“Dort”, sagt Roland Ladner, seines Zeichens Bauleiter eines der größten derzeitigen Vorarlberger Straßenbauprojekte, und zeigt auf eine Stelle im Hang, welche Bagger zuvor freigelegt haben. Deutlich zeigt sich der Schichtaufbau des Gesteins – sofern man die beiden obersten Schichten überhaupt als solche bezeichnen kann. Die ersten 20 Zentimeter sind stark verwittert, mühelos lassen sich einzelne Brocken von Hand zerbrechen. Unter diesem bröckelnden, verwitterten Gestein folgt schließlich eine Masse von breiiger Konsistenz, teilweise Fingerdick. Überall tritt Wasser zu Tage, stellenweise bilden sich kleine Rinnsale. Erst darunter gewinnt das Gestein an Festigkeit. Mergel-Sandstein-Schichten – so lautet der Fachausdruck für das Gestein, das zwischen Egg und Müselbach in verkehrstechnischer Hinsicht für reichlich Ärger sorgt.

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VOL.AT/Harald Pichler ©Mergel-Sandstein-Schichten sorgen im Bereich Tuppen für Probleme, wie Roland Ladner von der Abteilung Straßenbau verdeutlicht. VOL.AT/Harald Pichler

Brücke versagt den Dienst

Denn durch das Gebiet von Tuppen verläuft die L200 – auch über die Maldonerbachbrücke. Und diese versagt nach 40 Jahren ihren Dienst. Aufgrund der beschriebenen geologischen Verhältnisse rutscht der Hang, an welchem eben auch die Bregenzerwaldstraße entlangführt. Stellenweise bis zu 18 Zentimeter allein seit 2012. Nicht ohne Folgen für die Brücke und die Fahrbahn: Regelmäßig reißt der Asphalt, sackt ab. Umfangreiche Sanierungsarbeiten mussten vorgenommen werden, damit der Verkehrsstrom auf der Lebensader des Bregenzerwaldes ungehindert fließen konnte. Bei der Besichtigung vor Ort zeigt sich unter der Brücke, wie massiv die Naturgewalten wirken. Dicke, meterlange Risse sind an den Betonträgern zu sehen. Teile der Brücke haben sich verschoben. Da und dort wurde aufgestockt, ausgebessert. Weitere Anker, sogenannte Litzenanker, wurden in den Hang getrieben, um die Brücke – diese steht hangseitig ohne Stützen zur Gänze auf Untergrund – und den Hang selbst zum Stillstand zu bringen. Die Maßnahmen konnten allerdings das Unaufhaltsame nur verzögern. In den Jahren 1975/76 errichtet, musste sie nur wenige Jahre später umfangreich saniert werden. Jetzt musste der Kampf gegen die Natur aufgegeben werden, die Brücke ist schlicht nicht mehr sanierungsfähig. Kurz gesagt: Die Maldonerbachbrücke ist kein Sanierungs- sondern ein Abrissfall.

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VOL.AT/Harald Pichler ©Meterlang ziehen sich die Risse durch den Beton. VOL.AT/Harald Pichler

Verlegung soll Lösung bringen

Die Lösung besteht darin, die L200 in Fahrbahnbreite in Richtung Hang – oder genauer gesagt in den Hang – zu verlegen. Das mag im ersten Moment eigenartig klingen, macht aber durchaus Sinn. Denn dort ist der Untergrund wesentlich günstiger, fester. Der Hang ist an dieser Stelle ruhiger, und nicht in diesem Ausmaß von Rutschungen betroffen. Und die Länge der Brücke wird von 38 Metern auf nur mehr vier reduziert. Um auf festen Grund zu gelangen, mussten Teile des Hanges abgetragen werden. Ein aufsehenerregendes Projekt, über Monate trugen Bagger Meter um Meter ab. 26.000 Kubikmeter Felsabtragung sollten am Ende zu Buche stehen. Der Hang wurde anschließend mit Ankerbalken “befestigt”, um ein zukünftiges Abrutschen zu verhindern.

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VOL.AT/Harald Pichler ©Die Straße wird um Fahrbahnbreite in Richtung Hang versetzt. Gesamtkosten des Bauprojekts: 4,5 Millionen Euro. VOL.AT/Harald Pichler

Totalsperre ab 09. Juli

Während der Bauarbeiten rollte der Verkehr weitgehend ungehindert am Baugeschehen vorbei, nur zeitweise wurden Ampelregelungen eingeführt. Damit ist nun im Sommer Schluss. Vom 09. Juli bis zum 09. September – also insgesamt über einen Zeitraum von neun Wochen – wird eine Totalsperre in dem Bereich errichtet. Wegen dieser Maßnahme regt sich zum Teil Kritik in der Bevölkerung. Auf den Umfahrungsrouten – vor allem auf jener in Großdorf – könnte sich ein “Verkehrschaos” anbahnen, so die Kritiker. Der Vorschlag: Unterhalb der “alten” Maldonerbachbrücke solle für die Sommermonate eine provisorische Trasse gebaut werden.

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VOL.AT/Harald Pichler ©Auch aufgrund der Beschaffenheit des Geländes ist die Errichtung einer Ausweichtrasse entlang der bisherigen Trassenführung nicht möglich. VOL.AT/Harald Pichler

Deshalb muss gesperrt werden

“Das ist aus mehreren Gründen nicht möglich”, erläutert Ladner im Gespräch mit VOL.AT. Grundsätzlich fällt das Gelände dort, wo die Ausweichroute laut Kritikern der Totalsperre errichtet werden sollte, besonders stark ab. Es wären massive Aufschüttungen notwendig, was den ohnehin fragilen Hang nur weiter belasten würde. Alles, was hier gemacht würde, würde zu weiteren Problemen führen, so Ladner: “Es wäre hier exakt dieselbe Rutschsituation gegeben”. Und ein weiteres Problem tut sich auf: Die neutrassierte Straße wird von 48 Bohrpfählen gestützt. Die Pfähle werden mehrere Meter in den Boden getrieben, und dadurch die bereits erwähnten Litzenanker gekappt. Was dann geschieht, ist nicht sicher. Es besteht jedenfalls das Risiko, dass die Straße und der Hang weiter nachgeben: Mit nicht auszudenkenden Folgen für die angedachte “Ausweichstrecke”. “So lange keine Sicherung mit neuen Ankern besteht, wäre das Risiko für die Verkehrsteilnehmer einfach zu hoch”, führt Ladner aus. Auch tritt er Gerüchten entgegen, dass es Möglichkeiten ohne Totalsperre gegeben hätte. “Das ist haltlos, die Ausschreibung für das Projekt war von Anfang an mit den neun Wochen Totalsperre ausgeschrieben”. Es handle sich hier auch nicht um ein finanzielles – sondern um ein geologisches Problem.

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VOL.AT/Harald Pichler ©Mittels Bohrpfählen wird die künftige Trasse gestützt. VOL.AT/Harald Pichler

“Einfach nur froh, wenn wir das Bauwerk nicht mehr benötigen”

Auch ein etappenweiser Neubau an der gleichen Stelle oder eine umfassende Generalsanierung mache keinen Sinn, wie Ladner ausführt. Die Stelle ist schlicht nicht geeignet. Davon zeugt nicht zuletzt der Zustand der Maldonerbachbrücke. Sie wird derzeit intensiv überwacht, auf mögliche weitere Rutschungen oder Verschiebungen geachtet. Ladner abschließend: “Ich bin einfach nur froh, wenn wir das Bauwerk nicht mehr benötigen”.

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