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Somalia: Kämpfe toben weiter

In Somalia ist kein Ende der Gefechte zwischen den rivalisierenden Gruppen abzusehen. Den Kriegsherren gelang es am Horn von Afrika inzwischen, den Vormarsch der islamistischen Milizen zu stoppen.

Diese befänden sich notgedrungen auf dem Rückzug von Jowhar nach Balad, sagten Anrainer der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon.

Vermutlich hätten sich die islamistischen Milizen zurückgezogen, um Mogadischu zu verteidigen. Die Stadt hatten sie zu Wochenbeginn erstmals seit 15 Jahren vollständig unter ihre Kontrolle gebracht und angekündigt, einen Religionsstaat errichten zu wollen. Die unterlegenen Kriegsfürsten drohten daraufhin an, zurückzuschlagen.

Zahlreiche Einwohner von Jowhad, einer Hochburg der Kriegsfürsten, hatten sich am Mittwoch noch auf die Flucht vor den islamistischen Milizen gemacht. Beobachter gehen davon aus, dass ein Sieg in diesem Ort für die Milizen von strategischer Bedeutung wäre, da sie dann den größten Teil des Südens kontrollieren würden. Offen bleibe aber die Frage, ob sie der Übergangsregierung in diesem Fall dabei helfen würden, nach Mogadischu zurückzukehren oder aber eine eigene Regierung auf die Beine stellen würden. Das überwiegend von Moslems bewohnte Land befindet sich seit dem Sturz von Mohamed Siad Barre 1991 in einem Machtvakuum: Zwar kehrte die Interimsregierung unter Mohamed Ali Gedi im vergangenen Jahr aus dem Exil in Kenia zurück. Allerdings hat sie ihren Sitz aus Sicherheitsgründen bislang im Süden Somalias.

Entsprechend gemischt fielen am Mittwoch noch die Reaktionen auf den Vormarsch der islamistischen Milizen aus. Während Gedi ihnen gratulierte, zeigte sich die US-Regierung besorgt. Somalia dürfe nicht zu einem Rückzugsgebiet für Anhänger der radikal-islamistischen Al-Kaida-Organisation werden, warnte Präsident George W. Bush. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, schlug dagegen später etwas moderatere Töne an. Die USA seien möglicherweise bereit, mit den Milizen in Somalia zusammenzuarbeiten, sofern diese Interesse an einem friedlicheren, stabileren Somalia hätten, sagte er. Die USA stehen seit längerem im Verdacht, die Koalition der Kriegsfürsten zu unterstützen.

Die rivalisierenden Gruppen hatten rund drei Monate um Mogadischu gekämpft. Dabei kamen etwa 350 Menschen ums Leben. Wer genau hinter den islamistischen Milizen steht, ist unklar. Nach Einschätzung von Experten der Vereinten Nationen werden sie aber nicht nur von wohlhabenden islamistischen Geschäftsleuten in Somalia selbst unterstützt, sondern erhalten auch finanzielle Hilfe aus dem Ausland.

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