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"Soap-Schauspieler werden respektiert"

Vergangene Woche feierte die US-Seifenoper "Reich und Schön" ("The Bold and the Beautiful") ihren 20. Geburtstag. Zum Jubiläum traf pressetext "Reich und Schön"-Darsteller Drew Tyler Bell zum Interview.

Der 21-jährigen Jungschauspieler, Drew Tyler Bell, gilt als Mädchenschwarm, dem seine Rolle als Thomas Forrester in der Daily Soap zu einem erfolgreichen Karrierestart verhalf. Sein Kinofilmdebüt hatte Bell in dem Teenie-Horrorstreifen “Jeepers Creepers 2”, in Zukunft würde er am liebsten Actionfilme drehen. Einen Konkurrenzkampf zwischen Serienschauspielern und Kinofilmdarstellern sieht er nicht.

Herr Bell, erzählen Sie, wie Sie eigentlich zu der Serie “Reich und Schön” gekommen sind.

Bell: Vor fünf oder sechs Jahren zog ich nach Los Angeles, um dort für Filme und Serien vorzusprechen. Meine Agentur schickte mich dann zum Casting von “Reich und Schön”. Ich musste, wie das eben üblich ist, mehrmals vor verschiedenen Produzenten die Rolle vorspielen, schließlich wurde ich genommen. Ich habe bereits vorher einige Projekte gemacht, aber das war der erste längerfristige Job für mich.

Schauen Sie denn selbst gerne Seifenopern im Fernsehen?

Bell: Ja, ich schaue gerne Soap Operas. Es gibt eine wirklich coole Community in den Vereinigten Staaten. Wir haben ja zahlreiche Seifenopern und jeder kennt jeden. Es gibt viele Veranstaltungen rund um diese Serien, dann haben wir ja auch den Daytime-Emmy-Award in New York. Auf solchen Events treffen sich dann alle, es macht Spaß all die anderen Darsteller kennen zu lernen. Darum macht es dann auch Spaß sich die Soaps anzuschauen und zu sehen, was die in ihren Geschichten machen.

Werden Sie als Soap-Darsteller denn in der Branche auch ernst genommen?

Bell: Oh ja. Soap-Darsteller werden von anderen Schauspielern respektiert. Denn wir haben viel Dialog zu lernen und drehen in sehr schnellem Tempo. Die meisten Filmdarsteller müssen vielleicht eine Seite Text pro Tag lernen. Wir haben täglich an die 25 Seiten. Viele Filmschauspieler könnten das Pensum gar nicht schaffen.

Denken Sie also, dass “Reich und Schön” ein guter Start für Ihre Karriere war? Erreicht man damit heute noch die junge Zielgruppe?

Bell: Absolut, es war definitiv ein guter Start. Und ja, wir haben sehr viele junge Fans. Junge Mädchen kommen auf mich zu und erzählen mir, dass ihre Mütter sie auf die Serie gebracht haben, als sie noch zur Schule gingen. Mittlerweile sind sie an den Unis und schauen “Reich und Schön” immer noch. Ich bekomme auch enorm viel Fanpost von Teenagern.

Wer sind Ihre Vorbilder in der Filmbranche, haben Sie überhaupt welche?

Bell: Nun, ich denke, jeder nimmt sich ein Beispiel an den ganz großen Hollywood-Darstellern. Vom Standpunkt eines Schauspielers aus betrachtet, mag ich besonders Russell Crowe, Mel Gibson und Denzel Washington.

Wollen Sie in Zukunft eher ins Filmgeschäft oder bei Serien bleiben?

Bell: Ich liebe die Arbeit bei “Reich und Schön”. Aber natürlich will jeder Schauspieler auch interessante Filmrollen übernehmen. Ich würde gerne auch in Filmen spielen, wenn es sich mit dem Zeitplan von “Reich und Schön” vereinbaren lässt.

Denken Sie denn, dass es eine Konkurrenz zwischen Serienschauspielern und Kinofilmdarstellern gibt?

Bell: Ich glaube, dass alles zusammen als Hollywood betrachtet wird. Ich denke nicht, dass es da zwei unterschiedliche Lager gibt. Es ist wie ein großes Sammelbecken von Schauspielern. Die Grenzen verschwimmen seit einigen Jahren. Es gibt mittlerweile viele Kino-Stars, die Fernsehsendungen machen und umgekehrt. Ich glaube nicht, dass man heute sagen kann, dass jemand ausschließlich Film- oder TV-Star ist. Ich denke nicht, dass es schwierig ist zwischen den beiden Seiten zu wechseln. Am Ende liegt es an den Produzenten. Sie müssen auswählen, welchen Darsteller sie für welche Rolle haben wollen. Derjenige, der beim Vorsprechen am besten abschneidet, wird den Job letztlich bekommen. Es geht immer darum, wer am besten für die Rolle geeignet ist.

Welches ist Ihr bevorzugtes Filmgenre, wo würden Sie in der Zukunft gerne landen? Gibt es etwas, das Sie niemals machen würden, einen Bereich der Sie überhaupt nicht interessiert?

Bell: Ich würde gerne von allem etwas ausprobieren. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich “Actionfilm” auswählen. Es ist einfach so, dass man als junger Typ wie ich gerne ins Kino geht und Verfolgungsjagden, Schießereien und so weiter auf der Leinwand sieht. Das macht eben sehr viel Spaß. Was ich niemals machen würde? Sehr schwierige Frage. Im Grunde bin ich glaube ich für alles offen.

Möchten Sie im Laufe Ihre Karriere vor allem im Mainstream-Bereich arbeiten, oder interessieren Sie sich auch für Independent-Projekte?

Bell: Nun. Es gibt diese Auffassung in Hollywood, dass ein Schauspieler etwas Alternatives machen muss, um Glaubwürdigkeit zu erlangen. Ich denke, natürlich muss ein Darsteller möglichst danach trachten qualitativ hochwertig zu arbeiten. Aber gleichzeitig will man als Schauspieler ja auch möglichst viele Leute erreichen. Ich habe schon Independent-Filme gemacht und ich weiß, dass es wirklich schwer ist, damit beim Publikum wahrgenommen zu werden. Man hat dann keine großen Studios wie Universal oder Warner im Rücken, die einen unterstützen und auf tausende Kinoleinwände bringen. Die großen Blockbuster werden in hunderten Ländern gezeigt, mit einem Independent-Film schafft man es vielleicht in einige wenige regionale Kinos.

Neben der Schauspielerei machen Sie auch noch Musik. In welche Richtung geht das?

Bell: Ich bin aufgewachsen mit klassischer Musik. Gerade deshalb ist es auch sehr toll einmal hier in Wien zu sein. Ich spiele Klavier seit ich sechs Jahre alt bin. Mit sieben habe ich dann mit Violine angefangen. Komponisten wie Mozart oder Beethoven haben mich viele, viele Jahre begleitet. Jetzt habe ich auch damit angefangen Rock- und Popsachen zu spielen und eigene Songs zu schreiben. Ich komme oft mit Freunden zusammen und mache dann gemeinsam Musik mit ihnen, aber wirkliche Auftritte stehen nicht an der Tagesordnung. Persönlich höre ich sehr viel Rock, alte Soulmusik und gerne auch Jazz.

Ihre Zukunft sehen Sie aber klar in der Schauspielerei?

Bell: Ja, definitiv. Das ist, was ich seit ewigen Zeiten machen will. Solange ich jetzt als Schauspieler arbeite, hat es nie aufgehört mir Spaß zu machen.

Welchen Einfluss hat das digitale Zeitalter auf die Filmbranche. Sehen Sie Schwierigkeiten und Probleme durch die Popularität von Internet-Plattformen wie YouTube?

Bell: Ich habe mich schon mit dieser Frage beschäftigt. Ich denke nicht, dass es ein so großes Problem gibt. Das TV-Publikum ist nach wie vor riesig, auch das Publikum von “Reich und Schön” beispielsweise wächst immer noch. Die freien Fernsehsender verdienen immer noch sehr viel Geld über Werbung und die Kabelbetreiber lassen sich ihr Programm ohnehin bezahlen. Ich denke nur, dass sie noch nicht den richtigen Weg gefunden haben, auch im Internet viel Geld zu machen. Die Leute schauen heute natürlich viel im Netz, aber ich denke, sie konsumieren beides – Internet und Fernsehen.

Was tut sich derzeit in der Filmbranche in Hollywood, welche Entwicklungen finden statt?

Bell: Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass Generationen und Filmepochen in Hollywood immer stark zeitlich begrenzt sind. Es gab die 70er, von denen viele sagen, es waren die Glanzzeiten, andere wieder meinen, die 90er hätten besonders tolle Produktionen hervorgebracht. Da gibt es keine einheitliche Meinung. Zurzeit tut sich wieder einiges. Viele junge Filmemacher sind am Start und bringen ganz neue Ideen ein, greifen aber gleichzeitig auch Einflüsse der Großen aus der Vergangenheit auf. Ich finde, es ist gerade eine aufregende Zeit in Hollywood zu arbeiten. Vor allem unter dem Gesichtspunkt all dieser neuen Vertriebswege wie eben Internet. Außerdem denke ich, dass Hollywood sich zu einer globaleren Industrie entwickelt. Es ist eine gute Zeit, um seine Karriere anzufangen.

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