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Mehr Güter auf die Schiene - Der Plan von ÖBB und Land

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Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Derzeit werden 88 Prozent aller Güter in Vorarlberg auf der Straße transportiert. Mit besseren Rahmenbedingungen und Angebote wollen Land und ÖBB das Ganze auf die Schiene verlagern.
Güterverkehr auf Schiene
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Viele namhafte Vorarlberger Unternehmen und dem angrenzenden Bodenseeraum nutzen schon jetzt die Transport- und Logistikangebote der ÖBB Rail Cargo Group. Meist passiert dies über das Terminal Wolfurt. Die ÖBB haben bereits erste Schritte in Sachen Erweiterung gesetzt. Um die Klimaziele zu erreichen und die Menschen im Land vor den negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs zu schützen, braucht es noch mehr Verkehrsverlagerung auf die Schiene, sind sich ÖBB und Land sicher. Einer der Schlüssel dafür liegt im Güterverkehr. Denn derzeit sind jedes Jahr rund 3 Millionen Lkw auf Vorarlbergs Straßen unterwegs.

Matthä und Zadra vor einem der "Mobiler". Bild: VOL.AT/Mayer

Nur 12 Prozent auf Schiene

Der Anteil der Schiene beträgt derzeit in Vorarlberg rund 12 Prozent. Das heißt, dass 88 Prozent aller Gütertransporte im Ländle auf der Straße rollen. Rund vier Millionen Tonnen Waren und Rohstoffe werden über die Schiene befördert, 28 Millionen derzeit noch auf den Straßen. "Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir alle hautnah", erklärt ÖBB CEO Andreas Matthä. Die Emissionen aus dem Verkehr seien ein wesentlicher Treiber für den CO₂-Ausstoß. "Wollen wir den Klimawandel einbremsen, dann müssen wir eine Trendwende im Verkehr schaffen - insbesondere beim Güterverkehr", so Matthä. Auch der neue Mobilitätslandesrat Daniel Zadra sieht dies ähnlich: "Wenn uns im Güterverkehr eine substanzielle Reduktion gelingt, haben wir einen großen Schritt nach vorn getan."

Faire Wettbewerbsbedingungen

Voraussetzung für mehr Verlagerung auf die Schiene sind laut Matthä "faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße und transparente Kostenwahrheit im Verkehr". Beim Bahntransport falle für jeden Meter Schiene Maut an, auf der Straße nicht. Ein weiteres Beispiel sei die gratis Straßenanbindung für jeden Firmenstandort - wohingegen die Schienenanbindung vom Unternehmen zu bezahlen sei. Die Schiene müsse ihr Angebot weiter verbessern und stärker auf die Bedürfnisse der Unternehmen eingehen. Daran werde intensiv gearbeitet, man suche auch den Dialog mit Unternehmen in Vorarlberg.

Nur 12 Prozent des Güterverkehrs läuft über die Schiene. Bild: VOL.AT/Mayer

Für Verlagerung sorgen

Gezielte Förderungen sollen helfen, die Verlagerung zu forcieren. Diesen Ansatz verfolgt auch die in Ausarbeitung befindliche Güterverkehrsstrategie des Landes. Die ÖBB stehen bereit, um unter entsprechenden Rahmenbedingungen für eine stärkere Verlagerung zu sorgen. Man müsse alles daran setzen, den Schienenanteil im Güterverkehr zu erhöhen, so Zadra. Es sei höchste Zeit, über die externen Kosten zu reden, die der Straßengüterverkehr verursache - inklusive der Umwelt- und Gesundheitsschäden, der Lärmbelastung, der Verkehrsunfälle oder der Luftverschmutzung. "Sobald wir diese Faktoren einbeziehen, verursacht der Lkw 4,5 Cent an externen Kosten pro Tonnenkilometer, die Bahn hingegen lediglich 0,6 Cent", so Zadra.

Kunde braucht keine Bahnanbindung

Die ÖBB Rail Cargo möchte verstärkt mittelständische Kunden ansprechen, die oft keine ganzen Züge benötigen, die beispielsweise nur einen Container oder eine Wagengruppe brauchen. So gibt es Containerlösungen, die am Terminal Wolfurt mittels Kränen unproblematisch zwischen Zug und Lkw wechseln können. Auf längeren Distanzen könnten per Bahn transportiert werden, der Lkw käme im Vor- und Nachlauf, also zwischen Bahnverladestelle und Kunden zum Einsatz. Der Kunde muss nicht zwingend einen Bahnanschluss haben. Eine flexible, innovative Behälterlösung ist der "Mobiler". Der kippbare Transportbehälter eignet sich für eine Vielzahl an Gütern, darunter Industrieprodukte, palettierte Waren, Schüttgüter oder Bauprodukte. Für die rasche Umladung kommen Lkw mit integrierten hydraulischen Hubvorrichtungen zum Einsatz.

ÖBB-CEO zur Amazon-Ansiedlung

Auch auf die geplante Amazon-Ansiedlung in Dornbirn kam Matthä zu sprechen. "Es muss letztendlich so einfach sein, einen Gleisanschluss zu einer Logistik anzulegen, wie einen Straßenanschluss", meint er. Zunächst rechnet er vor allem mit Auswirkungen auf den Lkw-Verkehr. "Wir würden uns halt wünschen, dass das [...] auch mit Schienenverkehr stattfindet", verdeutlicht der CEO der ÖBB Holding AG. Mit direkten Einbußen rechnet er nicht: In der Feinverteilung sei die ÖBB nicht tätig. Einen Großhändler, der Onlinehandel betreibe, in dem Gebiet anzusiedeln, sei "eher fragwürdig", so Zadra. Man brauche diese Fläche für Güter produzierende Unternehmen dringend. "Hier in Dornbirn Nord haben wir jetzt schon eine sehr prekäre Verkehrssituation", gibt der Mobilitätslandesrat zu verstehen. "Wenn so etwas überhaupt überlegt wird, dann wäre dringend notwendig, dass ein direkter Anschluss ans Gleis vorhanden ist."

(VOL.AT)

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