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"Sie war so liebenswert"

Am 31. August 1997, also vor fünf Jahren, raste die "Königin der Herzen" in Paris in den Tod. Für zahllose Verehrer brach eine Welt zusammen.

Eine verwelkte rote Rose am Boden, daneben die bronzene Flamme der Freiheit, zur Linken die Silhouette des Eiffelturms und unten der Tunnel, wo es geschah. Als Diana, Princess of Wales, am 31. August 1997 in einem Mercedes 280 S vor den 13. Pfeiler des Alma-Tunnels im Herzen von Paris rast, bricht für zahllose Verehrer eine Märchenwelt zusammen.

In dem völlig zerstörten Unglückswagen sterben Dianas Freund Dodi Fayed und Chauffeur Henri Paul. Die „Königin der Herzen“ und ehemalige Frau des britischen Thronfolgers Charles erliegt ihren Verletzungen wenig später in einer Pariser Klinik. Ihr Leibwächter Trevor Rees-Jones überlebt.

Fünf Jahre danach sind fast alle Spuren an der Alma-Brücke gelöscht, die an den tragischen Tod der Märchenprinzessin erinnern. Blumen, Briefe, Fotos – alles fiel dem Wunsch der Stadtväter zum Opfer, das Bronze-Denkmal zu restaurieren und wieder zu dem zu machen, was es vor Dianas Tod einmal war: eine Kopie der Flamme, die New Yorks Freiheitsstatue in der Hand hält, gestiftet 1987 von der „International Herald Tribune“, als die Zeitung ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Sogar eine Absperrung gibt es inzwischen, um die Verehrer aus aller Welt fern zu halten.

Doch deren Strom ist noch immer ungebrochen. Im Sommer dürften es etwa 100 pro Stunde sein, die der toten Prinzessin huldigen, sich vor dem Denkmal an dem eigentlich Maria Callas gewidmeten kleinen Platz fotografieren lassen oder gar dem dichten Verkehr trotzen und versuchen, den Pfeiler Nummer 13 abzulichten. Die meisten von ihnen sind enttäuscht.

„Wir haben uns überall umgesehen“, sagt eine Touristin aus Sri Lanka, „nirgends mehr ein Hinweis darauf, dass Diana hier verunglückt ist.“ Ein Mädchen aus Lausanne in der Schweiz erklärt: „Ich habe sie geliebt, sie mochte Kinder und war sehr großzügig.“ „Sie hätten wenigstens eine eigene Gedenkstätte für sie errichten können“, fügt ihr Bruder hinzu.

Nur die wenigsten wissen, dass es seit dem vorigen Jahr in Paris tatsächlich einen offiziellen Ort zu Ehren Dianas gibt – den kleinen Natur-Lehrgarten Clos des Blancs-Manteaux im Marais, dem historischen Stadtviertel im 4. Arrondissement. Der Lehrgarten für Schüler wurde statt einer Straße ausgewählt, um die Erinnerung an die kinderliebe Prinzessin lebendig zu erhalten.

Längst haben die Pariser Gerichte Dianas Akte geschlossen und die Fotografen, die den Unglückswagen in der Nacht verfolgt hatten, von jeder juristischen Schuld befreit. Vor allem der Chauffeur sei für die Tragödie verantwortlich, ergaben die Untersuchungen, denn Alkohol und Tabletten hätten ihn fahruntüchtig gemacht. Mit dieser Version aber haben sich bisher weder Dodis Vater, der ägyptische Milliardär Mohammed Fayed, noch die Eltern Henri Pauls abfinden können. Während der eine von einem Komplott britischer Geheimagenten überzeugt ist, glauben die anderen, dass Blutproben vertauscht wurden, um ihrem toten Sohn die Schuld zu geben. Beide drohen mit weiteren Klagen.

Was auch immer die Gründe für den Tod der Prinzessin gewesen sein mögen: Huguette, eine charmante 70-Jährige aus dem 18. Arrondissement, will auch fünf Jahre danach wieder eine Rose niederlegen, vor das bronzene Symbol der Freiheit, dort, wo es geschah. „Sie war so liebenswert“, meint Huguette, „aber ihren Ex- Mann finde ich einfach entsetzlich.“

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