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So will Vorarlbergs Wirtschaft sicher in den Herbst starten

Der Wirtschaftsbund präsentiert seine wirtschaftspolitische Agenda.
Der Wirtschaftsbund präsentiert seine wirtschaftspolitische Agenda. ©Symbolbild: VOL.AT/Paulitsch, Wirtschaftskammer, VOL.AT/Stiplovsek
Covid-19 wirkt sich auch in großen Maßen auf die Wirtschaft aus. Der Wirtschaftsbund präsentiert seine Agenda für einen sicheren Herbst.
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"Klarheit schafft Sicherheit", fasst Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler die Forderung zusammen. Unternehmer stellen sich täglich die Frage, wie sie mit ihrem Unternehmen gut durch den Corona-Herbst kommen. Wirtschaftsbund-Landesobmann und WK-Präsident Hans Peter Metzler ergänzt: "Der Aufschwung muss nun unterstützt werden. Und das schaffen wir nicht durch Verbote und Bestrafungen, sondern durch Entlastungen und Anreize."

Impfung größter Hoffnungsträger

Ein wesentlicher Faktor sei es, die Infektionszahlen in verkraftbaren Ausmaßen zu halten. "Die Wirtschaft hält keinen weiteren Lockdown mehr aus", verdeutlicht Kessler. Das müsse unbedingt verhindert werden. Für die Wirtschaft sei die Impfung der größte Hoffnungsträger, was den Kampf gegen die Pandemie betrifft.

Die Pressekonferenz zum Nachsehen

Laut den Einschätzungen des deutschen Robert-Koch-Instituts wird eine Impfquote von unter 80 Prozent aber nicht ausreichen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Jede vollimmunisierte Person mehr bringe uns ein Stück näher in Richtung Normalität in der Wirtschaft und im täglichen Leben. Besonders in den Bereichen Gastronomie, Tourismus, Freizeitwirtschaft und Veranstaltungen wäre es dringend notwendig, zu mehr Normalität zu kommen, denn diese Branchen leiden weiterhin stark unter den Einschränkungen.

Hans-Peter Metzler bei der Pressekonferenz. Bild: VOL.AT/Mayer

Infektionsketten früh unterbrechen

Um bei der Impfquote weiterzukommen, brauche es weitere Überzeugungsarbeit und einen möglichst niederschwelligen Zugang zur Impfung. Dazu kein Nachlassen bei der Teststrategie. Infektionsketten müssen möglichst früh unterbrochen werden, um die Inzidenz möglichst niedrig zu halten. Dafür gibt es seitens des Wirtschaftsbundes einige Vorschläge:

  1. Jeder, der will, soll gratis seinen Antikörperstatus überprüfen lassen können. Damit kann eine eventuell abnehmende Wirkung des Impfstoffes und eine Dunkelziffer von unwissend Infizierten festgestellt werden.
  2. Es wird notwendig sein, zwischen den Inzidenzen Geimpfter und Ungeimpfter zu unterscheiden. Dies soll auch regelmäßig öffentlich klargestellt werden, damit die Auswirkung auf das Gesundheitssystem richtig eingeschätzt werden kann.
  3. Vor allem die wesentlich zuverlässigen PCR-Tests müssen weiter ausgeweitet werden. Das erfolgreiche Wiener Gurgeltest-Pilotprojekt soll auf alle Bundesländer ausgeweitet werden. Dazu hat der Wirtschaftsbund mit der österreichischen Post ein Konzept ausgearbeitet, bei dem die Postämter und -partner in ländlichen Gebieten eine Anlaufstation für die Abholung und Abgabe von Gurgeltests sein könnten.

Die Krise sei noch nicht vorbei: in sozialer, gesundheitspolitischer und in wirtschaftlicher Hinsicht, so der Wirtschaftsbund. Es werde noch einige Zeit dauern, bis wir uns wieder vollständig erholt haben. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Erwartungen der Unternehmer: Über zwei Drittel rechnen mit einer Erholung frühestens in einem Jahr. Fast die Hälfte geht überhaupt erst von einer Erholung ab 2023 oder später aus. Aus diesem Grund müssen auch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie und die Hilfsmaßnahmen weiter fortgesetzt werden. "Wir dürfen den Vorsprung, den wir durch die Modellregion Vorarlberg erarbeitet haben, nicht verspielen. Es braucht eine Modellregion 2.0", meint Kessler.

"Unsere Unternehmer haben in der Krise ihr großes Durchhaltevermögen bewiesen", so Metzler. Bild: VOL.AT/Mayer

Entlastungen und Anreize setzen

Die Stimmung in der Wirtschaft ist grundsätzlich positiv. Die Unternehmer sind optimistisch. Sie blicken auf eine herausfordernde Zeit zurück und sind überzeugt, dass nun eine positive Entwicklung folgen wird. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Wirtschaftsforscher sagen für Vorarlberg in diesem Jahr ein Wachstum von über 4 Prozent voraus. "Der Aufschwung nach der Krise muss nun unterstützt werden", so Metzler. Das schaffe man nicht durch Verbote und Bestrafungen, sondern durch Entlastungen und Anreize. Man müsse die Gunst der Stunde nutzen, durch weitere Entlastungen die Stimmung aufrechtzuerhalten und die Unternehmen zu ermutigen, weitere Investitionen zu tätigen. Durch Investitionen werden Arbeitsplätze geschaffen, der Konsum angekurbelt und der Konjunkturaufschwung unterstützt.

Vom Bund werden daher folgende konkrete Maßnahmen gefordert:

  1. Mehr netto von brutto: Es braucht eine rasche Fortsetzung der Reform der Einkommenssteuer. Die Tarifstufe 2 und 3 der Lohn- und Einkommenssteuer muss gesenkt werden (von 35 auf 30 und 42 auf 40 Prozent). Das ist ein wichtiges Signal für die Unternehmen, deren Mitarbeiter und für den Standort.
  2. Investitionsfreibetrag: Der Wirtschaftsbund fordert die Einführung eines gestaffelten Investitionsfreibetrags mit einem allgemeinen Freibetrag von 20 Prozent und einem erhöhten Freibetrag von 30 Prozent für Investitionen in Ökologisierung und Digitalisierung. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: der wirtschaftliche Aufschwung wird unterstützt und es ist ein wirklich starker Hebel für noch mehr Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung in Unternehmen.
  3. Körperschaftssteuer: Diese soll auf 21 Prozent gesenkt werden. Dadurch bleiben mehr Mittel für Investitionen sowie Löhne und Gehälter. So werden starke Wachstumsimpulse gesetzt.
  4. Arbeitsmarkt: Dieser muss wieder in Schwung gebracht werden. Der Fachkräftemangel hat sich in vielen Branchen weiter verschärft. Die Unternehmen können bereits jetzt viele offenen Stellen nicht besetzen. Der Wirtschaftsbund forder Änderungen beim Arbeitslosengeld: die Abschaffung oder Reform der Zuverdienstmöglichkeiten, die Lockerung der Zumutbarkeitsregeln und die Einführung eines degressiven Arbeitslosengeldes. Ziel muss es sein, das Beschäftigungsverhältnis gegenüber dem Bezug von Arbeitslosengeld wieder attraktiver zu machen.
  5. Lehre: Die Lehrlingssuche stellt sich teils schwierig dar. Es braucht daher eine Fachkräfteoffensive mit einer Neuauflage des Lehrlingsbonuses. Die Lehre muss noch besser vermittelt werden. Die steuerliche Absetzbarkeit von Weiterbildungskosten muss wieder eingeführt werden.

(Red.)

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