Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

So machen wir das hier*

Kulturraum: Ein Tischler im Bregenzerwald baut Raum für Handwerkskunst, Kultur und Philosophie - darin manifestieren sich seine Arbeit und seine Werte.
Kulturraum: Ein Tischler im Bregenzerwald baut Raum für Handwerkskunst, Kultur und Philosophie - darin manifestieren sich seine Arbeit und seine Werte. ©Holzwerkstatt Faißt
Gewiss: Das könnte das Motto sein für viele hervorragende Betriebe, etwa Werkstätten des „Werkraum Bregenzerwald“ – doch knapp daneben! Es ist eine viel zitierte, verdichtete Definition von Unternehmenskultur – aus der Feder zweier Wirtschaftswissenschafter, D. Bright und B. Parkin.
Bilder

Unternehmenskultur umfasst alles, was ein Unternehmen ausmacht. Was so simpel scheint, hat’s – genau gesehen – in sich, wie der Amerikaner E. Schein, vMIT, seit einigen Jahren ausführt. Da sind zum einen die sichtbaren Erzeugnisse, Logos, Bauten, Mitarbeiter; dann die Werte und Einstellungen, die man für sich in Anspruch nimmt; schließlich das Verhalten, das ungefragt als richtig gilt.

Gute Unternehmensführung versucht, diese drei Ebenen in Einklang zu bringen. Gelingt dies – das belegen die Harvard- Professoren J. Kotter und J. Heskett – so macht sich das bar bezahlt. Unternehmenskultur gehört heute zu den Management- Werkzeugen eines jeden großen Unternehmens. Große Unternehmen? Einmal mehr zeigt sich, dass im „Ländle“ manches, worum sich andernorts die „Großen“ mit mächtig Tamtam und Budget bemühen, kleine Familienbetriebe ins Werk setzten. Und wie! Wo sonst wird für jedermann sichtbar, was etwa Markus Faißt mit seinem zehnköpfigen Team „holzwerkstatt markus faißt“ im Kern am Herzen liegt – wenn nicht in seinem Ausstellungs-, Präsentations-, Planungs- und Denkbau? In allem – im Ganzen wie im Detail – zeigt dieses Haus Haltung. Im Ganzen: Da leistet sich einer den „Luxus“ eines Gebäudes (auch) für kulturelle Zwecke – was sich auszahlt, wenn man die Vernetzung und Anerkennung ins Kalkül zieht, die damit wachsen. Da leistet sich einer den Luxus, das mit einem Architekten zu entwickeln und zu planen – was sich auszahlt, wenn man die hofartige Integration des Baus in den Betrieb, den spannungsreichen Wechsel von Offenheit und Geborgenheit der Haupträume erlebt. Im Detail: Da leistet sich einer den Luxus an Material – nichts Exotisches, sondern das „erlesene“ Holz der Weißtanne, zur Entfaltung gebracht durch Verarbeitung auf höchstem Niveau; nichts könnte besser von dieser Handwerkskultur zeugen.

Damit nicht genug: Einbaumöbel aus Rüster massiv (natürlich mit neuester Mechanik Vorarlberger Hersteller); eine Lehrküche mit Arbeitsblock aus beeindruckendem dunklem Eifel-Sandstein; ein ausgeklügeltes Beleuchtungs- und Beschallungssystem (ebenfalls aus Vorarlberger Hand); vor allem aber ein schwarzer, glänzender, doch nie „zu Tode“ polierter Boden der ganz besonderen „Ländle“-Art: aufgebaut aus Lehm und Kasein, Nebenprodukt der hiesigen Milchwirtschaft.

Vertrauen in das Können des Materials – wer die großformatigen Schindeln der Außenhaut unter die Lupe nimmt, versteht die Lebendigkeit bei aller Ruhe der Geometrie: der Verlauf von hellem, jungem Holz über rot schimmernde Verwitterungsstufen bis zum grau-schwarzen „Sonnenbrand“ der exponierten Enden. Da passt gar die wandgroße Fläche in glänzend Persisch-Rot in der Komposition aus Naturstoffen.

Der Niedrigenergiestandard des Gebäudes verdankt sich nicht nur der naturnahen Dämmung, sondern durchdacht – und damit sparsam – gesetzten Fenstern, was gerade deshalb spektakuläre Ausblicke gewährt – gezielt gesetzt, nicht immer und überall.

Ihre Tauglichkeit haben die Räume schon vielfach unter Beweis gestellt: Musiker loben die hervorragende Akustik, bildende Künstler die kontemplative Atmosphäre. Ob Großmeisterin japanischer Papierkunst, Fotograf von Weltrang, Nestorin spurensuchender Kunst – ein großes Publikum fühlt sich genauso wohl wie ein kleiner Kreis bei einem Kammerkonzert oder Teilnehmer von Seminaren und Workshops – oft in Kooperation mit Veranstaltern aus der Nachbarschaft.
Kulturelles Engagement, das bezeugt: Das Unternehmen ist in einen größeren Rahmen eingebettet, den zu pflegen und erhalten sich lohnt. „Eigentlich ein Kulturbetrieb, denn gesellschaftliche und ökologische Verantwortung, regionale Wertschöpfung, handwerkliches Können und gestalterische Kompetenz sind hier versammelt“ – so der Architekt Roland Gnaiger.

Es ist gerade der Bau, der den verborgenen Geist aufscheinen lässt, der aus dem handwerklichen Tun im Alltag erwächst. „Fähig sein, für unseren Planeten Verantwortung zu übernehmen …, praktizierte Verantwortung für die Welt, nicht bloße Technologie der Macht …, Kultur des uneigennützigen Dienstes am Ganzen … gegen Intrigen, Lügen, Abmachungen hinter den Kulissen und mafi oses Lavieren zwischen den Gesetzen“ – so hat einer unserer großen Europäer und Freidenker, Václav Havel, wenige Monaten vor seinem Tod** den „Wertewandel in Gesellschaft und Wirtschaft“ gefordert.

*D. Bright and B. Parkin, Human Ressource Management, Concepts and Practices, 1997, Business Economic Review, S.13 **Václav Havel, Vom Wert der Freiheit, FAZ 24. 12. 2011

Daten & Fakten

Objekt: Ausstellungs-, Büro- und Lagergebäude

Bauherr: Markus Faißt

Architekten: Roland Gnaiger mit Edgar Höscheler

Prof. Mag.arch. Roland Gnaiger
Kunstuniversität Linz
Hauptplatz 8 | 4020 Linz/Austria
roland.gnaiger@ufg.ac.at
www.ufg.ac.at

Edgar Höscheler
Sulz 47 | 6933 Sulz
hoehoe@aon.at

Baujahr: 2008

Nutzfläche: ca. 250 m2

Ausführung:
Zimmerer: Zimmerer Nenning, Hittisau | Schindeln: Albert Hager, Mellau | Fenster: Tischlerei Stefan Hagspiel, Doren | Lehm- Kaseinboden: Martin Rauch, Schlins | Glasbau: Rudolf Meier, Bezau | Ofen: Ewald Voppichler, Egg Möbel und Innenausbau: Holzwerkstatt Markus Faißt, Hittisau

(Autor: Florian Aicher)

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Seit zwei Monaten zeichnet das vai für Projektauswahl
und redaktionelle Gestaltung der Coverserie von
“Leben & Wohnen” verantwortlich. Neu ist dabei, dem
Titel der Beilage getreu, die Durchmischung von
Wohnbauten mit anderen Bereichen des Lebens:
Bildung, Soziales, Arbeit.

Demnächst:
20. Jänner 2012 überholz Impuls 4 “Genormt & Geprüft”
14–17.30 Uhr
Dieter Lechner Fachverband der Holzindustrie
Reinhold Steinmaurer Holzbau Austria
Andreas Treusch Architekt, Wien

Mit „überholz Impulse“ gastiert der Studiengang überholz
der Kunstuniversität Linz in Form einer Vortragsreihe einmal
monatlich in Dornbirn. Das vai bietet die öff entliche Plattform für
diese Lehrveranstaltungen, in der neueste Entwicklungen und
Anwendungsmöglichkeiten von Holz ausgelotet werden. Mehr
auf www.v-a-i.at

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Schöner Wohnen
  • So machen wir das hier*
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen