Ski-WM: Silber für Hirscher! Kristoffersen holt Gold

Favoriten hab sich durchgesetzt
Favoriten hab sich durchgesetzt ©APA
Auch Marcel Hirscher hat es vorerst nicht geschafft, bei der Alpinski-WM 2019 in Aare das erste Gold für Österreich zu holen.
Ski-WM: Herren-Riesentorlauf
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Der grippekranke Ski-Superstar aus Salzburg musste sich Freitagabend im Riesentorlauf seinem norwegischen Dauerrivalen Henrik Kristoffersen um 0,20 Sek. geschlagen geben und holte Silber. Dritter wurde der Halbzeit-Führende Alexis Pinturault (FRA), Marco Schwarz wurde 5.

Olympiasieger und Titelverteidiger Hirscher war mit der Chance in sein erstes WM-Rennen gegangen, mit Gold seinen Landsmann Toni Sailer zu übertreffen und der erfolgreichste Athlet bei alpinen Ski-Weltmeisterschaften zu werden. Der 29-jährige Salzburger war deshalb trotz seiner gesundheitlichen Probleme Favorit und fuhr im ersten Durchgang am Nachmittag zunächst auch auf Platz zwei. Nur eine Zehntel hinter Kombi-Weltmeister Pinturault sowie 8 Hundertstel vor dem mit Nummer eins ins Rennen gegangene Kristoffersen.

Schnell gesetzter Lauf

Nur 18 Hundertstel trennten also die ersten Drei, die Top Sechs der Startliste lagen auf den Rängen eins bis sechs.”Es ist nichts verloren und nichts gewonnen”, resümierte Hirscher zunächst. Er habe seit Jahren keinen so schnell gesetzten zweiten Lauf gesehen”, sagte er dann unmittelbar vor dem abendlichen Flutlicht-Showdown über den vom österreichischen DSV-Coach Bernd Brunner extrem schnell gesetzten zweiten Durchgang.

Mit Schwarz auf Platz zwei legte Kristoffersen als erster des Top-Trios eine überragende Gesamt-Bestzeit vor, damit sicherte sich Hirschers Dauerrivale bereits seine erste WM-Medaille überhaupt. Hirscher startete das Unternehmen Titelverteidigung zunächst ebenfalls stark und machte sogar Zeit gut auf den Norweger. Je länger der Lauf wurde, umso mehr verlor der gesundheitlich angeschlagene Österreicher aber.

Viertes Edelmetall in Folge

Am Ende reicht es immerhin zu seiner insgesamt zehnten WM-Medaille und dem bereits vierten Silber, weil Kombi-Weltmeister Pinturault auf Platz drei zurückfiel. Hirscher schaffte zudem seine viertes RTL-Edelmetall bei den vierten Weltmeisterschaften in Folge. Auch 2013 und 2015 hatte er Silber geholt. Im Medaillenspiegel blieb Österreich aber trotz der fünften Plakette auf Platz acht “picken”.

“In Anbetracht der Umstände ist das heute gewaltig. Ich muss ich sehr zufrieden sein. Zweiter Platz ist aber auch erster Verlierer und hilft mir nicht weiter. Natürlich hätte ich gerne meinen Titel verteidigt”, sagte Hirscher nach dem Rennen im ORF. Die Erkrankung sei beim Fahren auf keinen Fall eine Ausrede gewesen. “Irgendwann morgen werde ich mich sicher auch freuen”, sagte der Salzburger, der Sonntag zum WM-Abschluss im Slalom noch eine Gold-Chance hat. Zu Kristoffersen meinte er: “Er hat das mit Bravour gemeistert und verdient gewonnen.”

Schwarz mit Laufbestzeit

Die restlichen Österreicher hatten mit Stefan Brennsteiner als Bestem auf Halbzeit-Rang zwölf ihre Medaillen-Chancen schon im ersten Lauf liegen gelassen. Zweitbester ÖSV-Fahrer hinter Hirscher wurde in der Endabrechnung aber Schwarz, der sich mit Laufbestzeit vom 16. auf den 5. Platz Platz katapultierte. “Ich habe schon bei der Besichtigung des zweiten Laufs gesehen, dass man im Mittelteil voll ans Limit gehen muss. Das habe ich gemacht und es hat sich ausgezahlt. Ich bin sehr zufrieden”, sagte der Kärntner.

Brennsteiner wurde in der Endabrechnung 9., Manuel Feller 15. Roland Leitinger, vor zwei Jahren noch Vizeweltmeister hinter Hirscher, fädelte im zweiten Durchgang ein und schied aus.

Endstand – Top 15

  • 1. Henrik Kristoffersen (NOR) 2:20,24
  • 2. Marcel Hirscher (AUT) 2:20,44
  • 3. Alexis Pinturault (FRA) 2:20,66
  • 4. Loic Meillard (SUI) 2:21,16
  • 5. Marco Schwarz (AUT) 2:21,28
  • 6. Zan Kranjec (SLO) 2:21,28
  • 7. Leif Kristian Nestvold-Haugen  (NOR) 2:21,32
  • 8. Alexander Schmid (GER) 2:21,43
  • 9. Stefan Brennsteiner (AUT) 2:21,62
  • 10. Marco Odermatt (SUI) 2:21,63
  • 11. Ted Ligety (USA) 2:21,78
  • 12. Tommy Ford (USA) 2:21,80
  • 13. Rasmus Windingstad (NOR) 2:21,84
  • 14. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 2:21,96
  • 15. Manuel Feller (AUT) 2:22,21

Reaktionen

Reaktionen nach dem Riesentorlauf der Herren bei den 45. Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Aare vom Freitag:

Henrik Kristoffersen (NOR/Gold): “Von der ersten Zwischenzeit bis unten war es voll am Limit. Es ist ein Jahr nach dem letzten Sieg, 2015 war der letzte Riesentorlauf-Sieg in Meribel. Wir haben seitdem alle so viel gearbeitet für diesen Sieg gegen die ‘odds’. Der Sieg ist für dieses Team. Ich bin im Ziel mehr nervös als am Start. Unten kann ich nur warten. Es ist wirklich cool, wenn man am Stockerl mit Marcel und Alexis steht. Sie waren die zwei besten Riesentorläufer der letzten Jahre.”

Marcel Hirscher (AUT/Silber): “In Anbetracht der Umstände ist das heute gewaltig. Ich muss ich sehr zufrieden sein. Zweiter Platz ist aber auch erster Verlierer und hilft mir nicht weiter. Aber es ist sicher mehr als das Maximum rausgeholt worden. Ich muss sagen, es passt. Aber natürlich hätte ich gerne meinen Titel verteidigt. Die Erkrankung ist beim Fahren auf keinen Fall eine Ausrede. Sicher ist so eine Vollbelastung nicht super, ich hoffe, ich kann am Sonntag im Slalom wieder voll angreifen. Zumindest gehe ich nicht davon aus, dass es wieder schlechter wird. Ich bin happy, dass ich am Start war und es so runterbekommen habe. Irgendwann morgen werde ich mich sicher auch freuen. Das mit Henrik war zu erwarten und hat mich nicht überrascht. Er hat das mit Bravour gemeistert und verdient gewonnen. Er war so oft Zweiter, heute ist er Erster. Das ist sicher eine große Genugtuung und passt auch so. Wenn man zwei Zehntel sucht, wird man die sicher finden, das bringt aber nichts. Ein Nackler zu viel ist zweiter Platz, so eng ist das beinander. Aber wir haben eine Medaille. Summa summarum, waren wir mannschaftlich okay, ich bin echt froh, dass es so runtergebracht habe.”

Alexis Pinturault (FRA/Bronze): “Ich bin sehr glücklich. Im Riesentorlauf bin ich noch ein bisschen hinter Hirscher und Kristoffersen, die beiden waren besser. Ich war nicht imstande, wirklich um den Sieg zu kämpfen und muss mich noch steigern. Vielleicht war ich auch schon ein bisschen zu müde. Es war ein toller Kampf mit den beiden. Wir versuchen, unsere Grenzen immer weiter hinauszuschieben, das ist gut für ganzen Skisport.”

Marco Schwarz (AUT/5.): “Ich habe bei der Besichtigung gesehen, dass man im Mittelteil voll ans Limit gehen muss. Das habe ich gemacht und es hat sich ausgezahlt. Im zweiten Durchgang hat die Piste weniger nachgelassen, ich bin sehr zufrieden. Ich habe Marcel nichts gefunkt. Er kann eh im Fernsehen sehen, dass man im Mittelteil voll ans Limit gehen muss.”

Stefan Brennsteiner (AUT/9.): “Ich war im zweiten knapp am Einfädler und drauf und dran, es Roland nachzumachen. Gottseidank ist der Ski auf die richtige Seite gesprungen. Mein Lauf war von Fehlern geprägt.”

Manuel Feller (AUT/15.): “Der Lauf hat nichts Anderes offengelassen, so ist es dahingegangen. Mit sauber Fahren kriegst du eine Vollklatsche. Ich habe mein Bestes gegeben heute. Ich kann nicht böse seinn, habe alles probiert, ich tue mir hier immer schon schwer, habe nicht mein bestes Skifahren gezeigt. Ich hoffe, es geht im Slalom besser.”

Roland Leitinger (AUT/out ): “Ich war ein bisschen zu eng unterwegs und habe kurz hingeschnitten. Aber die Geräte gehen halt gut um die Kurve. Schade, ich wollte alles geben, Gas geben. Das Risiko musste und wollte ich eingehen. Dass ein Einfädler rauskommt, schaut tollpatschig aus, passiert aber nur alle zehn Jahre.”

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