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Skaterparadies in Brandenburg

©Christian Schreiber
200.000 Sportler kommen jährlich nach Teltow-Fläming, um ihrem Hobby auf acht Rollen zu frönen.
Bilder

Der Weg windet sich durch kleine Wälder. Dicht gedrängt stehen die Kiefern, deren Äste am unteren Ende alle Nadeln abgeschüttelt haben. Nur für ein paar Minuten lang schickt die Morgensonne ihre Strahlen durch die dichten Kronen und entfacht eine mystische Stimmung. Das gedämpfte Licht streift die Stämme, Hunderte Insekten und Tausende Staubkörnchen haben ihren großen Auftritt beim Tanz durch die Lüfte.
Der Weg zieht an den leuchtend gelben Rapsfeldern entlang und mäandert mit kleinen Flüssen ins Unendliche. Dieser Weg ist das Ziel. Das Ziel schlechthin für knapp 200.000 Skater, die jährlich in die Region Teltow-Fläming im ostdeutschen Brandenburg kommen.

Mehr als 200 Kilometer

Luxus- Routen mit Spezial-Asphalt gibt es in der Region Fläming. Die Rollen hoppeln kaum auf dem glatten Untergrund und die Skater gleiten wie Eisschnellläufer über frisch bereitetes Eis. Die Strecken sind allesamt miteinander verbunden, es dürfen keine Autos oder Traktoren auf dem Skater- Streifen fahren. Sämtliche Barrieren wie Bordsteine wurden platt gemacht, und Stolpersteine wie Äste und Zapfen beseitigen die nimmersatten Kehrmaschinen zweimal die Woche. Zwei Skater kommen problemlos aneinander vorbei, weil fast alle Wege drei Meter breit sind. 200 Kilometer Luxus-Routen

Einmaliges Skaterparadies

Ein Radweg misst oftmals nur die Hälfte. Dieses Szenario ist einmalig in Europa, vermutlich sogar weltweit. „Das war unser großes Glück. Mir hat es sogar die Existenz gerettet“, sagt Uwe Kuhlmey, während er in beneidenswert gleich bleibendem Rhythmus seine Skates auf dem Luxus- Untergrund aufsetzt und ohne große Anstrengung ein beachtliches Tempo vorlegt. Der 37-Jährige ist Hotelchef. Zum Eichenkranz, Familienbetrieb, fünfte Generation, kurz vor der Pleite im Jahre 1999. Während des Wende- Booms hatten seine Eltern ein 20-Zimmer-Hotel aus dem Nichts gestampft, um die Geschäftsleute aus dem Westen unterzubringen. Ein paar Jahre ging das gut, dann blieben die Gäste aus – vor zehn Jahren wurden dann die ersten 4,5 Kilometer der Skate-Arena gebaut und an Uwe Kuhlmeys Biergarten vorbeigeführt. Zuerst stieg der Kaff ee- und Kuchenverkauf explosionsartig, nach den Tages- kamen die Übernachtungsgäste, und später musste der Hotelier sogar anbauen. Wenn Uwe Kuhlmey kein so zurückhaltender Typ wäre, dann müsste er in Jubel ausbrechen: Seit Jahren steigt seine Zimmerauslastung, Hunderte neue Gäste kamen selbst im Krisenjahr 2009.

Die „Fläming-Skate“

Uwe Kuhlmey fühlt sich befreit, wenn sein Blick über die riesigen Kornfelder schweift, die erst am Horizont von einem dunkelgrünen Wald auf ihrem Weg ins scheinbar Unendliche gebremst werden. Er erzählt vom Skate-Verein, seinem zweiten Platz bei der deutschen Speed-Skating- Meisterschaft und von seiner Nachbarin, die ihr Friseur- Stübchen zum Beauty-Salon ausgebaut hat, weil die Frauen auch ein bisschen Luxus brauchen, während sich die Männer auf der exklusiven Strecke austoben. „Die Fläming- Skate ist ein Gewinn für alle. Da können Sie fragen, wen Sie wollen.“
Für ganze Dörfer war die Skate-Arena ein Lebenselixier. Damit der Boom nicht abebbt, wird auch der Nachwuchs besonders gefördert. Thomas Glätzer arbeitet beim Landessportbund und kümmert sich um die skatenden Kinder und Jugendlichen aus der Region. Seine Lieblingsstrecken gehen durch den Wald. Dort ist der Tannennadel- Duft so intensiv, dass er fast schon künstlich wirkt.

Keine Berge, nur „Wellen“

Wenige Schritte weiter lösen Pappeln das Dunkel der Kiefernwälder ab. Sonnenstrahlen treffen auf den nassen Weg, der nach dem kurzen Regenschauer sofort trocknet. Auch das ist ein Vorteil des feinen Asphalts, erklärt Glätzer. Wasser fließt ruckzuck ab, binnen weniger Minuten Sonnenschein ist die Rutschpartie für die vier Räder an den Füßen beendet. An jeder Abfahrt stehen große Warnschilder: Achtung Gefälle, bitte bremsen. Aber meist geht es flach dahin, die einzige ernst zu nehmende Steigung führt nach Schlenzer. „Bergdorf, 142,25 Meter über dem Meeresspiegel“ steht dort angeschrieben. Glätzer war einmal mit einer Gruppe Österreicher hier und einer bemerkte ganz trocken: „Das sind doch keine Berge bei euch. Das sind ja nur Wellen.“

Strumpfwirker und Zeugmacher in Luckenwalde

Textilherstellung
. In der ehemaligen Industriestadt Luckenwalde siedelten sich bereits im 17. Jahrhundert Strumpfwirker und Zeugmacher an. Heute glänzt die Stadt dank ihrer Architektur: Der Marktturm als ehemaliger Wehrturm einer Grenzanlage, die Johanniskirche aus dem 15. Jahrhundert, Gründerzeitbauten sowie Jugendstilornamente an Mietshäusern und Fabrikbauten.

14 Gemeinden, darunter sechs Städte, umfasst der Landkreis Teltow-Fläming. Ludwigsfelde (knapp 24.000 Einwohner) ist die größte – viele hier ansässige Unternehmen sind Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise. Das Gebiet gehört zu den erfolgreichsten Regionen Ostdeutschlands.

Flaeming-Skate oder zahlreiche Badeseen

Region
. Im Süden Berlins erstreckt sich der Landkreis Teltow-Fläming auf einer Fläche von rund 2100 Quadratkilometern zwischen der Teltower Platte und dem Niederen Fläming. Dieser Höhenzug ist Namenspatron für die Flaeming-Skate im Süden des Landkreises. Im Norden sind vor allem die Seen zwischen Saalow, Klausdorf und Wünsdorf als Ausflugsgebiete sehr beliebt.

Geschichte zum Anfassen in der Klosterkirche Zinna

Der Ort zwischen Luckenwalde und Jüterbog wurde gleich nach dem Kloster benannt und bietet heute noch Geschichte zum Anfassen. Das 1170 gegründete Zisterzienserkloster Zinna ist gut erhalten, in der Klosterkirche fi nden regelmäßig Konzerte statt. In der Abtei ist ein Museum untergebracht, das die Geschichte des Klosters und des Zisterzienserordens erzählt. Im Gästehaus wird’s hochprozentig, denn dort braut man nach historischem Rezept die Essenzen für den süßen Kräuterlikör „Zinnaer Klosterbruder“. Sehenswert ist nicht zuletzt das Webermuseum nebst Schauwerkstatt am Ortsausgang.

Die Skate-Arena Jüterbog

Wer richtig Gas geben will auf den Rollen, muss die Skate-Arena in Jüterbog besuchen, auf der internationale Wettkämpfe ausgetragen werden. Sie liegt direkt an der Skate-Strecke und verfügt über eine ovale Bahn mit 200 Metern Länge und 5,85 Metern Breite. Außerdem gibt es ein Hockeyfeld (20 x 40 Meter). 800 überdachte und 600 freie Sitzplätze ermöglichen den Fans, den schnellen Sport auf leisen Rollen hautnah mitzuerleben. Im August 2005 sorgten hier die Bahnwettbewerbe der Speedskating-EM für Furore.

Das Mittelalter in Jüterbog

Jüterbog besitzt noch einen schönen mittelalterlichen Kern. Sehenswert sind das gotische Rathaus, die Stadttore, die Nikolai- und die Mönchenkirche sowie das Heimatmuseum.

Ein Museumsdorf in Luckenwalde

Südlich der Kreisstadt Luckenwalde erstreckt sich das Baruther Urstromtal. Hier befindet sich das Museumsdorf Glashütte, in dem zahlreiche Künstler und Handwerker leben.

REISEINFOS

Anreise: Es gibt gute ICE-Verbindungen mit dem ICE über Berlin (Infos im Internet unter www.bahn.de).

Flug: z.B. mit Air Berlin ab München, Stuttgart oder Düsseldorf ab 29 Euro (www.airberlin.com).

Unterkunft:

Hotel Vierseithof in Luckenwalde (4 Sterne, Kunsthotel, Gourmet-Restaurant): ab 99 Euro p.P./Nacht im DZ/F, Tel. +49 3371 62680 (www.vierseithof.de).

Hotel Alte Försterei in Kloster Zinna (4 Sterne, Romantikhotel im Ambiente des 18. Jahrhunderts): ab 64 Euro p.P./Nacht im DZ/F, Tel. +49 3372 4650 (www.romantikhotels.com/Kloster-Zinna).

Gutshaus Petkus (Skaterhotel mit Ausrüstungs-Verleih): 85 Euro im Familienzimmer für 2 Erw. und bis zu 4 Kinder inkl. Frühstück pro Nacht, Tel. +49 33745 70870 (www.skatehotel.de).

Hotel „Zum Eichenkranz“ in Kolzenburg (Skaterhotel, Ausrüstungs- Verleih, Service-Werkstatt): 40 Euro p.P. im DZ/F; Tel. +49 3371 610729 (www.eichenkranz.de);

Campingplatz Oehna (Freibad, großer Spielplatz, auch Blockhütten),

Blockhütte für 2 Personen: 25 Euro/Nacht, Tel. +49 33742 61632, (www.flaeming-camping-oehna.de).

Skateshop: Sport Kuhlmey, Große Straße 56, Jüterbog (weitere Infos im Internet unter www.sport-kuhlmey.de).

Ausflüge/Aktivitäten in der Region:

Erlebnishof Jüterbog-Werder: ideal für Kinder, mit Streichelzoo, Reitmöglichkeit, Spielplatz, Zinngießen und Hofladen

Therme Luckenwalde: Erlebnisbecken, Kinder-Wasserwelt, Whirlpool, Saunalandschaft; täglich 10 bis 22 Uhr, www.flaemingtherme.de

Hochseilgarten Luckenwalde: nach Voranmeldung, 25 Euro für 2,5 h; Tel.: 030/75513067; www.flaeminghochseilgarten.de

 

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