Sölden wieder Auftakt einer langen Saison

Zum bereits zwölften Mal seit 1993 beginnt in Sölden und damit auf 3.000 m hohem Gletschereis der alpine Ski-Weltcup. 35 Herren- bzw. 34 alpine FIS-Damenbewerbe stehen in der 44. Saison bis März 2010 in Europa und Nordamerika auf dem Programm.

Höhepunkte sind neben dem erneut mit 550.000 Euro dotierten Jänner-Klassiker in Kitzbühel die Olympischen Winterspiele im Februar in Vancouver.

Noch im November gibt es zwei Slalombewerbe auf künstlichen Rampen. Die EM in der Halle von Amneville und auch beim Moskauer Promotion-Bewerb gehen erstmals Damen und Herren an den Start. Somit ist erstmals ein fast nahtloser Lückenschluss zwischen dem auch für die Industrie und die Fremdenverkehrs-Wirtschaft so bedeutenden Gletscher-Auftakt Ende Oktober in Sölden und den folgenden Rennen erfolgt.

In Amneville organisiert am 7. November der französische Verband im Auftrag des neu gegründeten Europa-Verbandes ESF eine von der FIS aber nicht anerkannte Hallen-EM mit Preisgeld und Medaillen. In Moskau (21.11.) wird mit dem Champions-Cup wieder hochkarätige Freiluft-Promotion für den Skisport gemacht.

Und selbst zwei Tage vor Weihnachten steigt am 22. Dezember in Andalo/Trient eine neuartige Skishow mit “Weltcupbesetzung” sowie einem Rockkonzert mit Placebo. Dazwischen liegt der “richtige” Winterauftakt mit den beiden Weltcup-Slaloms in Levi/Finnland (14./15.11.), ehe es ab 28./29.11. mit den Nordamerika-Rennen in Lake Louise, Aspen und Beaver Creek weiter- und Anfang Dezember wieder nach Europa zurückgeht.

Sölden ist der perfekte Platz für den Auftakt”, streute FIS-Präsident Gian Franco Kasper den österreichischen Organisatoren vor dem Auftakt in Tirol Blumen. Dort hat man nach der bisher einzigen Absage nicht nur eine Beschneiungsanlage auf dem Rennhang installiert, sondern auch längst ein riesiges Wasser-Reservoir in Angriff genommen, um den dahinschmelzenden Gletscher zu stabilisieren.

Im Kampf um die sportliche Vorherrschaft auf den Ski-Hängen haben prinzipiell nach wie vor die Österreicher die Nase vorne. Allerdings gingen im Vorwinter die prestigeträchtigen Gesamtsiege an den Norweger Aksel Lund Svindal bzw. die US-Amerikanerin Lindsey Vonn und damit wie schon im Vorwinter ans Ausland, während den Österreichern neben dem 20. Nationencupsieg in Folge lediglich die Abfahrtskugel bei den Herren blieb.

Die “Heimholung” der großen Kugeln nach Österreich nimmt der ÖSV ohne die beiden jahrzehntelangen Zugpferde Hermann Maier und Renate Götschl in Angriff. Der Salzburger Ski-Superstar überraschte nur zwei Monate nach dem schwangerschaftsbedingten Rücktritt der “Speed Queen” ebenfalls mit seinem “Pfiat euch” kurz vor Saisonbeginn. Quasi mit einem Schlag war der ÖSV die Gewinner von zusammen 100 Weltcuprennen los. Sportlich wird das aber wenig ins Gewicht fallen, nachdem sich die Erfolg bei beiden Urgesteinen zuletzt in überschaubaren Grenzen gehalten hatten.

Kosten lässt sich der ÖSV dieses Unternehmen wie immer einen erquicklichen Teil des 38 Millionen Euro lautenden Budgets. Umgekehrt unternehmen die Erzrivalen aus der Schweiz seit einigen Jahren den ernsthaften Versuch, den “Ösis” nach 20 Jahren endlich wieder den Nationencup abzujagen. Das Unternehmen “Wachablöse” haben sie mit zumindest mehreren hunderttausend Euro dotiert.

Bei den Herren gelten erneut die Atomic-Markenkollegen Svindal und Benjamin Raich als die großen Favoriten auf den Gesamtsieg. Die Schweizer müssen neben Lara Gut mit Sölden-Vorjahressieger Daniel Albrecht einen ebenfalls derzeit verletzten Topathleten vorgeben, greifen aber dafür mit den beiden regierenden Weltmeistern Didier Cuche und Carlo Janka an. Wie schnell es dauert, bis US-Freigeist Bode Miller nach seinem späten Rückkehrentschluss wieder in Form kommt, bleibt abzuwarten.

Bei den Damen wird explizit keine Österreicherin als Co-Favoritin im Kugelkampf genannt, mit Nicole Hosp, 2007 Gesamtsiegerin, und Elisabeth Görgl bestreiten aber zumindest zwei ÖSV-Läuferin alle Disziplinen. Mit Vonn, Maria Riesch und der Schwedin Anja Pärson, die im Sommer intensiv mit Görgl an der Skientwicklung arbeitete, fahren nun die Top-3-Damen auf Head-Ski. Damit herrscht bei drei heißen Anwärterinnen am Materialsektor Chancengleichheit.

Umgekehrt hat das auch ein wenig die innige Freundschaft zwischen der Deutschen und Vonn belastet. Während Head Millionen für den Transfer der Amerikanerin von Rossignol zu den Kennelbachern ausgab, musste Riesch im Sommer den Kostenkürzungen Rechnung tragen und ihren Servicemann selbst bezahlen.

Rund 6.000 FIS-Events wird es im kommenden Winter geben, 300 davon sind im Fernsehen zu sehen. Nach wie vor beeindruckende Zahlen, auch wenn generell das Interesse am Wintersport weniger stark wächst. Zumindest punkto Wetter könnte der Wintersport-Veranstaltern und vor allem der Industrie aber bald wieder bessere Zeiten winken. Denn Sonnenzyklus und die Meeresrhythmen verkünden eine längere Trendwende. Davon ist zumindest Head-Chef Johan Eliasch überzeugt, der für die kommenden 30 Jahre wieder kalte, schneereiche Winter und warme Sommer prophezeit.

“Damit sehe ich auch für die Wintersportindustrie gute Zeiten”, sagte der in London lebende, schwedische Milliardär bei der Präsentation seiner von Miller und Vonn angeführten Weltcup-Mannschaft in Sölden. Der begeisterte Skifahrer Eliasch sollte wissen, wovon er spricht, ist er doch auch Sonderbeauftragter des britischen Premierministers Gordon Brown zu bestimmten Umweltangelegenheiten und Energiefragen.

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